Flüchtlingszentren

24. Februar 2011 17:35; Akt: 24.02.2011 17:45 Print

Securitas wird künftig stärker überwacht

von Lukas Mäder - Mitarbeiter der Sicherheitsfirma sollen sich mit Tritten und Beleidigungen an Flüchtlingen in Kreuzlingen vergangen haben. Das Bundesamt für Migration hat nun Massnahmen ergriffen.

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Securitas-Mitarbeiter sorgen in den Flüchtlingszentren für Sicherheit. Vorwürfe von Amnesty International haben sich zwar nicht erhärtet, trotzdem wurden Massnahmen ergriffen. Archivbild aufgenommen 2002 in Kreuzlingen.

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Die Vorwürfe sind hart: Mehrere Securitas-Mitarbeiter sollen im Flüchtlingszentrum Kreuzlingen Übergriffe gegen Asylbewerber begangen haben. Schläge, Tritte sowie Beleidigungen hätten sie ausgeteilt, so der Vorwurf von Amnesty International. Nachdem das Bundesamt für Migration (BFM) die Vorwürfe abgeklärt hat, sollen zwei Mitarbeiter entlassen worden sein, schreibt die «Thurgauer Zeitung». Doch diese Informationen sind falsch. «Die Vorwürfe in zwei konkreten Fällen gegen zwei Mitarbeiter von uns haben sich nicht erhärtet», sagt der Kommunikationsleiter von Securitas, Urs Stadler, zu 20 Minuten Online. Es habe weder Disziplinarmassnahmen noch Entlassungen gegeben.

«Verfehlungen im von Amnesty geschilderten Ausmass konnten keine festgestellt werden», schreibt auch das Bundesamt für Migration (BFM) auf Anfrage von 20 Minuten Online. Die konkreten Vorwürfe gegen zwei Securitas-Mitarbeitern hätten sich nicht erhärtet. Stadler weiss nicht, ob die beiden Angestellten, die zwischenzeitlich an anderen Orten eingesetzt wurden, bereits wieder in Kreuzlingen arbeiten. Ebenfalls wisse er nicht, wie die konkreten Vorwürfe gegen die Securitas-Mitarbeiter gelautet hätten. In weiteren Fällen von pauschalen Vorwürfen hätte man Präzisierungen verlangt, die noch nicht eingetroffen seien.

Keine Gespräche mit Securitas

Bei Amnesty lösen diese Aussagen Verwunderung aus. «Es gibt mehr als zwei Fälle, bei denen Zeit und betroffene Person bekannt sind», sagt Flüchtlingskoordinatorin Denise Graf zu 20 Minuten Online. Von angeforderten Präzisierungen weiss sie nichts. Die Securitas nimmt das Problem offenbar nicht besonders ernst, sagt Graf. So habe die Firma bereits früher nicht reagiert, als Amnesty um ein Gespräch gebeten hatte.

Die Menschenrechtsorganisation habe sich auch überlegt, Strafanzeige gegen die betroffenen Securitas-Mitarbeiter einzureichen, sagt Graf. «Wenn ich nun die jüngsten Aussagen der Securitas höre, bereue ich, das nicht getan zu haben.» Tatsächlich kam es nach einem mutmasslichen Übergriff 2005 zu einem Gerichtsverfahren. Der Sicherheitsmann wurde 2008 vom Bezirksgericht wegen leichter Körperverletzung verurteilt, dann aber in zweiter Instanz freigesprochen. In einem anderen Fall befand die Kreuzlinger Staatsanwaltschaft, die Stiefelspuren auf dem Rücken eines Asylbewerbers stammten zwar von einer Streitigkeit, bei der es aber nicht zu strafbaren Handlungen gekommen sei.

