27. April 2005 00:25; Akt: 27.04.2005 00:26 Print

Secondos auf der Überholspur

Die Secondos in der Schweiz machen oftmals eine steilere Ausbildungs- und Berufskarriere als ihre Schweizer Altersgenossen.

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Andererseits haben die Ausländerkinder auch ein grösseres Risiko eines «dünnen Schulsackes». Dies geht aus zwei Analysen des Bundesamtes für Statistik hervor, die in der Studie «Die Integration der ausländischen zweiten Generation und der Eingebürgerten in der Schweiz» zusammengefasst sind. Sie wurde am Dienstag in Bern vorgestellt. Analysiert wurden die Daten der Volkszählung 2000.

Die zweite Ausländergeneration, also die in der Schweiz geborenen Ausländerkinder, umfasste im Jahr 2000 rund 500 000 Personen oder sieben Prozent der Wohnbevölkerung. Knapp ein Drittel von ihnen sind eingebürgert.

Überholspur und Kriechspur

In der Schweiz geborene Ausländerkinder sind in einer besseren Lage als ihre Eltern, machen allgemein eine bessere Ausbildung als diese. Eingebürgerte Secondos sind ferner erfolgreicher als nicht- eingebürgerte, teilweise überflügeln sie sogar ihre Schweizer Altersgenossen.

So besuchten im Jahr 2000 17 Prozent der 25-jährigen gebürtigen Schweizerinnen und Schweizer eine Hochschule oder Fachhochschule. Bei den Eingebürgerten der zweiten Generation waren dies 27 Prozent, bei der ersten Generation 26 Prozent. Bei den nicht- eingebürgerten Secondos lag dieser Anteil indes nur bei 10 Prozent.

Secondos haben andererseits auch ein grösseres Risiko, auf minimalem Ausbildungsniveau zu bleiben: 2,4 Prozent der nicht eingebürgerten 17-jährigen Secondos haben keinen Abschluss, aber nur 0,8 Prozent der gleichaltrigen Eingebürgerten und der gebürtigen Schweizer.

Co-Autorin Eva Mey sprach hier von einer «Schere». Tendenziell untervertreten seien die Secondos bei der Berufslehre.

Eltern und Herkunft

Eine wichtige Rolle bei der Karriere spielt die berufliche Stellung der Eltern: So absolvieren 46 Prozent der 20-jährigen Eingebürgerten der zweiten Generation, deren Eltern eine tertiäre Ausbildung (Hochschule oder höhere Berufsausbildung) absolviert haben, eine Ausbildung auf Hochschulniveau. Dieser Anteil beträgt laut BFS bei den Nicht-Eingebürgerten 33 Prozent und bei den gebürtigen Schweizern 23 Prozent.

Auch die Herkunft der Immigranten spielt bei der beruflichen Integration eine Rolle: Am besten integriert sind Secondos aus Italien und Spanien - also der früheren Einwanderergruppen. Dagegen haben jene aus Serbien, Montenegro, Kosovo, der Türkei und Portugal ein höheres Risiko eines «dünnen Schulsackes»: Sie gehören späteren Einwanderergruppen an.

Roter Pass ist keine Erfolgsgarantie

Die Erwerbslosenquote weist aber darauf hin, dass der Schweizer Pass nicht immer eine Garantie für eine bessere (berufliche) Integration ist. Vor allem Frauen und später Eingewanderte haben ein grösseres Risiko, arbeitslos zu werden. Sie arbeiten vorwiegend in schlechter qualifizierten Berufen.

Selbst gut ausgebildete Secondos haben auf dem Arbeitmarkt oft mehr Mühe als Schweizer, ihr Schulwissen zu «versilbern»: So ist die Arbeitslosigkeit unter studierten Ausländerkindern höher als bei ihren Schweizer Kommilitonen, wie Co-Autorin Rosita Fibbi feststellte.


(sda)