«Homophobe Aussagen»

09. August 2015 05:51; Akt: 09.08.2015 05:51 Print

Schwulen-Dachverband zeigt Bischof Huonder an

Wegen seiner öffentlichen Aufforderung zur Gewalttätigkeit will Pink Cross Strafanzeige gegen den Churer Bischof Vitus Huonder erstatten. Er sei ein «Wiederholungstäter».

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«Homophobe Aussagen»: Gegen den Churer Bischof Vitus Huonder ist eine Anzeige geplant. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Der Churer Bischof Vitus Huonder wird wohl Post von der Graubündner Staatsanwaltschaft erhalten: Pink Cross, der Dachverband der schwulen Männer in der Schweiz, will am Montag bei der Behörde eine Strafanzeige wegen «homophober Aussagen des Bischofs» deponieren. Das bestätigt Geschäftsleiter Bastian Baumann gegenüber der «SonntagsZeitung».

Belangt werden soll der katholische Geistliche wegen öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen oder zur Gewalttätigkeit. Bei einer Verurteilung sieht Strafgesetz-Artikel 259 eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Auch die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) unterstützt das Vorgehen.

Bibelzitat wörtlich ausgelegt

Anlass zur Klage gab ein Referat, das Huonder an einem Kongress in Fulda (D) gehalten hatte und dessen Inhalt vergangene Woche bekannt wurde. Dabei zitierte Huonder eine Bibelstelle aus dem Buch Levitikus. Darin heisst es: «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen.»

Baumann sagt, Huonder habe wiederholt klargemacht, dass er das Zitat wörtlich verstehe, und er habe auch entsprechendes Handeln propagiert. Dieser Aufruf «zur Wiedereinführung der Todesstrafe für Homosexuelle» habe Pink Cross dazu bewogen, strafrechtlich vorzugehen. «Vitus Huonder nimmt als kirchliche Autoritätsperson in Kauf, dass seine Aufforderung gerade bei christlichen und anderen Fundamentalisten Zustimmung findet und gehorsam befolgt werden könnte», sagt Geschäftsleiter Baumann.

«Wiederholungstäter»

Bis zu einem gewissen Grad seien «die Diffamierungen von Homosexuellen durch die Kirche» auszuhalten, aber jetzt habe der Bischof «eine rote Linie» überschritten. Zumal sich Huonder bereits mehrmals gegen die Rechte von Lesben und Schwulen ausgesprochen habe, er sei «ein Wiederholungstäter».

Dass der Churer Bischof Huonder Empörung hervorruft und zum Rücktritt aufgefordert wird, ist nicht das erste Mal. Zuletzt geriet er wegen des Falls Bürglen in die Schlagzeilen. Huonder kritisierte den Pfarrer der Urner Gemeinde, weil dieser ein lesbisches Paar gesegnet hatte. Zur Anzeige von Pink Cross will sich Huonder nächste Woche äussern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonusfaber am 09.08.2015 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig!

    Bischöfe müssen auch zur Verantwortung gezogen werden! Hassprediger so oder so!

  • Walter Spahni am 09.08.2015 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    So soll es sein!

    Man soll die rechtsstaatlichen Mittel nutzen und einsetzen!

  • Calvin W. am 09.08.2015 06:13 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Pink Cross!

    Ich frage mich nur, wo die Betroffenheit bei der Bevölkerung bleibt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Teide38 am 10.08.2015 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Rücktritt des Bischof Huonder !!!!

    Ein herzliches Dankeschön an den Pink Cross.....Bin ganz ihrer Meinung, eine solche Hetze gegen Homos kann man nicht einfach so im Raume stehen lassen. Schande genug dass diesmal es einen Kirchenfürsten der kath,. Kirche es trifft. Bischof Huonder würde gut daran tun, wenn ER freiwillig und zwar bevor ER zu Gericht steht, von seinem Amt zurück triet. Eine solkche Person ist für die kath.Kirche in der heutigen Zeit nicht mehr tragbar.....

  • Steve Kupferschmid am 09.08.2015 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atheist

    Wenn das die Meinung Herr Huonders und ein Teil der kath. Kirche ist, sollten sie mal in ihren eigenen Reihen lichten, da dies ja eine "Greueltat" ist. Aber das wird bei ihnen wohl als Nächstenliebe angesehen.

  • Manu am 09.08.2015 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragliche Werte

    Wann merkt Rom endlich, wie sehr ihnen dieser Hassprediger schadet? So ein Huonder gehört schon lange zurück gepfiffen! Wofür steht denn nun eigentlich die kath. Kirche? Offenbar nicht für meine Werte. Ich befinde mich in einem Dilemma und muss mich entscheiden. ob ich da noch mitnachen will.

  • Tonia T. am 09.08.2015 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nur die Liebe zählt!

    Glaubt nie jemandem der nicht Liebe predigt. Glaubt nie jemandem der euch manipulieren will. Glaubt nie jemandem, dem es nur um seine eigenen Vorteile geht. Nur die Liebe zählt!

  • jogibear am 09.08.2015 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..von Menschenhand geschrieben..

    Da die Bibel ja nicht von irgend einem Geist erfunden und geschrieben wurde sondern von verschiedenen Menschen, ist es verständlich wenn solche abstrakten Sätze zu lesen sind. Dass sich ein studierter Geistlicher dazu hinreissen lässt, dies in allem Ernst als Richtig zu verteten finde ich eine ziemlich verdrehte und bedenkliche Weltanschauung.