WLAN

21. Juli 2014 15:51; Akt: 25.07.2014 07:49 Print

Selfies aus 2850 Metern Höhe sind SAC zu teuer

SAC-Hütten sind oft mit einem Internetzugang ausgestattet – den Gästen steht dieser jedoch meist nicht zur Verfügung. Eine ungenutzte Marktlücke im Alpenraum?

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Viele Hüttenwarte stellen ihren Gästen das Internet nicht zur Verfügung. Und übersehen so vielleicht eine Werbeplattform. (Bild: Fotalia)

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Die Technik erobert die Alpenwelt: iPads statt unhandlicher Wanderkarten und ein Berggipfel-Selfie via WhatsApp statt einer Postkarte mit Berggipfeln in der Abendröte sind im Trend. Laut Angaben des Schweizer Alpen Clubs (SAC) haben bereits zwei Drittel seiner Hütten einen Telefon- oder Internetzugang. Zahlreiche Hütten sind mit Internet ausgerüstet. Dieses steht allerdings den Wandergästen nicht zur Verfügung. Übersehen die alpinen Gastgeber eine Marktlücke in der Alpenwelt? Laut einer Studie des Reise-App des Anbieters Ulmon ist nämlich Zugang zum Internet für die meisten Touristen wichtiger als eine schöne Aussicht.

Geteilte Meinungen

«Die langsame Internetverbindung über Satellit auf den Bergen ist nicht, was ein Städter gewohnt ist und sich wünscht», sagt Barbara Graber vom Vorstand des SAC der Region Bern. «Wir wollen in unseren Hütten auch keine unnötige Nachfrage pushen.» Zudem liess der SAC verlauten, ein allen offenes WLAN sei mit hohen Kosten und Energieverbrauch verbunden.

Dies sieht Pascal Bieri von Schweiz Tourismus anders. «Aus touristischer Sicht wäre es von Vorteil, wenn die Gäste ihre Wandertour und die Panoramabilder gleich ins Netz stellen könnten.» Denn die Generation Berggänger mit Knickerbockern und übergrossen Wanderkarten sei «vom Aussterben bedroht», nun müsse auch die jüngere Generation angesprochen werden. «Wenn das Angebot nicht mit zu hohen Kosten verbunden ist, würde ich es den Gästen zur Verfügung stellen», empfiehlt Bieri.

Durch das Hochladen von Panoramabildern und Versenden von Gipfel-Selfies könnten nämlich auch Wandermuffel von der Bergwelt begeistert werden. Der Tourismusexperte begreift aber auch die Einstellung der Hüttenwarte – die hohen Kosten der Datenübertragung müssten auf die Übernachtungstarife abgewälzt werden.

Ipads «uf am Bänkli vor dr Hütte uss»

In der Hundsteinhütte im Kanton Appenzell-Innerrhoden ist das drahtlose Internet nur für die Hüttenwartin gedacht. «Ich benötige das WLAN, um Reservationen entgegennehmen zu können», sagt Anita Lieberherr-Bösch. Es gebe zwar ab und zu Anfragen von Gästen, ob ein drahtloses Netz zur Verfügung stehe, doch für Lieberherr-Bösch ist dies überflüssig. «In Zukunft werde ich auf der Hundsteinhütte kein WLAN für Gäste installieren.»

Ähnlich ist die Situation im Brisenhaus in den nördlichen Urner Alpen: «Wir verfügen über einen WLAN-Anschluss und sind ab und zu auch froh darum», sagt Teilzeit Hüttenwartin Barbara Zumstein. Ein Gast, der unbedingt Internetzugang brauche – zum Beispiel um die Wetterprognosen zu checken –, könne das WLAN-Netz gratis benutzen. Aktiv beworben werde dieses Angebot aber nicht. «Wer das Internet nur braucht, um ein Gipfelfoto auf Facebook zu stellen, kriegt das Passwort nicht», sagt Zumstein. «Hier auf dem Berg sollten die Leute ihre Geräte auch mal abschalten können.»

