Facebook-Kampagne

17. Dezember 2014 05:50; Akt: 17.12.2014 16:48 Print

Selbsttest für Dauerkiffer

von N. Saameli - Die Zürcher Präventionsstellen bitten Kiffer auf Facebook zum Selbsttest, um ihr Suchtpotenzial abzuklären. Zielgruppe sind die über 18-Jährigen.

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Mit diesem Bild wirbt die Zürcher Suchtprävention für ihren Selbsttest. (Bild: zvg)

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In den Facebook-Feeds taucht im Moment ein spezielles Bild auf: Ein junger Mann sitzt auf einer Parkbank und hört Musik. Statt seinem Kopf ragt aber der glühende Stummel eines riesigen Joints aus seinem Pullover. Daneben der Schriftzug: «Hast du das Kiffen noch im Griff?»

Wer dem zugehörigen Link folgt, gelangt zu einem Selbsttest, mit dem man die eigene Abhängigkeit von Cannabis testen kann und an Hilfestellen verwiesen wird. «Mit dieser Kampagne wollen wir die über 18-Jährigen erreichen», sagt Annett Niklaus, Sprecherin der Stellen für Suchtprävention im Kanton Zürich. «Mit Jüngeren kommen wir in den Schulen in Kontakt. Ältere Konsumierende sind schwieriger zu erreichen.»

«Cannabis erzeugt keine körperliche Abhängigkeit»

Ausgerichtet ist die Kampagne laut Roland Stähli, dem Präventionsbeauftragten des Kantons Zürich, auf eine Problemgruppe. «Ungefähr jeder Zehnte, der kifft, bekommt wirkliche Schwierigkeiten damit», sagt er. «Die Kampagne soll genau diese Leute auf ihr Risiko aufmerksam machen.»

Ohnehin sei eines der grössten Probleme beim Kiffen die Gewohnheitsbildung. Wer mehr als zweimal pro Woche Cannabis rauche, sei von psychischer Abhängigkeit gefährdet. «Cannabis erzeugt keine körperliche Sucht. Es kann aber durchaus dazu führen, dass regelmässig konsumierende Leute nicht mehr einschlafen können, ohne zum Joint zu greifen, oder in eine lethargische Grundstimmung verfallen», sagt Stähli. Das werde von den meisten unterschätzt. Auch habe er schon Anrufe von Frauen erhalten, die sich darüber beklagten, ihre Freunde seien «nicht mehr zu gebrauchen», weil sie so viel Cannabis rauchten.

«Suchtmittel nicht gegeneinander ausspielen»

Schwierig sei der Konsum für Personen, die sich in einer komplizierten Lebenssituation befinden. «Wer beispielsweise Schizophrenie-gefährdet ist, hat ein beträchtliches Risiko, durch das Kiffen eine Psychose auszulösen», sagt Stähli. Solche Personen sollten laut Stähli auf Cannabis verzichten. Gefährlich sei der Konsum auch gesundheitlich: «Cannabis kann die Lunge schädigen und schadet den Zähnen.»

Fälschlicherweise gelte Cannabis als Einstiegsdroge schlechthin, sagt Stähli. «Es gibt aber auch Leute, die über Kokain auf den Geschmack von Drogen kommen.» Was ihm nicht gefalle, sei der Vergleich zwischen Alkohol und Cannabis. Kiffer würden sich oft mit der Aussage, Trinken sei viel schlimmer als Cannabis, herausreden. «Suchtmittel sollte man nicht gegeneinander ausspielen. Am besten ist es, auf beides zu verzichten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sam Sam am 17.12.2014 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol

    Alkohol ist viel schlimmer! xD

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  • Andi am 17.12.2014 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jugend schützen

    Aufklärung und Pravention! Billiger und wirksamer als Tabutisierung und Kriminalisierung

  • Joy am 17.12.2014 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird man älter sollte man's lassen

    Als ich noch gekifft hatte, ca. 4-5 Joints am Tag, war ich der festen Überzäugung, dass mich das in meinem Alltag in keinster Weise beeinflusste. Jetzt kiffe ich seit über einem Jahr nicht mehr und merke, dass ich nicht nur deutlich mehr Energie habe, sondern auch viel mehr Geld auf der Bank.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sicarius am 18.12.2014 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Waterlover

    ich ziehe gern mal einen durch aber trinke praktisch kein Alkohol. Aber ich kann es manchmal nicht glauben, dass obwohl man deutlich abgelehnt hat trotzdem ein volles Weinglas vor sich stehen hat. "Eins ist keins", "Festbremse" und solchen Müll muss ich mir anhören. Ich muss mich oft fast entschuldigen dass ich nichts trinke. "Mit Eistee kann man doch nicht anstossen" Gott wie ich diesen Mist satt habe.....

