Verhaftungen

11. Januar 2011 18:57; Akt: 11.01.2011 20:35 Print

Schweizweite Razzien gegen Tamil Tigers

Die Bundeskriminalpolizei (BKP) hat eine schweizweite Operation gegen Mitglieder der tamilischen Untergrundorganisation «Liberation Tigers of Tamil Eelam» (LTTE) durchgeführt.

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Ein Tiger schmückt die Flagge der Tamil Tigers. (Bild: Keystone)

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Die Bundeskriminalpolizei (BKP) verhaftete zehn Personen und durchsuchte in zehn Kantonen insgesamt 23 «Objekte».

Die Polizeiaktion fand in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Genf, Graubünden, Luzern, Solothurn, St. Gallen, Waadt und Zürich statt, wie die Bundesanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Die Aktion sei in ihrem Auftrag erfolgt und habe sich gegen einzelne Exponenten aus dem Umfeld der LTTE gerichtet.

Hintergrund ist eine im Mai 2009 eröffnete Strafuntersuchung gegen mehrere Personen tamilischer Herkunft. Diesen werden unter anderem Drohung, Erpressung, Urkundenfälschung, Geldwäscherei und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation vorgeworfen.

Die Beschuldigten sollen ihre in der Schweiz lebenden Landsleute gezwungen haben, die LTTE finanziell zu unterstützen. Dabei seien die Opfer «massiv unter Druck gesetzt, bedroht oder Erpressungsversuchen ausgesetzt» worden.

Beispielsweise hätten die «Befreiungstiger» ihre Landsleute dazu gebracht, mittels gefälschten Lohnausweisen überhöhte Kredite aufzunehmen. Das Geld mussten sie dann den LTTE abgeben. Dafür bauten die Mitglieder der Untergrundorganisation in der Schweiz «eine solide und effiziente Pyramidenstruktur» auf, wie die BA weiter mitteilte.

Mit dem Geld - insgesamt mehrere Millionen Franken - habe die LTTE in Sri Lanka vor allem Kriegsmaterial gekauft, schreibt die BA. Das Geld sei über Kuriere via Drittstaaten und zu einem kleinen Teil mittels Banküberweisungen nach Sri Lanka gelangt.

Kampf für Unabhängigkeit

Gemäss einer Studie aus dem Jahr 2008 des Schweizerischen Forums für Migrations- und Bevölkerungsstudien im Auftrag des Bundesamtes für Migration zahlte jede tamilische Familie 50 bis 100 Franken monatlich an die Rebellen, die für die Unabhängigkeit des Nordens Sri Lankas kämpften.

Gesprächspartner der Autorinnen der Studie berichteten von Druckversuchen. Als Grund für die finanziellen Abgaben nannten sie entweder diese Repressalien oder eine ideologische Unterstützung.

Die Sammeltätigkeit der LTTE wurde wiederholt in den Berichten des Bundesamtes für Polizei (fedpol) erwähnt. Bereits 2006 wurde im Bericht Innere Sicherheit von «Hinweisen auf Gewalt gegen säumige Zahler» geschrieben. Auch der Inlandnachrichtendienst beobachtete die Aktivitäten der LTTE.

Im Gegensatz zu anderen Ländern war die Rebellengruppe in der Schweiz nie verboten worden. In der EU wurde die LTTE 2006 auf die Terrorliste gesetzt. Die «Befreiungstiger» kämpften während 37 Jahren für die Unabhängigkeit des Nordostens des Landes, der mehrheitlich von Tamilen bewohnt ist.

Mit dem Tod des charismatischen Führers Vellupillai Prhabakaran im Mai 2009 endete der Konflikt. Er hatte 80 000 bis 100 000 Menschen das Leben gekostet.

(sda)