Verkäufer, Kellner, Coiffeure

12. März 2020 04:45; Akt: 12.03.2020 07:26 Print

Sie werden angehustet – und arbeiten doch weiter

Verkäufer und Dienstleistungsangestellte können trotz Coronavirus nicht einfach Homeoffice machen. Während sich einige mehr Schutz wünschen, finden andere die Lage übertrieben.

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Nicht alle arbeiten in einem Büro und können ins Homeoffice flüchten. Um ihre Busfahrer zu schützen, sperren etwa verschiedene Schweizer Verkehrsbetriebe die ersten Sitzreihen im Fahrzeug und riegeln den vorderen Teil ihrer Busse ab.

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Für zahlreiche Verkäufer und Personen mit Kundenkontakt gibt es hingegen noch keine derartigen Schutzmassnahmen. Wie eine neue deutsche Studie zeigt, ist Covid-19 schon in einem frühen Stadium der Infektion sehr ansteckend. «Bei Covid-19 ist ein Husten oder Niesen schon in der Anfangsphase stark infektiös», sagt Clemens Wendtner, Chefarzt Infektiologie im Spital der Ludwig-Maximilian-Universität in München, zur «Redaktion Tamedia».

Wie Angestellte im Detailhandel oder im Gastgewerbe, die täglich mit Dutzenden Kunden zu tun haben, mit der Ansteckungsgefahr umgehen, siehst du in der Bildstrecke.

Sie werden angehustet – und arbeiten doch weiter

Migros produziert jetzt selbst Desinfektionsmittel

Gegenüber 20 Minuten betont die Migros, dass sie den Schutz der Mitarbeiter sehr ernst nehme und «Vorkehrungen für verschiedenste Eventualitäten treffe». Neben der Einhaltung der vom Bundesamt für Gesundheit veröffentlichten Verhaltensregeln schütze die Migros ihre Mitarbeitenden besonders: «Weil Desinfektionsmittel zurzeit kaum mehr erhältlich sind, haben wir mit der Produktion von solchen in unserer Eigenindustrie begonnen. Während alle Filialen bereits mit Desinfektionsmitteln ausgerüstet worden sind, erhalten in diesen Tagen alle 100'000 Mitarbeitenden der Migros-Gruppe eine zusätzliche Lieferung an Handreinigern», sagt Sprecher Marcel Schlatter.

Ein Bargeldverbot oder eine Handschuhpflicht für Mitarbeiter sei nicht vorgesehen. «Handschuhe nützen leider nichts, wenn man sich danach trotzdem ins Gesicht fasst. Besser ist es, Hände regelmässig zu waschen oder eben zu desinfizieren.» Ähnlich klingt es auch seitens der Post: «Das Schutzkonzept des BAG sieht weder das Tragen von Hygienemasken noch von Hygienehandschuhen vor. Sie sind nicht wirksam.»

Man setzt auf Eigenverantwortung der Kunden

Oliver Flüeler, Sprecher der Post, bestätigt allerdings, dass die Mitarbeiter in mehreren Poststellen noch immer auf Desinfektionsmittel warten müssen. Dies sei dem derzeitigen Lieferengpass geschuldet. «Wir haben die Auslieferung priorisiert. Mitarbeitende ohne Zugang zu Wasser und Seife in den betreffenden Zustellorganisationen und in Regionen zum betroffenem Ausland erhalten die Desinfektionsmittel zuerst.»

Betreffend die hustenden und niesenden Kunden appelliert die Post an die Eigenverantwortung: «Kranke Kunden sollten aus Verantwortung und Solidarität nicht eine Poststelle besuchen. Die Post bietet ihren Kunden parallel zu den physischen Angeboten zahlreiche digitale Dienstleistungen an, die gerade jetzt eine sinnvolle Ergänzung sind.» Diese Meinung teilt auch die Gewerkschaft Unia. Speziell im Detailhandel gehe es um ein Mindestmass an Solidarität, sagt Sprecherin Leena Schmitter. «Die Angestellten und die Kunden schützen sich gegenseitig.»


(juu/dk)