Stalking-Affäre

30. November 2017 08:44; Akt: 30.11.2017 18:08 Print

Sex-Skandal um Walliser CVP-Nationalrat

Yannick Buttet soll eine Ex-Geliebte belästigt haben. In Bern ist von «unkontrolliertem sexuellem Drang» die Rede. Buttet muss nun ein Parteiamt abgeben.

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Laut «SonntagsBlick» ist der kürzlich zurückgetretene SVP-Fraktionspräsident Adrian Amstutz mit Parteikollegin Céline Amaudruz bei einer Aussprache über den Fall Yannick Buttet hart ins Gericht gegangen. «Ich habe nie gesagt, dass sich Frau Amaudruz nicht öffentlich zu Belästigungen äussern dürfe und ich habe auch nie gesagt, dass sie damit der Partei schade», stellt Amstutz gegenüber 20 Minuten klar. Die Stimmung im Bundeshaus sei sehr angespannt gewesen, wie sie kürzlich bei einem Besuch während der Session festgestellt habe, sagt Michelle Singer, Präsidentin der Jungen SVP Emmental. «Männliche SVP-Parlamentarier trauten sich nicht mehr, mir drei Küsse zu geben, sondern gaben mir nur noch distanziert die Hand.» Frauenrechtlerinnen sind beruhigt. «Wäre Frau Amaudruz für ihre Reaktion im Fall Buttet kritisiert worden, wäre dies ein weiteres Beispiel gewesen für eine Kultur, die sexistisches Verhalten toleriert und Frauen, die darauf aufmerksam machen, ihres Platzes verweist», sagt Jessica Zuber, Geschäftsführerin der Frauenorganisation Alliance F. Der Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet soll in der Nacht auf den 19. November 2017 einen Polizeieinsatz in Siders ausgelöst haben, als er vor dem Haus seiner Geliebten stand, so «Le Temps». Auch Frauen aus dem Umfeld des Bundeshauses beklagen sich in der Zeitung über Buttet: Wenn er trinke, werde er aggressiv. Er habe einen «unkontrollierbaren sexuellen Drang». Die Frauen äussern sich anonym – laut «Le Temps» aus Angst vor Konsequenzen. Buttet schreibt der Zeitung, es sei ihm bewusst, dass er manchmal unfreiwillig Personen verletzt haben könnte. Nicht mehr Angehöriger der Armee: Yannick Buttet in Offiziersuniform im Nationalrat. (Archiv) Céline Amaudruz sorgte für Aufregung, als sie sich als erste Parlamentarierin namentlich über sexuelle Belästigung im Parlament äusserte.

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In der Nacht vom Samstag, 18. November, auf den Sonntag soll der Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet um zwei Uhr morgens einen Polizeieinsatz ausgelöst haben. Er sei vor dem Haus seiner Ex-Geliebten in Siders gestanden und habe 20-mal geklingelt. Die Frau, mit der Buttet seit fast achtzehn Monaten eine aussereheliche Beziehung führe, habe sich geweigert, die Tür zu öffnen, und aus Angst die Polizei gerufen, schreibt «Le Temps». Bei der Ankunft der Polizisten habe Buttet versucht, sich im Garten zu verstecken.

Laut der Zeitung wurde eine Anzeige gegen den 40-jährigen Nationalrat eingereicht. In der Vergangenheit habe der Anwalt die Frau bis zu 50-mal täglich kontaktiert. Wie das Blatt berichtet, soll Buttet auch im Parlament auffällig geworden sein.

«Unkontrollierter sexueller Drang»

Mehrere Politikerinnen und Journalisten berichten von unangemessenen Handlungen und «unkontrolliertem sexuellem Drang». Wenn Buttet trinke, verändere sich seine Persönlichkeit, sagt eine Parlamentarierin. Dann benehme er sich schlecht und benutze deplatzierte Gesten.


«Das ist inakzeptabel»: CVP-Präsident Gerhard Pfister äussert sich zu den Vorwürfen gegen Buttet. (Video: Tamedia/SDA)

Eine andere Frau aus dem Umfeld des Bundeshauses sagt, Buttet sei ein intelligenter Mann, der unter Alkoholeinfluss aggressiv werde. Er kenne dann keine Grenzen. Eine weitere Betroffene spricht der Zeitung gegenüber von «schockierenden Entgleisungen». Es sei nun die Aufgabe der Justiz, ihre Arbeit zu tun.

Anzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung

Von «Le Temps» mit den Vorwürfen konfrontiert, schreibt Buttet, er sei in einer ernsten Ehekrise, die sein Urteilsvermögen und Verhalten beeinflusse. Die Krise sei besonders mit einer Frau verbunden. Er wisse, dass er manchmal abends unter Alkoholeinfluss unangemessene Handlungen vorgenommen habe. Das habe aber nichts mit den Ereignissen in Siders zu tun. Er entschuldige sich bei Menschen, die er unfreiwillig verletzt habe, bei seiner Frau, seinen Kindern, seiner Familie, den betroffenen Personen und jenen, die ihn unterstützen.

Gegenüber der Zeitung «Le Matin» sagt Buttet, er habe sich von der Geliebten getrennt. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass eine Anzeige gegen ihn eingereicht worden sei. Auch er werde nun Anzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung erstatten, weil die Angelegenheit an die Zeitung «Le Temps» durchgesickert sei.

Buttet will bleiben

Er wisse, dass er im Moment im Parlament einen schweren Stand habe. Er habe aber nicht vor, zurückzutreten. Das tue er erst, wenn er verurteilt sei. Am Donnerstagmorgen hat Buttet die CVP über das laufende Strafverfahren informiert und um seine Suspendierung vom Amt als Vizepräsident der Partei gebeten, teilt die CVP mit. Diese trete per sofort in Kraft. «Für die CVP sind jegliche Übergriffe gegen die Integrität anderer Menschen inakzeptabel», schreibt die Partei.


Buttet ist Gemeindepräsident von Collombey-Muraz und dürfte sich 2019 um einen Sitz im Ständerat bewerben. Politisch setzt sich der zweifache Familienvater gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ein und verteidigt die Familie als Ort der Weitergabe von Werten, so «Le Temps». Es gilt die Unschuldsvermutung.

(ehs)