Elisabeth Schneider-Schneiter

27. Februar 2013 09:28; Akt: 27.02.2013 11:02 Print

Sie ist die erfolgreichste Frau in Bern

von Simon Hehli - Im Wettbüro hätte CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter die beste Quote. Das zeigt: Obwohl die Mitteparteien bei Wahlen oft verlieren, führt im Parlament kein Weg an ihnen vorbei.

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Es gibt jene Politiker, die kein Jota von ihren Überzeugungen abweichen. Und es gibt die Erfolgreichen: Jene, die bei Abstimmungen im Parlament jeweils auf der Siegerseite stehen. Um zu erfahren, ob ein Geschäft durchkommt oder nicht, müsste man vorher eigentlich nur Elisabeth Schneider-Schneiter fragen, welchen Knopf sie drücken wird. Die Baselbieter CVP-Frau gewinnt als Einzige im Parlament mehr als 90 Prozent der Abstimmungen. Das ergibt eine Auswertung der Online-Plattform Smartmonitor über die ersten fünf Sessionen der laufenden Legislatur.

Dass eine CVP-Vertreterin obenaus schwingt, ist kein Zufall: Die Mittepartei gewinnt mehr als 85 Prozent der Abstimmungen in der grossen Kammer und liegt damit vor BDP (84 Prozent), FDP (81 Prozent) und GLP (79 Prozent). In den Top 10 der Nationalräte sind lauter Fraktionskollegen von Schneider-Schneiter zu finden. «Wir bestimmen die Marschrichtung, ohne uns bekommen Linke oder Rechte keine Mehrheiten», sagt die Spitzenreiterin.

Knochenarbeit ist nicht sexy

Die Mitteparteien arbeiteten bereits in den Kommissionen auf einen tragfähigen Kompromiss hin, den sie dann auch bei der Abstimmung im Plenum unterstützten, so Schneider-Schneiter. «Diese Knochenarbeit ist nicht sexy und lässt sich dem Wähler schwerer verkaufen als populistische Schlagwörter – aber sie führt zum Erfolg.»

Dass sie noch häufiger siegt als der CVP-Durchschnitt, führt die 49-Jährige darauf zurück, dass sie eher am rechten Parteiflügel politisiert und sich in wirtschafts- oder finanzpolitischen Fragen gelegentlich anders als ihre Fraktionskollegen auf die Seite von SVP und FDP schlägt.

Das Parlament rutschte nach links

Schwimmt Schneider-Schneiter bloss mit dem Strom? Nein, sagt der Politologe Daniel Schwarz, Präsident des Netzwerks Politools, das neben dem Smartmonitor auch die Online-Wahlhilfe Smartvote betreibt. «Sie schaut ja nicht, was die anderen machen und stimmt entsprechend. Vielmehr befindet sie sich mit ihrem Abstimmungsverhalten einfach ziemlich genau in der Mitte des Parlaments – genauso wie die CVP.»

Dass sich die personifizierte Mitte dem rechten Flügel der CVP zurechnet, ist insofern überraschend, als das Parlament bei den Wahlen 2011 leicht nach links gerutscht ist. Das zeigt ein Vergleich der Abstimmungserfolge nach Partei. Die Erfolgsrate der geschwächten SVP sank in der neuen Legislatur um 2 Prozentpunkte, jene der FDP gar um 5 Prozent. Im Gegenzug konnte sich die SP um vier Prozentpunkte steigern, die Grünen schafften sogar 8 Prozent. Mit je rund 61 Prozent Erfolgsrate liegen die beiden linken Parteien nur noch knapp hinter der SVP (62,5 Prozent).

Blocher kassiert die meisten Niederlagen

Politologe Schwarz erklärt, den Linken hätten sich durch die Verbreiterung der Mitte dank GLP und BDP neue Möglichkeiten für mehrheitsfähige Allianzen eröffnet. Dazu trage auch bei, dass die SVP oft in Totalopposition verharre. «Es ist paradox», so Schwarz: «Dank ihrer kompromisslosen Haltung ist die SVP bei den Wahlen ins Parlament sehr erfolgreich, kann dort aber ihre Politik verhältnismässig schlecht durchsetzen.»

Der Politiker, der die meisten Niederlagen einstecken muss, ist ausgerechnet SVP-Vordenker Christoph Blocher: Er gewinnt nur wenig mehr als die Hälfte der Abstimmungen – ist allerdings auch der Nationalrat mit der drittschlechtesten Anwesenheitsquote. Weitere rechte Hardliner wie Natalie Rickli, Toni Brunner oder Christoph Mörgeli finden sich ebenfalls unter den 20 Erfolglosesten – neben zehn Vertretern von SP und zwei Grünen.

Die SVP bleibt hart

«Ich bin kein Masochist», sagt Mörgeli, «ich stehe auch lieber auf der Siegerseite.» Aber es sei schwierig geworden, Partner zu finden. «Die angeblich bürgerlichen Parteien von GLP bis FDP sind nicht mehr bürgerlich.» Die SVP dürfe nun ihre Politik nicht verwässern, sondern müsse darauf setzen, dass die Wähler 2015 den Oppositionskurs wieder mehr honorieren. Dass er so nie eine Erfolgsquote wie Schneider-Schneiter erreichen wird, ist ihm egal: «Bei der Mehrheit dabei zu sein, ist nicht schwierig.»

