Strafuntersuchung

23. März 2015 08:51; Akt: 23.03.2015 09:01 Print

Sex-Guru soll Anhänger mit LSD therapiert haben

Gegen den Psychiater und Leiter der Kirschblütengemeinschaft, Samuel Widmer, läuft eine Strafuntersuchung. Er streitet aber ab, Drogen zu Therapiezwecken verabreicht zu haben.

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Auch Ecstasy-Pillen soll Samuel Widmer bei seinen Therapien verwenden. (Archivbild) (Bild: Keystone/Marius Born)

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Samuel Widmer wurde als Sex-Guru bekannt. Er ist Leiter der Kirschblütengemeinschaft in Nennigkofen-Lüsslingen SO. Jetzt läuft gegen den Psychiater eine Strafuntersuchung wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Der Vorwurf: Widmer soll bei Therapien verbotene Substanzen – wie LSD und Ecstasy – eingesetzt haben.

Vergangene Woche durchsuchten Polizisten das Haus des Gurus. Dorfbewohner berichten von einem grossen Polizeiaufgebot. Verhaftet wurde aber niemand. «Ein Tatverdacht, der die Aufrechterhaltung der Haft gerechtfertigt hätte, konnte nicht erhärtet werden», bestätigte die Staatsanwaltschaft dem «Tages-Anzeiger».

«Die meisten von uns verwendeten Substanzen sind verboten»

Widmer streitet den Einsatz von Drogen ab. Es kämen nur Medikamente wie Ephedrin und Ketalar zum Einsatz – also Heilmittel, die jeder Arzt legal zur Verfügung habe. Aussteiger widersprechen dieser Darstellung. So soll Widmer auch mehrere Hundert seiner Anhänger zu Psycholyse-Therapeuten ausgebildet haben. Diese würden nun im Untergrund auch Drogentherapien durchführen.

Offenbar erhalten Kursteilnehmer ein Papier, in dem es heisst: «Sitzungsleiter und Teilnehmende bewegen sich also während eines Seminars in einem illegalen Rahmen, weil die meisten von uns verwendeten Substanzen verboten sind.» Auch würden Anhänger instruiert, wie sie sich bei einem allfälligen Polizeieinsatz verhalten sollen.

«Kirschblütengemeinschaft trägt alle Merkmale einer Sekte»

Widmer experimentiert seit 40 Jahren mit Drogen. Früher angeblich ganz legal: Nach eigenen Angaben bekam er 1986 vom Bund die Bewilligung, LSD zu Forschungszwecken einzusetzen. Diese Bewilligung wurde ihm aber 1993 wieder entzogen.

Warum flog Widmer erst jetzt auf? Grund dafür sei sein «Guru-ähnlicher Status». «Viele seiner Anhänger verehren ihn als Weisheitslehrer und Hüter der Wahrheit. Andere sehen in ihm den Experten für Psycholyse und Pionier in Inzest-, Tantra- und Therapiefragen», heisst es im «Tagi»-Artikel.

Ein Aussteiger beschreibt: «Erst nach meinem Austritt wurde mir klar, dass die Kirschblütengemeinschaft alle Merkmale einer Sekte trägt.»

(woz)