    • Gib Rauschgiften keine Chance! am 18.12.2014 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Sicarius

      Das kenne ich. Und oft wird dann eine Begründung verlangt, weshalb man auch zum Anstossen keinen Rauschgift-Alkohol trinken möchte. Als müsste man sich dafür rechtfertigen. Schliesslich muss sich auch niemand rechtfertigen, weil er kein Rauschgift-Heroin spritzt. Ich ärgere mich schon lange nicht mehr, sondern nehme das mit Humor. Frag einfach mal zurück, weshalb getrunken wird. Oft heisst es dann, dass das dazu gehöre, dass es gut schmecke etc. Dann einfach auf die Anzahl Alkoholiker in der Schweiz hinweisen und fragen, wie sichergestellt wird, dass der Betreffende kein Alkoholiker ist.

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  • Beobachter am 18.12.2014 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Prävention statt Verboten!

    Wenn das psychische Abhängigkeitspotential von Cannabis ein Grund für ein Verbot wäre, müssten auch Schokolade, Video-Games, Social Media, News, Sex und einiges mehr verboten werden. Prävention wie im vorliegenden Fall ist der einzige richtige Weg. Der Vergleich mit Alkohol finde ich zulässig. Weshalb sollte ich mir von Leuten, die immer Stellung für Alkohol (CH: 350'000 körperlich Süchtige) beziehen und von Selbstverantwortung labern, einen gelegentlichen Cannabis-Genuss (CH: 0 körperlich Süchtige) verbieten lassen? Weshalb kann ich als mündiger Bürger nicht in Selbstverantwortung bestimmen?

    • Warnhinweis am 18.12.2014 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Beobachter

      In der Schweiz wird zu wenig auf faktenbasierte Aufklärung und Information gesetzt. Auch hier braucht es Warnhinweise wie in anderen Ländern: "Alkohol ist schädlich und macht körperlich abhängig" gehört als Warnhinweis auf jede Flasche. Solange aber selbsternannte Drogenpolitiker (allen voran die Mitglieder der Schweizerischen Volumen Prozente) Alkohol weiterhin als harmloses Genussmittel schönreden und behaupten, dass die vielen Süchtigen und Todesopfer alles Einzelfälle sind, wird es in der Schweiz vermutlich nicht besser.

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  • Daniel am 17.12.2014 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfeld

    Im gleichen Umfeld is es schwierig nicht zu kiffen. Sobald ich das Umfeld wechsle, zum Beispiel Ferien, ist es kein Problem mit dem Kiffen eine Pause einzulegen. Ich habe jahrelang täglich gekifft (ca. 3 Joints) und seitdem ich ausgewandert bin, kiffe ich noch ca. alle 2-3 Wochen und hatte dazwischen eine Pause von über einem Jahr.

  • john meyer am 17.12.2014 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verdrängen & verharmlosen

    Ja, ja, immer diese verharmlosungen und argumente mit alkohol usw. Gefährlichkeit verdrängen, herunterspielen, kiffen & alkohol gleichzeitig...wer bezahlt due schädigungen/folgen? iv, krankenkassen und damit die allgemeinheit, ist ja egal! Diese duskussionen sind so mühsam und vetmutlich auch sinnlos, man will es einfach nicht wahrhaben!

    • Beobachter am 18.12.2014 11:22 Report Diesen Beitrag melden

      @johne meyer

      Ja, es ist tatsächlich eine Zumutung, dass dem Steuer- und Prämienzahler jedes Jahr etliche Milliarden Franken Alkoholkosten zugemutet werden, die nicht durch die Alkoholsteuer gedeckt sind (einige hundert Millionen Franken Ertrag). Darüber hinaus ist es stossend, dass die Schweizer Winzer ihr subventioniert produziertes Rauschgift steuerfrei auf dem Markt bringen dürfen und nicht für die Schäden ihres Produktes einstehen müssen. Eine schlechte Ausgangslage für Stimmungsmache gegen Cannabis, nicht wahr?

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  • Max am 17.12.2014 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine

    Ich habe über ca 4 jahre hinweg jeden tag 4-6 joints geraucht. Wegen der Autoprüfung und einem Zweischenfa mit der Polizei war ich gezwungen aufzuhören. Ich kann bestätigen dass man sich ohne Dauerkonsum besser fühlt. Zrotzdem hatte ich mein leben als Dauerkonsument im Griff. Im gegensatz zu Bekannten. Ich awhe jedoch überhaupt kein Peoblem wenn man am Abend oder am wocheende ab und zu einen Joint raucht ( was ich mittlerweilen auch wieder mache ) Über cannabis im Strassenverkehr fangen wir gar nicht erst an. Bescheuert!