Brief an Bundesamt für Migration

Im letzten Jahr hatte Amnesty von verschiedener Seite erneut Hinweise auf Missstände in Kreuzlingen erhalten. Im November habe ein erstes Gespräch mit dem BFM stattgefunden, sagt Graf. Als sich die Situation bis Mitte Januar weiter zuspitzte, schrieb Amnesty einen Brief an das BFM, in dem es eine Untersuchung und Sofortmassnahmen verlangte. «Da das BFM unsere Vorwürfe ernst genommen und schnell reagiert hat, haben wir die Öffentlichkeit nicht informiert», sagt Graf.

Das BFM betrachtet die aktuellen Vorwürfe offenbar aber trotz allem nicht als völlig haltlos. Darauf weisen Massnahmen hin, die das Amt ergriffen hat. Ab sofort erhält Amnesty ungehinderten Zugang zu den vier Flüchtlingszentren in der Schweiz. Das ermögliche ihnen, bei Meldungen die Vorwürfe vor Ort abzuklären beziehungsweise nachzustellen, sagt Graf. Als zweite Massnahme will das BFM zweimal jährlich Treffen organisieren, an denen Mitarbeiter der Flüchtlingszentren sensibilisiert werden. Bereits seit dem 1. Januar hat das Amt das Rekrutierungsverfahren für Securitas-Mitarbeiter geändert. Neu kann das BFM bei der Auswahl mitreden. Zudem erhaltende die Securitas-Angestellten eine weiterführende Ausbildung im Bereich Migration. Graf von Amnesty ist erfreut, dass das BFM die Problematik ernst nimmt: «Das ist eine gute Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco.s am 25.02.2011 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wer muss sich anpassen?

    Ich selber arbeite selber mit vielen Asylbewerber zusammen und meine Erfahrung zeigt, dass viele Bewerber sich nicht an regeln halten wollen oder können. Die Kulturelle unterschiede wird dann sehr oft als Ausrede angewendet. Dieser Standpunkt kennt Amnesty International sehr genau und verlangt immer, dass wir als Schweizer uns ihnen anpassen sollten. Dies kann auf längere Zeit nicht funktionieren.

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  • beat huber am 25.02.2011 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    undankbarer Job

    Alle wissen es besser und knüppeln wiedereinmal auf den eigenen Leuten herum. Das Talent vieler Schweizer, sich selber immer wieder in die Pfanne zu hauen ist bedauerlich. Die wenigsten von den kritikern an der Securitas haben den Job schon selber gemacht. Am Schreibtisch sitzen und "bla bla" ist nicht das gleiche wie vor Ort Menschen zu betreuen und eskalationen zu schlichten. Es sind leider nicht alles lammfromme und dankbare Leute welche sich entsprechend benehmen.

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  • MarcF am 24.02.2011 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Falls es wirklich zu unnötigen Tätlichkeiten gekommen ist, sollten diese Scuritasmitarbeiter, gemäss geltendem Gesetz, bestraft werden. Aber man sollte immer beide Seiten hören, bevor man urteilt. Es könnte auch anders gewesen sein...dann steht dann noch die Frage offen, was kostspieliger ist, Polizisten, oder Securitasmitarbeiter...Ein Frage des Geldes würde ich behaupten...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eidgenosse Fritz am 27.02.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Für alle das richtige tun?

    Ich kann nur dazu sagen Schade lernt ihr nicht endlich die echten Probleme kennen. Alle die auf Polizei und Sicherheitskräfte mit Worten Schiessen sollen einmal selber während x-stunden solche Dienste machen und sich entsprechende Beleidigungen und Gewalt gefallen lassen. Und in extrem Situationen immer richtig handeln. und immer für alle das richtige machen.

    • Anonym am 19.07.2011 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      Gut gesprochen!

