Australien

31. Dezember 2019 20:00; Akt: 31.12.2019 20:25 Print

Schweizerin erlebt Buschfeuer hautnah mit

Nina Diener (29) war so nah an den Buschfeuern in Australien, dass sie vom Rauch krank wurde. Inzwischen ist sie in Neuseeland.

Bildstrecke im Grossformat »
Der dichte Rauch in der australischen Stadt Moruya machte Nina Diener (29) aus Embrach zu schaffen: «Ich wurde krank», erzählt sie. Sie besuchte dort während ihrer Ferien in Australien einen Freund. Doch ganz in der Nähe wüteten Buschfeuer. Am Montag wurde das Haus ihres Kollegen schliesslich Opfer der Flammen. Diener ist mittlerweile in Neuseeland. Auch andernorts leiden die Menschen unter der Feuersbrunst: In Mallacoota sind Tausende Touristen vom Feuer eingeschlossen. Viele warten am Strand auf Hilfe. Die Eingeschlossenen werden teilweise mit Booten evakuiert. Das australische Militär schickt Helikopter und Schiffe. Die verheerenden Brände haben den Himmel orange und rot gefärbt. Mindestens 12 Menschen sind bereits tot. Feuerwehrleute befürchten weitere Opfer. Ein Feuerwehrmann starb am Montag in einem Feuer-Tornado im Bundesstaat New South Wales, zudem meldeten die Behörden am Dienstag sieben Menschen als vermisst. Die Buschbrände in Australien wüten bereits seit Oktober. New South Wales im Südosten des Landes ist besonders schwer betroffen. Zehntausende wurden aufgefordert zu fliehen, doch nicht jeder folgte der Anweisung: Die Situation in East Gippsland am Sonntag. (29. Dezember 2019) Auch die Blue Mountains, ein beliebtes Ausflugsgebiet westlich von Sydney, sind von den Bränden betroffen. (27. Dezember 2019) Für Melbourne wurden Temperaturen über 40 Grad vorausgesagt - bereits zum dritten Mal im Dezember. Das letzte Mal war dies 1897 passiert. Premierminister Scott Morrison sagte, dass Zahlungen von bis zu 6000 australischen Dollar (rund 4100 Franken) für Berechtigte zur Verfügung stehen würden, die mehr als 10 Tage im Einsatz verbracht hätten. Die Feuerwehr von New South Wales steht im Dauereinsatz - und es hört nicht auf. (22. Dezember 2019) «Wir werden uns nicht auf unbesonnene (Klima-)Ziele einlassen und traditionelle Industrien aufgeben, wodurch australische Arbeitsplätze gefährdet würden»: Der australische Premierminister Scott Morrison. (Archivbild) In der Nähe von Balmoral, New South Wales: Die Rauchsäulen der Buschfeuer sind kilometerweit zu sehen. Balmoral wurde vom Feuer praktisch zerstört. Einige Feuerwehrmänner wurden im Ort verletzt, als sie gegen die Brände kämpften. «Ich entschuldige mich»: Australiens Premierminsiter Scott Morrison spricht zu den Medien. (22. Dezember 2019) Zahlreiche ausser Kontrolle geratene Buschfeuer halten derzeit Feuerwehr und Bewohner der Bundesstaaten New South Wales und Queensland in Atem. Ein Feuerwehrsprecher sagte: «Wir hatten noch nie so viele gleichzeitig auftretende Buschfeuer auf Katastrophenniveau». In einigen Gebieten waren die Bewohner von Fluchtrouten abgeschnitten und wurden daher aufgerufen, vor Ort irgendwo Schutz zu suchen. Auch die Tierwelt ist von den Bränden betroffen. Wenn Feuer ausbricht, dann klettern Koalas in die Kronen der Bäume und rollen sich zu einem kleinen Ball zusammen. Kleinere Brände, bei denen das Feuer in der Nähe des Bodens bleibt, können die Tiere mit leicht verkohltem Rückenfell überleben. Die Hoffnung noch überlebende Koalas zu finden schwindet. Eine Helferin sagt: «Wir werden die Tiere, die an schweren Verbrennungen leiden, human von ihren Schmerzen erlösen.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Montag war Nina Diener (29) noch bei einem Freund in der Nähe der australischen Stadt Moruya in den Ferien. Jetzt ist das Haus, in dem die Frau aus Embrach erst noch übernachtet hatte, wohl den Flammen zum Opfer gefallen.

Der Bundesstaat New South Wales, in dem Moruya liegt, wird zurzeit von unzähligen Buschfeuern heimgesucht. Allein in New South Wales sollen eine Fläche fast so gross wie die Schweiz und circa 1000 Häuser zerstört worden sein.


Nina Diener (29)

«Ich wurde krank»

Diener erlebte die Buschfeuer aus nächster Nähe mit: «Es hing dichter Rauch in der Luft», schildert sie die Lage. Sie hielt die fünf Tage, die sie bei ihrem australischen Kollegen Clayton verbrachte, kaum aus: «Mir ging es nicht gut.»

Der ganze Rauch wirkte sich auf ihre Gesundheit aus: «Mir war schlecht, ich wurde krank», erzählt Diener. Das Haus habe sie nur verlassen, um an den Strand zu fahren: «Dort hatte es keinen Rauch.»

Noch nie Buschfeuer in diesem Ausmass erlebt

Angst habe sie trotzdem nicht gehabt. Clayton habe sie beruhigt: «Er sagte anfangs, das sei normal.» Doch dann seien die Feuer in den letzten Tagen immer heftiger geworden. Da sei es auch ihm unwohl geworden: «Er wohnt seit elf Jahren dort, aber Buschfeuer in diesem Ausmass hatten sie noch nie.»

Damit hatte auch Diener in ihren Australienferien nicht gerechnet. Doch zum Glück hatten sie und Clayton auch einen Aufenthalt in Neuseeland geplant. Am Montag reisten sie deshalb planmässig aus Moruya ab – gerade noch rechtzeitig.

Sie weiss noch nicht, wo sie schlafen wird

Als ihr Flugzeug in Neuseeland landete, erhielten sie die bittere Nachricht: Vermutlich ist das Haus des Australiers niedergebrannt. Claytons Mitbewohner ist vor den nahenden Flammen geflohen und hat das Haus verlassen: «Er hat Claytons Hund und seine wichtigsten Sachen eingepackt und sich in Sicherheit gebracht.»

Claytons Haus liegt rund zehn Autominuten von Moruya entfernt. Aber auch die Stadt selbst ist inzwischen bedroht: «Seine beiden erwachsenen Söhne, die dort wohnen, haben all ihre Sachen ins Auto gepackt», sagt Diener. Sie seien darauf vorbereitet, zu fliehen.

In zwei Wochen wollen Diener und ihr Kollege wieder nach Moruya zurückkehren. Was dann noch steht, wissen sie nicht. Wo sie übernachten werden, auch nicht. Nur so viel: «Vermutlich schlafen wir bei Verwandten.»

(pro)