Ausgewertet wurden die mehr als 1400 Abstimmungen im Nationalrat seit der Wintersession 2011.
Quelle: Smartmonitor.ch

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Elisabeth Schneider-Schneiter ist nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch enorm engagiert und fleissig. Aus diesem Grunde ist ihr diese Ehre auch zu gönnen. Hätten wir nur mehr Parlamentarier/innen bei denen zuerst das Wohl des Landes und nachher das Parteibuch eine Rolle spielt. Ich bin auf alle Fälle stolz, dass mein Heimatkanton BL eine so integre Parlamentarierin stellt. – Walter Strub

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike Meier am 27.02.2013 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Lemmingverhalten oder eigener Standpunkt

    - welche Eigenheit ist wohl besser für eine gute Politik?

  • BR Eight am 27.02.2013 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Meinung und nicht blabla!

    Frau Elisabeth Schneider-Schneiter hat keine eigene Meinung wie auch die gesamte CVP. Wenn man immer für die Mehrheit stimmt und nie seine eigene Meinung einbringt ist dieser Sitz im Parlament für nichts! So ist es leicht in einer solchen Umfrage vorne zu laden, obwohl diese Umfrage nichts Wert ist!

  • Ricardo P. am 27.02.2013 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfolg?

    Na dann danke für den zum Erfolg nötigen Linksrutsch! Eine Ideologie ohne rationalen Hintergrund zu verfolgen, nur weil man emotionageladen ist, ist Zwecklos! Das ganze hat unser Land die letzten Jahre in den Dreck gezogen, und statt zu versuchen noch etwas draus zu machen, fahren due grossen Linken (SP, Grüne) und ihre Mitte-Links und Mitte Verbündeten (GLP, CVP, BDP) weiterhin diesen Kurs. Ihr werdet sehen, all unseren aktuellen Probleme (Einwanderung -> Hohe Mieten/Hypo Zinsen; Einwanderung -> Gewalt und Verbrechen; Einwanderung -> Steigende Sozialkosten aufgrund der Gewalt und des IV/Soz. Betruges, was zur verarmung der Volkes führt, da die Teuerung steigt, die Löhne jedoch real sinken aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage, hoffen wir dass Minders Initiative hilft, statt die Industrie zu vertreiben...)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 27.02.2013 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst mal entscheiden...

    Eine Frau, die sich nicht einmal zwischen Schneider und Schneiter entscheiden kann? Natürlich braucht die Frau von Welt heute zwei Namen. Würde ja auch blöd klingen, wenn sie Elisabeth Schneider hiesse. Das wäre dann wohl etwas inhaltslos.... toll... toll...

  • Ricardo P. am 27.02.2013 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfolg?

    Na dann danke für den zum Erfolg nötigen Linksrutsch! Eine Ideologie ohne rationalen Hintergrund zu verfolgen, nur weil man emotionageladen ist, ist Zwecklos! Das ganze hat unser Land die letzten Jahre in den Dreck gezogen, und statt zu versuchen noch etwas draus zu machen, fahren due grossen Linken (SP, Grüne) und ihre Mitte-Links und Mitte Verbündeten (GLP, CVP, BDP) weiterhin diesen Kurs. Ihr werdet sehen, all unseren aktuellen Probleme (Einwanderung -> Hohe Mieten/Hypo Zinsen; Einwanderung -> Gewalt und Verbrechen; Einwanderung -> Steigende Sozialkosten aufgrund der Gewalt und des IV/Soz. Betruges, was zur verarmung der Volkes führt, da die Teuerung steigt, die Löhne jedoch real sinken aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage, hoffen wir dass Minders Initiative hilft, statt die Industrie zu vertreiben...)

    • dr Guschti-vom-Land am 28.02.2013 05:17 Report Diesen Beitrag melden

      Gratuliere ...

      voll auf den .Punkt. gebracht. Könnte (auch) von mir sein!

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  • Walter Strub am 27.02.2013 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisches Lob 

    Elisabeth Schneider-Schneiter ist nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch enorm engagiert und fleissig. Aus diesem Grunde ist ihr diese Ehre auch zu gönnen. Hätten wir nur mehr Parlamentarier/innen bei denen zuerst das Wohl des Landes und nachher das Parteibuch eine Rolle spielt. Ich bin auf alle Fälle stolz, dass mein Heimatkanton BL eine so integre Parlamentarierin stellt.

  • Claude Schiffer am 27.02.2013 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    CVP - der Wähler ist merkts, daher ...

    Mehrheitsbeschaffer ohne jegliche Couleur

  • Hyperion am 27.02.2013 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe einige Kommentarschreiber nicht

    Da schreiben einige Leute hier von "Windfahnenpartei", haben aber wohl das Parlamentssystem nicht verstanden. Nehmen wir z.B. an, dass linke Parteien 45% der Sitze haben und rechte Parteien ebenfalls 45% und die Mitte mit 10% nur gering ist. Wer regiert? Natürlich die Mitte! Die CVP ist genau in der Mitte. Weder links von ihnen (SP, Grüne) noch rechts von ihnen (GLP, BDP, FDP, SVP) ist eine Mehrheit vorhanden. Die Mitte ist also nich "Fähnchen im Wind", sondern ist jener Teil im Parlament, welche entscheidet, von welcher Richtung der Wind weht.