Umfrage

21. Dezember 2017 05:43; Akt: 21.12.2017 05:43 Print

Sogar die SVP-Basis ist für die Homo-Ehe

Bei den Wählern von CVP und SVP sind die Gegner der Ehe für alle in der Minderheit. Laut Parteivertretern findet ein Umdenken statt.

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Der Stadtzürcher SVP-Gemeinderat Daniel Regli sorgte diese Woche für Empörung: In der Budget-Debatte zog er über Homosexuelle her und erklärte die Suizidrate unter anderem damit, dass «der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht».

Mit seiner Äusserung dürfte er bei der eigenen Basis allerdings kaum punkten: So sprechen sich laut der Tamedia-Themenumfrage 56 Prozent der SVP-Wähler für die Ehe für alle aus. Davon sind knapp 30 Prozent auch bereit, gleichgeschlechtlichen Paaren ein umfassendes Adoptionsrecht einzuräumen. Noch deutlicher unterstützen die Wähler der anderen grösseren Parteien die Homo-Ehe. Selbst 66 Prozent der CVP-Wähler sind dafür, dass Schwule und Lesben heiraten dürfen (siehe Grafik).

«In der Partei hat ein Umdenken stattgefunden»

Beat Feurer, Präsident der Gay SVP, ist erfreut über das Resultat. Er stellt fest, dass in der Basis, aber auch in der Partei in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden habe. «Spezielle Ansichten wie jene von Herrn Regli habe ich in der Partei noch nie gehört.» Seit acht Jahren sei er wegen seiner Homosexualität in der Partei nie mehr angefeindet worden.

Wichtig sei aus Sicht der Homosexuellen, dass sie wie heterosexuelle Paare Kinder adoptieren können und dass ausländische Partner ebenfalls von der erleichterten Einbürgerung profitieren können. Laut Feurer ist es nur noch eine Frage von wenigen Jahren, nicht Jahrzehnten, bis diese Neuerungen auch in der Schweiz kommen – mit oder ohne offizielle Unterstützung der SVP. Derzeit erarbeitet die Verwaltung ein Gutachten, das Klarheit über die nötigen Gesetzesanpassungen für die Ehe für alle gibt.

Widerstand beim Adoptionsrecht

SVP-Präsident Albert Rösti betont, seine Partei politisiere bei Schwulenthemen nicht an der Basis vorbei: «Die SVP ist seit jeher eine Partei, die die Freiheit des Individuums hochhält.» Jeder solle leben, wie er möchte. «Die Meinung vertreten gerade die Jüngeren in der Partei.» Ein Wandel habe nicht speziell in der SVP, sondern generell in der Gesellschaft stattgefunden. Nach wie vor skeptisch sei seine Partei – wie auch die Wählerschaft – beim Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. «Hier geht es um das Kindeswohl.»

Ganz ähnlich klingt es bei der CVP: «Die CDU in Deutschland hat bei der Schwulenehe auch mitgemacht. Die Gesellschaft ist toleranter geworden – so auch die CVP-Basis», sagt Nationalrätin Kathy Riklin. In der CVP gebe es vor allem noch in den katholischen Stammlanden Vorbehalte. Persönlich sei sie der Meinung, dass die eingetragene Partnerschaft eigentlich eine gute Lösung ist.

«Konservative Parteien können sich Trend nicht entziehen»

René Schegg, Geschäftsleiter der Schwulenorganisation Pink Cross, sagt: «Schon die eingetragene Partnerschaft wurde klar angenommen. Seither hat sich die Gesellschaft weiter geöffnet.» Es sei erfreulich, dass immer weniger akzeptiert werde, sich offen gegen eine Gleichstellung Homosexueller zu positionieren. Dem könnten sich auch die konservativen Parteien und ihre Anhänger nicht entziehen.

«Viele haben heute Homosexuelle im näheren Umfeld, was die Vorurteile schwinden lässt», sagt Schegg. Zudem ermögliche die Säkularisierung eine undogmatische Beschäftigung mit dem Thema. Die Ehe für alle sei wichtig, weil je unterschiedliche Rechtsinstitute für hetero- und homosexuelle Paare dem Gedanken der Gleichstellung widerspreche. «Die Umfrage stimmt mich zuversichtlich, dass die Ehe für alle bald kommt.»

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alain Bühler am 21.12.2017 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehe für Alle

    Schön haben nun viele Begriffen, dass bei einer Ehe für Alle niemandem etwas weg genommen wird! Das stimmt doch positiv, es geht um die Liebe. Frohe Festtage.

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  • Nakedonthemoon am 21.12.2017 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize same-sex marriage

    Ich bin positiv überrascht. Endlich findet ein Umdenken und mehr Toleranz statt. Finde ich eine sehr gute Entwicklung. Jetzt muss die Homo-Ehe noch gesetzlich durchkommen und dann wärs noch besser!

  • Sebastian am 21.12.2017 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist gut so....

    Ich bin seit 7 Jahren in eingetragener Partnerschaft. Seit total 18 Jahren zusammen mit meinem Mann. Wir leben gut, haben tolle Nachbarn, gute Familie und super Freunde. Es ist daher kein Thema mehr und jeder ist glücklich wie er oder sie ist. Wo liegt genau das Problem? Verstehe die negativen Aussagen nicht...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eren am 21.12.2017 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Bin verwirrt

    Die Aussagen der CVP erstaunen mich doch ziemlich. Wollten sie nicht gerade erst auf Bundes- und danach in Zürich auch noch auf Kantonsebene die Ehe exklusiv für Mann und Frau gesetzlich verankern, sprich die Schwulenehe indirekt ausschliessen? Fand da nach den Wahlklatschen wirklich Einsicht und Umdenken statt? Oder geht's eher ^darum, keine Wähler zu vergraulen?

  • Anatoll S. am 21.12.2017 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt Zeit....

    Ich würde mir zu Weihnachten mehr Toleranz von der Menschheit und der hiesigen Bevölkerung wünschen. Liebe sollte keine Grenzen haben/kennen und auch als solche akzeptiert/respektiert werden. Es ist schade und nicht nachvollziehbar, wie im Jahre 2017 dies noch ein Thema ist. Ich übe mich in Geduld, denn die Emanzipation der Frau hatte einen ähnlichen Werdegang und die Vorurteile waren damals noch viel schlimmer, gell? Was lange währt, wird endlich gut.

  • Hetero am 21.12.2017 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder wie er will. Aber ohne mich

    Jeder wie er will. Mir ruft es jedoh noch immer Ekel hervor, wenn ich 2 Typen sich küssen sehe.

  • Adrian Müller am 21.12.2017 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Homoehe

    Die Beziehung Vater und Mutter mit Kindern (Ehe) ist seit Generationen die einzige Basis für das weiterbestehen der Gesellschaft und dies kann durch nichts gleichwertiges ersetzt werden. Somit können andere auch nicht die gleichen Rechte und Pflichten haben.

    • Worm77 am 21.12.2017 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian Müller

      Und wie passen Krippen in dein veraltetes Weltbild?

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  • Margold S am 21.12.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klartext

    In der Schweiz werden homosexuelle Menschen akzeptiert und können sich frei entfalten. Es kann daher kaum an der so oft erwähnten Diskriminierung von aussen liegen, dass offenbar so viele Homosexuelle leiden. Das Problem liegt in der eigenen Identität und dem Mangel an Selbstannahme. Die Erlaubnis der Ehe für alle wird daran auch nichts ändern können.