      Ein herzliches Dankeschön von einem Security

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  • Daniel am 25.02.2011 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schande und Vorbildlich

    Schande: Securitas "So habe die Firma bereits früher nicht reagiert, als Amnesty um ein Gespräch gebeten hatte." Das ist die typische Verzögerungstaktik: Zuerst weiss man von nichts, dann lehnt man den Dialog ab. Dann wird dementiert und gehofft, dass nichts passiert. Vorbildlich: BFM: "Ab sofort erhält Amnesty ungehinderten Zugang zu den vier Flüchtlingszentren in der Schweiz." Das ist die beste Art die Vorwürfe zu entkräften, falls sie nicht der Wahrheit entstprechen sollten. Jeder der jedoch Amnesty International kennt, der weiss, dass hier nicht leichtsinnig Vorwürfe erhebt werden.

    • Markus am 27.02.2011 02:35 Report Diesen Beitrag melden

      Sie müssen's ja wissen

      Es scheint als hätten Sie den totalen Durchblick und kennen auch die Meinung der Gegenseite...und was tatsächlich vorgefallen ist. (Oder gemäss neuesten Mitteilungen eben doch nicht.) Sie glauben aber auch alles...

    • Tom am 02.03.2011 09:55 Report Diesen Beitrag melden

      Erst gut überlegen - dann schreiben

      Amnesty handelt nicht uneigennützig. Und ein Asylant versteht es solche Organisationen für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Ist das gleiche wie mit den Drogenkontrollen bei den Asylbewerbern am Bahnhof. Wenn bei einem Afrikaner Drogen gefunden werden und die Polizei ihn verhaftet... dann schreit er "Rassist". Der Job im Asylwesen ist hart, da hast du Alkoholiker, Drogensüchtige und Kriegsgeschädigte, etc.

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  • beat huber am 25.02.2011 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    undankbarer Job

    Alle wissen es besser und knüppeln wiedereinmal auf den eigenen Leuten herum. Das Talent vieler Schweizer, sich selber immer wieder in die Pfanne zu hauen ist bedauerlich. Die wenigsten von den kritikern an der Securitas haben den Job schon selber gemacht. Am Schreibtisch sitzen und "bla bla" ist nicht das gleiche wie vor Ort Menschen zu betreuen und eskalationen zu schlichten. Es sind leider nicht alles lammfromme und dankbare Leute welche sich entsprechend benehmen.

    • Adi Scherrer am 18.07.2011 23:14 Report Diesen Beitrag melden

      Viele Asylsuchende sind keine Lämmchen!

      Ich habe selbst 2 Wk`s im Kreuzlinger Aslyzentrum erlebt, in der funktion Sicherheit. Einige Asylanten die hier ankommen kenn die Rechte besser als wir und nutzen alles schamlos aus um ein Aufenthaltsrecht zu erhalten. Wir wurden selbst von Asylsuchenden körperlich Angegriffen und anschliessend stellten sie sich als Opfer hin. Es gibt manchmal Situationen, wo hartes eingreifen erfordert und das war aber immer Verhältnismässig. Die Securitas muss viel einstecken von Amnesty und Asylanten, doch sie machen ihre Arbeit richtig. Ich möchte mal Amnestymitarbeiter sehen wie Sie diesen Job machen

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  • toine us züri am 25.02.2011 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    dummes Gemotze

    Amnesty International soll sich um die Menschenrechte in Lybien kümmern. Das ist aber gefährlich! Es ist eben einfacher in der Schweiz ständig herumzumotzen

  • Marco.s am 25.02.2011 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wer muss sich anpassen?

    Ich selber arbeite selber mit vielen Asylbewerber zusammen und meine Erfahrung zeigt, dass viele Bewerber sich nicht an regeln halten wollen oder können. Die Kulturelle unterschiede wird dann sehr oft als Ausrede angewendet. Dieser Standpunkt kennt Amnesty International sehr genau und verlangt immer, dass wir als Schweizer uns ihnen anpassen sollten. Dies kann auf längere Zeit nicht funktionieren.

    • Martin am 25.02.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      Meine Worte!

      Danke für diesen Beitrag!

    • kurt am 25.02.2011 22:42 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo

      Genau so ist es.

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