20. März 2016 16:14; Akt: 20.03.2016 22:32 Print

Schwyzer Regierung bleibt rein bürgerlich

von Michael Soukup, Schwyz - Die SP verpasste den Einzug in die Schwyzer Regierung klar. Dafür gab es linke Sitzgewinne im Kantonsrat.

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Linke und Grüne legen zu: Ergebnisse der Schwyzer Wahlen (20. März 2016). (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

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Schwyz ist wie alle Zentralschweizer Kantone eine bürgerliche Hochburg: Der siebenköpfige Regierungsrat ist seit dem Rauswurf der SP vor vier Jahren ein exklusiv bürgerliches Gremium, und im Kantonsrat vereinen SVP, CVP und FDP 87 der insgesamt 100?Sitze auf sich. Insofern waren bei den gestrigen Gesamterneuerungswahlen keine erdrutschartige Veränderungen zwischen dem rechten und dem linken Lager zu erwarten. Für Aufregung im Vorfeld der Wahlen sorgte das von der CVP heftig kritisierte «Päckli» von SVP und FDP. Die beiden Parteien hatten beschlossen, sich bei den Regierungsratswahlen gegenseitig zu unterstützen – womit ihr Fünferticket als so gut wie gewählt galt.

Für die FDP hat es sich ausgezahlt: Am besten wiedergewählt wurden die Freisinnigen Petra Steimen-Rickenbacher und Kaspar Michel. Bei den letzten Wahlen lagen die beiden noch auf Platz drei und sechs. An dritter und vierter Stelle folgten die amtierenden SVP-Regierungsräte André Rüegsegger und Andreas Barraud, vor vier Jahren waren sie auf den hinteren Plätzen gelandet. Negativ zu spüren bekam das Zusammengehen der beiden bürgerlichen Parteien der populäre CVP-Baudirektor Othmar Reichmuth: Er schaffte bloss das fünftbeste Resultat.

Danach stellte sich die Frage, wer die zurücktretenden Regierungsräte, Kurt Zibung (CVP) und Walter Stählin (SVP), beerben würde. Die SVP als wählerstärkste Partei ging mit der Kandidatur René Bünter ein gewisses Risiko ein. So polarisierte der 46-jährige Politiker mit sehr direkten Voten im Kantonsrat und wurde deshalb von der CVP wie auch von der Linken als unwählbar bezeichnet. Die CVP hatte ausserdem gehofft, mit ihren beiden Kandidaten den 2010 an die FDP verlorenen Regierungsitz zurückzugewinnen – worin sie sich gründlich verkalkuliert hat: Bünter wurde deutlich vor CVP-Mann Michael Stähli in die Regierung gewählt. Der Schwyzer CVP-Präsident Andreas Meyerhans erreichte zwar das absolute Mehr, schied aber als Überzähliger aus. «Die Zusammenarbeit von FDP und SVP hat nichts mit der nationalen Politik zu tun», sagt die Schwyzer Nationalrätin und designierte Präsidentin der FDP Schweiz, Petra Gössi, im Gespräch mit dem TA. «Unsere Wahlstrategie war eine Reaktion auf die CVP, die mit dem dritten Kandidaten den Sitz unseres Finanzdirektors Kaspar Michel ins Visier nahm.» Zudem betont sie: «Es gibt so viele Fragen, beispielsweise in der Asylpolitik, wo wir mit der SVP nicht gleicher Meinung sind.»

Verschiebung dank Pukelsheim

Chancenlos blieben gestern die Kandidaten der Linken. Schon 2012 verlor die SP ihren Sitz an die SVP. Doch der damalige SP-Kandidat lag immerhin deutlich über dem absoluten Mehr, der diesjährige – Fraktionschef Paul Furrer – landete weit abgeschlagen auf dem neunten Platz. Danach folgten die Grüne Birgitta Michel Thenen und der wild kandidierende Unternehmer Roland Urech.

