Ständerat

07. Juni 2011 11:46; Akt: 07.06.2011 13:10 Print

Sechs Wochen Ferien sind zu viel

Die Initiative «Sechs Wochen Ferien für alle» hat in Bundesbern keine Chance. Nach dem Nationalrat sagte nun auch der Ständerat deutlich Nein.

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Das Volksbegehren des Gewerkschaftsdachverbands Travail.Suisse verlangt, dass das Recht auf sechs Wochen Ferien für alle Arbeitnehmenden in der Verfassung verankert wird. Die gesetzlich vorgeschriebenen vier Wochen seien in Anbetracht der gestiegenen Belastung am Arbeitsplatz nicht genug, argumentieren die Initianten.

Diese Idee findet jedoch unter der Bundeshauskuppel keine Mehrheit. Der Ständerat lehnte die Initiative ab - mit 28 zu 10 Stimmen. Der Nationalrat hatte die Vorlage im März ebenfalls deutlich mit 110 zu 61 Stimmen abgelehnt.

«Falsches Mittel - falscher Weg»

Dass die Anforderungen an Angestellte heutzutage hoch sind, bezweifelte niemand. Der Tenor lautete aber: Sechs Wochen Ferien seien das falsche Mittel, und eine Regelung in der Verfassung sei der falsche Weg.

Werner Luginbühl (BDP/BE) befürchtete gar, mehr Ferien würden den Stress nicht senken, sondern zusätzlich erhöhen. Denn «mehr Ferien bringen nur etwas, wenn die Arbeit danach auf mehr Leute verteilt werden kann». Dies sei insbesondere für KMU unrealistisch.

Roberto Zanetti (SP/SO) führte als Argumente für die Initiative nicht nur Hektik, Wettbewerbsdruck und Strukturwandel ins Feld. Er kritisierte auch, dass die Grenze zwischen Arbeits- und Freizeit heute fliessend sei. Nur in den Ferien könne man «echt abschalten und regenieren».

Anita Fetz (SP/BS) untermauerte ihr Ja zur Vorlage mit Zahlen: Der Stress am Arbeitsplatz koste jährlich rund 10 Milliarden Franken, und 20 Prozent der Männer bezögen Jahre vor der Pensionierung eine IV-Rente. Im Jahr 2007 seien in der Schweiz 186 Millionen Überstunden geleistet worden, was etwa 100 000 Stellen entspreche.

Erreichbarkeit als Statussymbol

Auch die Gegner der Vorlage zeigten durchaus Verständnis für die steigenden Anforderungen an Arbeitnehmer - etwa Erika Forster (FDP/ SG). Im Gegensatz zu SP-Ständerat Zanetti hat sie allerdings den Eindruck, dass es heute geradezu ein Statussymbol sei, «in der Freizeit ständig am Telefon zu hängen» und auch für den Arbeitgeber erreichbar zu sein.

Auch der Bundesrat lehnt die Initiative ab. Wie Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte, ist der Bundesrat skeptisch, dass der Zwang zu mehr Ferien das richtige Mittel ist. Er wolle sich weiter mit dem Thema beschäftigen, von einer Regelung in der Verfassung jedoch absehen.


(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna Früh am 07.06.2011 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    5 Wochen sind genug

    Ich arbeite in einem Familienbetrieb und da haben alle mind. 5 Wochen Ferien. Ab 60 sogar 6 Wochen. Jedoch 45h Wochenstunden.

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  • Schweizer Bürger am 07.06.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ferienlimit

    8 Wochen sind ideal.

  • Chris am 07.06.2011 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    wir haben schon längst 6 Wochen!

    Ich habe 6 Wochen Ferien! und unser Unternehmen rendiert mit 30 Mitarbeiter. Warum sollte dies nicht überall klappen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • San Dro am 08.06.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Fragt mal nach...

    Fragt mal eure (Gross)Eltern, wieviel Urlaub die hatten. Früher gab es auch keien 4 Wochen. Und als man diese eingeführt hat, brach die Wirtschaft auch nicht in sich zusammen! Das ist alles nur Panikmacherei der übelsten Sorte!

  • Heinz am 08.06.2011 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Temporäre Anstellung vorantreiben

    dann kann sich jeder seine Ferien selbst einteilen. Die Wirtschafts-Lage wird sich in Zukunft verschlechtern und kann solchen gewünschten Ferien-Forderungen nicht mehr nachkommen -also muss sich Jedermann/Frau künftig nach der Decke strecken - alles andere ist eine Illusion-Denken.

  • Avias am 08.06.2011 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Lobbypolitik

    Wie war das mit dem Nationalrat der 58 Mandate in Verwaltungsräten und ähnlichen Gremien hält? Wie geht das? Kann so jemand seiner Pflicht als Politiker gegenüber dem Volk überhaupt nachkommen? Die Schweizer Politik verkommt zur Lobbypolitik.

  • Benois am 08.06.2011 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    7 Wochen

    In meinem Betrieb gibts für alle 7 Wochen Ferien im Jahr. Ist mir also egal ob der Nationalrat dafür oder dagegen ist.

  • Matthias Knaupf am 07.06.2011 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    6 Wochen in der Bundesverwaltung schon..

    ..heute Realität - zählt man Ruhe- und Ausgleichstage (nur eine andere Bezeichnung für Ferientage) dazu kommen alle Bundesangestellten bereits heute in den Genuss von 28-30 Tagen pro Jahr. Man würde besser der gesamten BV die Ferien auf fixe 4 oder 5 Wochen kürzen, bevor solche Entscheidungen gefällt werden.

    • David leclerc am 08.06.2011 00:19 Report Diesen Beitrag melden

      JA so einfach ist es nicht

      In der BV sind 4 Wochen normal, alles darüber daher 5 oder sogar 6 Wochen werden vorgearbeitet dies in Form von flexiblen Arbeitszeitmenu. Dies sind keine "Ferien" und die Ruhe und Ausgleichstage beziehen sich auf Allgemeine Feieretage die jeder Arbeitnehmer als Freitage bekommt. Neid ist hier am falschen Platz.

    • Matthias Knaupf am 09.06.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht korrekt

      Sorry David, habe selber in der BV gearbeitet - das normale Modell sieht 5 Wochen Ferien vor, mit einer 42 Stundenwoche. Dazu kommen wie erwähnt die besagten Ruhe- und Ausgleichstage. Dass diese jeder Arbeitnehmer als Freitag bekommt ist nicht richtig. Kein anderer Arbeitgeber gibt einem Aargauer als Ausgleich fürs Sächsilüüte in Zürich einen halben freien Tag, das macht nur der Bund.

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