Nach Bosnien ausgeliefert

22. Oktober 2019 11:11; Akt: 22.10.2019 14:29 Print

Mehrfachmörder lebte unerkannt in der Schweiz

Ein Mann, der in Bosnien-Herzegowina eine Familie getötet hatte, lebte jahrelang unbehelligt in der Schweiz vom Sozialamt. Nun wurde er ausgeliefert.

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Zoran P.* soll im Oktober 1993 zusammen mit einem Komplizen eine sechsköpfige Familie getötet und Geld und Wertsachen der Opfer gestohlen haben. P. wurde 1995 in Bosnien-Herzegowina zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, floh aber im gleichen Jahr aus dem Gefängnis in der Stadt Bijeljina. Unter falscher Identität lebte er jahrelang unbehelligt in der Schweiz. Das berichtet RTS.rs.

P. wurde laut Berichten lokaler Medien nach jahrelanger Ermittlungsarbeit von der Kriminalpolizei der Republika Srpska, eines Teils von Bosnien-Herzegowina, in der Schweiz aufgespürt. Wie 20 Minuten weiss, lebte P. unter dem Namen seines Bruders Dalibor in einer Gemeinde im Kanton Luzern. 1998 heiratete er seine 40-jährige Frau, eine Schweizer Staatsangehörige. Er nahm ihren Nachnamen an. P. hat zwei erwachsene Töchter und einen 17-jährigen Sohn.

«Ausgesprochener Familienmensch»

Das Bundesamt für Justiz bewilligte im Mai die Auslieferung von P., doch der Serbe wehrte sich und zog vors Bundesstrafgericht und das Bundesgericht. Im Urteil des Bundesstrafgerichts, das 20 Minuten vorliegt, begründet P., er habe in der Schweiz starke familiäre Bindungen. Zudem sei er ein «ausgesprochener Familienmensch». Er lebe seit Jahrzehnten ununterbrochen hier und sei «weder sprach- noch reisegewandt». Er habe kein Einkommen und kein Vermögen und sei verschuldet.

Wie 20 Minuten weiss, wurde über P. in der Schweiz mehrfach der Konkurs eröffnet. Dutzende Verlustscheine und Zahlungsbefehle sind verzeichnet. G. schuldete seinen Gläubigern Zehntausende Franken. Wie P. vor dem Bundesstrafgericht ausführte, ist seine Frau erwerbstätig, das Sozialamt muss aber die Familie unterstützen. Zu seiner Arbeitsfähigkeit bestünden «unterschiedliche Ansichten zwischen seinem Hausarzt und der IV». Letztere sei der Meinung, dass er 100-prozentig arbeitsfähig sei.

Das Bundesstrafgericht und das Bundesgericht stützten den Auslieferungsentscheid des Bundes. Am Montag wurde P. nach Bosnien-Herzegowina überstellt, wie eine Sprecherin des Bundesamts für Justiz bestätigt.

Opfer in Fluss geworfen

P. soll 1993 in Bosnien-Herzegowina einer sechsköpfigen Familie angeboten haben, sie für Geld nach Serbien zu bringen. Zusammen mit einem Komplizen habe er sich dann aber entschieden, die Familie zu töten und ihr Geld und ihre Wertsachen zu stehlen. P. selbst habe einen Mann, eine Frau und ein Kind getötet, sein Komplize zwei Frauen und ein Kind. Die Opfer hätten die beiden in den Fluss geworfen, berichtet das Portal Politika.rs. P. wurde zu 12 Jahren und 10 Monaten Gefängnis verurteilt, konnte aber aus dem Gefängnis fliehen und war seither untergetaucht.

* Name der Redaktion bekannt.

(ehs/qll)