Etwas moderner ist man auf der Konkordiahütte in der Jungfrau-Aletschregion eingestellt: Das Team der 2850 Meter über Meer gelegenen SAC-Hütte bietet ihren Besuchern iPads mit WLAN an. «So können unsere Gäste ihre nächste Etappe vor Ort selbstständig planen. Dies schätzen sie sehr», berichtet die Hüttenwartin Sarah Benz. Aber auch sie relativiert: «Wir stellen den Gästen nur eine begrenzte Anzahl Apps auf unseren Tablets zur Verfügung, sonst wäre unsere bescheidene Datenübertragung lahmgelegt.» Für die Bedienung des Online-Reservierungssystems des SAC ist sie jedoch auf eine reibungslose Datenübermittlung angewiesen.

(miw/ds/gwa/jeh)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lilu am 25.07.2014 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte nein

    ich gehe in die Berge um dem allgegenwärtigem Wahnsinn zu entfliehen. Und darum will ich dört keine facebook/whattsapp/selfie-süchtigen sehen,echt nicht.

  • Vögi am 25.07.2014 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer erreichbar

    Müssen wir immer und überall den Zugang zum Internet haben. Meine Meinung NEIN.

  • Roger V. Bergen am 26.07.2014 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht Ironie

    Klar, wenn der Heli die gut gestylten Städter auf die schönsten Landeplätze in den Bergen fliegt, brauchen die outdoor-abenteurer am abend auch eine angemessene Unterkunft mit gratis Breitband, damit das Abenteuer auf Facebook und Twitter gepostet werden kann. Als nächstes folgen Funkantennen auf den Gipfeln ... Und doch bitte auch gleich einen Getränkeautomaten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steve am 30.07.2014 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hilfeeee...

    @ Lilu Genau das habe ich auch gedacht.... Hilfe, bitte nicht...:-(

  • Mein Name am 30.07.2014 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Froh um Wasser

    bei meinem letzten SAC-Hütten-Besuch hätte ich schon gerne Geld für fliessend Wasser bezahlt, leider war dieses nicht vorhanden. Das war noch vor der Smartphone-Zeit. Wenn man heutzutage sogar sein Mobiltelefon aufladen kann, dann finde ich das mehr als genug. Die meisten benutzen ja eh nicht WLAN, sondern ihre Datenverbindung vom Provider. Aber wenn man Junge anziehen will, sollte man vielleicht über Preise unter der CHF75-Grenze pro Person und Nacht (für einen Massenschlag!) nachdenken.

  • Realist am 26.07.2014 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Doof

    Lernt endlich wieder das Leben zu geniessen und befreit euch von eurem "Smartphone". Echt kranke Gesellschaft, hauptsache man hat virtuell die Berge bestiegen und kann auf Facebook posten. Allesamt Angeber und Sklaven der Konsumgesellschaft.

  • Roger V. Bergen am 26.07.2014 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht Ironie

    Klar, wenn der Heli die gut gestylten Städter auf die schönsten Landeplätze in den Bergen fliegt, brauchen die outdoor-abenteurer am abend auch eine angemessene Unterkunft mit gratis Breitband, damit das Abenteuer auf Facebook und Twitter gepostet werden kann. Als nächstes folgen Funkantennen auf den Gipfeln ... Und doch bitte auch gleich einen Getränkeautomaten.

  • Harry Frey am 26.07.2014 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Am SmartPhone drücken

    Internet in den Bergen wäre zu begrüssen wenn es zweckmässig genutzt wird. Ein Vorteil ohne Gratis-Internet besteht durchaus. Dann drückt nicht jeder und jede auf dem Fon rum wie das in den Städten der Fall ist und kann so die Schönheiten der Natur ungestört und ohne Kommunikationszwang geniessen.