Homo-Eklat wegen Bortoluzzi

03. April 2019 10:45; Akt: 03.04.2019 18:00 Print

Schwuler SVPler legt sich mit der alten Garde an

SVP-Mitglied Michael Frauchiger wettert in seinem Tweet gegen den «homophoben» Vizepräsidenten der SVP Zürich und erntet dafür Kritik von einem SVP-Nationalrat.

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Der homosexuelle SVP-Jungpolitiker Michael Frauchiger aus Weiach ZH weiss um den schlechten Stand der Partei beim Thema Homosexualität: «Obwohl es in der SVP einige Homosexuelle gibt – ich kenne mehrere Aktivmitglieder – bringt uns kaum jemand damit in Verbindung.» An der Delegiertenversammlung griff er am Dienstag Alt-Nationalrat Toni Bortoluzzi frontal an. Er warf dem neuen Vizepräsidenten der Kantonalpartei Homophobie vor. Der Projektleiter Frauchiger, der sich für Homosexuelle in Bereichen wie Adoption, Blutspende und Ehe einsetzt, outete sich mit 16 Jahren. Am meisten Bammel habe er gehabt, als er sich bei seiner Grossmutter geoutet habe, die katholisch und eher konservativ aufgewachsen sei, so Frauchiger: «Sie ist mein ein und alles. Wenn sie etwas Negatives gesagt hätte, wäre es sehr schlimm für mich gewesen. Sie sagte aber: ‹Du, ich weiss es schon seit du auf der Welt bist›. Das war so eine Erleichterung.» Frauchiger: «Viele können sich einfach nicht vorstellen, dass auch rechte Politiker schwul sind oder sich auch für die Rechte von Schwulen einsetzen können und wollen.» Dass die Schweiz noch aufzuholen habe betreffend Gleichberechtigung sei ihm bei einem Sprachaufenthalt in Sydney klar geworden. Australien hat gleiches Recht für alle und homosexuelle Pärchen gehören zum normalen Stadtbild. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir das auch in der Schweiz erreichen. Von seiner politischen Arbeit kann sich Frauchiger beim Fliegen erholen: « Ich geniesse jede Minute in der Luft und kann hier so richtig abschalten.»

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Im Rahmen der gestrigen Delegiertenversammlung der SVP Zürich fand die Wahl der neuen Vorstandsmitglieder statt. Zürcher Präsident ist neu Patrick Walder, wobei er von drei Vizepräsidenten unterstützt wird. Gewählt wurde unter anderem Alt-Nationalrat Toni Bortoluzzi.

In einem Tweet verschafft SVP-Mitglied Michael Frauchiger seinem Ärger Luft:


«Eine solche Person in der Parteileitung ist peinlich»

Bortoluzzis Wahl kann der schwule Michael Frauchiger nicht nachvollziehen: «Bortoluzzi hat sich in der Vergangenheit mehrmals abfällig gegenüber Kindern, Frauen und Homosexuellen geäussert.» Er verweist dabei auf Bortoluzzis Aussage von 2015, wonach Homosexuelle einen verkehrten Hirnlappen hätten.

Ende 2018 habe er gegen Kita-Kinder mit geringerem IQ gewettert und als er 2015 als Nationalrat zurücktrat, sei er froh gewesen, dass «ein Mann und keine Frau nachrutscht ist», so Frauchiger. Eine solche Person in der Parteileitung sei nur peinlich. «Die anderen Gewählten sind ernstzunehmende Politiker, nur Bortoluzzi ist für mich untragbar.» Deshalb habe er sich an der Delegiertenversammlung zu Wort gemeldet.

«Eines Nationalrats unwürdige Aussage»

Frauchigers Wortmeldung blieb nicht unkommentiert: So habe Nationalrat Thomas Matter gesagt, wer sich einmal in zehn Jahren an der Delegiertenversammlung auf diese Weise äussere, solle besser seine Klappe halten. Für Frauchiger ein verbaler Angriff, die eines Nationalrats unwürdig sei: «Ich finde diese Aussage völlig daneben. Ich war in den letzten zehn Jahren an fast jeder Delegiertenversammlung und engagiere mich aktiv für die SVP.» Er werde deshalb an der Nominationsversammlung einen Antrag stellen, um Matter von der Kandidatenliste für die Nationalratswahlen zu streichen.

«Als Schwuler fühle ich mich in der SVP wohl»

Laut Frauchiger hat die SVP aber kein grundsätzliches Problem mit Homosexualität: «In den letzten zehn Jahren hat sich einiges gebessert und ich fühle mich als homosexuelles Parteimitglied absolut wohl.» Nur noch der «engste Kern der alten Garde» politisiere «vom Herrliberg runter» gegen Schwule und Lesben. Aber deswegen werde er seine Parteizugehörigkeit nicht ändern, so Frauchiger.

«Habe mich verpflichtet gefühlt, Bortoluzzi zu verteidigen»

Thomas Matter kann Frauchigers Ärger nicht nachvollziehen: «Einen verbalen Disput gab es nicht. Ich wusste auch nicht, dass er schwul ist. Wir waren einfach draussen beim Rauchen. Aufgrund seiner Aussagen habe ich mich einfach verpflichtet gefühlt, Bortoluzzi zu verteidigen.» Denn Bortoluzzi habe die letzten dreissig Jahre viel für die SVP getan und sei lange Nationalrat, sogar Bundesratskandidat, gewesen. Ausserdem seien zwei von Bortoluzzis besten Freunden schwul gewesen. «Ich fand es deshalb respektlos, vor allen zu behaupten, dass er ein Schwulen- und Frauenhasser ist.»

Auf Frauchigers Drohung, ihn von der Liste der Nationalratskandidaten streichen zu wollen, reagiert Matter gelassen: «Das kann er gerne veranlassen. Ich würde das sehr bedauern, jedoch lasse ich es mir nicht nehmen, als Politiker meine Meinung sagen zu dürfen.»

Toni Bortoluzzi wollte sich 20 Minuten gegenüber nicht äussern.

(mm/daw)