Mehr Erfolg hatten die Linken bei den Kantonsratswahlen. Schwyz wählte sein Parlament erstmals nach dem neuen Wahlsystem, dem sogenannten doppelten Pukelsheim. Damit gingen viele Stimmen nicht mehr wie bisher in Kleinstwahlkreisen verloren, sondern wurden in einem kantonalen Stimmentopf gesammelt und dann gemäss Wähleranteil auf die Kandidaten verteilt. Wie erwartet sorgten die Proporzwahlen für Sitzgewinne bei den kleinen Parteien. So gewannen SP, Grüne und GLP insgesamt 7 Sitze auf Kosten der Bürgerlichen.

Das Schwyzer Parlament setzt sich neu wie folgt zusammen: SVP 33 Sitze (–2), CVP 27 Sitze (–2), FDP 22 Sitze (–1), SP/Grüne/Unabhängige 15 Sitze (+5), GLP 3 Sitz (+2).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David am 20.03.2016 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann nicht sein

    Ich finde dieses neue Wahlsystem im Kanton Schwyz doof. Es werden die Stimmen einfach so aufgeteilt, dass die die weniger haben mehr kriegen. Das sollte nicht sein!

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  • Schämu am 20.03.2016 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Demokratie

    Man muss sich schon die Frage stellen, wenn Links grüne Parteien nur noch mit Tricks Sitze gewinnen können. Wenn ihre Politik so abwägig ist so muss diese nicht noch aufgezwungen werden dem Volk. Dieses System vom doppelten Pukelsheim muss sofort wieder abgeschafft werden.

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  • H. Ledergerber am 20.03.2016 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demokratisch

    An alle die über die "Fragwürdige Demokratie" wettern. Selbst das Wahlsystem ist Demokratisch zustande gekommen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans-Ueli am 21.03.2016 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kennen Sie eine Regierung, die nicht bürgerlich is

    Ich, jedenfalls nicht. Und diese gibts auch gar nicht !

    • Hitschix am 21.03.2016 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hans-Ueli

      Ja z.B. die Regierung der Stadt Bern ist sehr links und bei der Kantons Regierung haben die linken auch die mehrheit. Würde mich zuerst Orientieren bevor so etwas zu schreiben.

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  • Philipp Meyer am 20.03.2016 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Philipp Meyer

    100 Vertreter: Die SVP bekommt 33% der Stimmen und somit 33 Sitze zugeteilt und dies wird jetzt als nicht demokratisch kommentiert. Aha?!

    • timetotalk am 20.03.2016 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Philipp Meyer

      Ist doch auch richtig? 100 Sitze = 100% 1 Sitz = 1% Also sind 33% = 33 Sitze Ich weiss, dass Prozentrechnungen schwer sind ;)

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  • Bürger am 20.03.2016 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn etwas gut geht will man es ändern

    Im Moment kommt es mir vor,als würde es nur linke und rechte Politik geben. Je nach Thema alle gegen SVP. Wir sind aber mit Kompromiss und Güterabwägungen zur starken Demokratie gereift und nicht über Parteibücher -Diktatur.

  • H. Ledergerber am 20.03.2016 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demokratisch

    An alle die über die "Fragwürdige Demokratie" wettern. Selbst das Wahlsystem ist Demokratisch zustande gekommen!

  • Schellenursli am 20.03.2016 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Kt. Schwyz

    Jetzt regen sich wieder alle über die Linken auf, aber jammern dann wieder wenn ihre Steuern dank bürgerlichen Steuergeschenken an Reiche u. Unternehmen wieder steigen. Wählt ihr schlauen Büezer nur weiter fleissig SVP und schaufelt damit euer eigenes Grab :)

    • Grumpy am 20.03.2016 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht schon wieder

      Immer wieder die gleiche Mär mit den Steuererleichterungen für Unternehmen und Reiche. Die Bürgerlichen verteilen wenigstens nicht nur sondern schauen, dass auch Geld eingenommen wird. Woher und von wem wieviel, darüber scheiden sich die Geister seit es Steuern gibt.

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