Party in Asmara?

15. Juni 2016 05:46; Akt: 15.06.2016 05:46 Print

Sieben Eritreer verlieren Asyl – wegen Heimatreisen

von D. Waldmeier - Der Bundesrat bestätigt Fälle von Heimatreisen eritreischer Flüchtlinge. Jetzt soll das Gesetz verschärft werden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Gerüchte gab es schon länger: Eritreische Flüchtlinge sollen in ihr Herkunftsland zurückreisen, um zu heiraten oder den Nationalfeiertag zu feiern. Nun bestätigt der Bundesrat, dass seit 2015 sieben Fälle von illegalen Reisen in die Heimat aufgedeckt wurden. Den betroffenen Personen sei die Flüchtlingseigenschaft aberkannt und der Asylstatus entzogen worden, schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf eine entsprechende Frage von SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz.

Das Gesetz untersagt anerkannten Flüchtlingen Reisen ins Herkunftsland. Stellt die Grenzwache einen Verstoss fest, macht sie eine Meldung an das Staatssekretariat für Migration. Nun soll das Gesetz verschärft werden, um die Durchsetzbarkeit des Reiseverbots zu verbessern.

«Nur die Spitze des Eisbergs»

Bestätigt fühlt sich SVP-Nationalrat Thomas Aeschi, der Eritrea im Februar selbst bereist hat: «Die Fälle sind wohl nur die Spitze des Eisbergs. Ob jemand in die Heimat zurückkehrt oder nicht, lässt sich nicht kontrollieren.» Dass Eritreer, die angeblich an Leib und Leben bedroht sind, nach Asmara reisten, lege nahe, dass es sich doch um Wirtschaftsflüchtlinge handle. Aeschi fordert, dass Rückführungen ins ostafrikanische Land nun ernsthaft geprüft werden.

Die Heimatreisen überraschen auch den eritreischen Honorarkonsul Toni Locher nicht. «Zwar reist ein Grossteil der Eritreer legal, weil sie schon lange in Europa und teils bereits eingebürgert sind.» Doch es gebe auch anerkannte Flüchtlinge und eine geringe Zahl von Personen im Asylprozess unter den Reisenden.

«Frauenmarkt in Asmara»

Häufig dienten diese Reisen dem Nachzug der Freundin und der Organisation von deren Migration: «Die Gründung einer Familie steht in der eritreischen Kultur im Mittelpunkt.» Der «Gender-Gap» bei den Asylsuchenden – die überwiegende Mehrheit sind junge Männer – sei deshalb ein grosses Problem. «In Asmara macht die Jugend Party, es ist ein Heiratsmarkt», so Locher.

Die Reise ist laut Locher nicht sonderlich kompliziert. Es genüge eine ID oder ein Pass, erhältlich auch beim eritreischen Konsulat in Genf – gegen eine Gebühr und die Entrichtung einer Steuer von zwei Prozent. Laut Locher müssen Rückkehrer dann auch keine Repressionen erwarten.

Von einer Gesetzesverschärfung gegen Heimatreisen hält Locher nichts: «Der Kontrollaufwand ist riesig – besser sollten die Schweizer Behörden den Dialog mit der eritreischen Regierung suchen, um den Exodus aus dem Land zu stoppen.» Derzeit weile Yemane Gebreab, die Nummer 2 im ostafrikanischen Staat, in Genf. Von der Schweiz habe dieser aber nichts gehört.

«Nur eine Minderheit»

Veronica Almedom, eritreische Aktivistin und Mitglied der Eidgenössischen Migrationskommission, widerspricht Locher: «Es reist höchstens eine kleine Minderheit in die Heimat. Wenn man weiss, dass jedermann willkürlich eingesperrt, gefoltert oder sogar getötet werden kann, ohne einen Richter gesehen zu haben, kehrt man nur zurück, wenn triftige Gründe vorhanden sind.» Die Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien gerade wieder durch den neusten UNO-Bericht bestätigt worden.

Laut Almedom ist das eritreische Konsulat in Genf Organisatorin der Reisen, da es die Einreisevisa ausstelle. Hinter den Reisen sieht sie vor allem Propaganda: «Das Vorgehen ist im Interesse des totalitären Regimes, das mit solchen Reisen zu zeigen versucht, dass seine Staatsangehörigen bei einer Rückreise nichts zu befürchten haben.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stöfu am 15.06.2016 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurd...

    Das sind wahrscheinlich 7 von mehreren Tausend Fällen, die hier aufgedeckt wurden. Sie zeigen jedoch klar, wie der Hase läuft. Und wenn ich mit Tod oder Folter rechnen muss, dann gehe ich auch bei triftigen Gründen nicht ins Heimatland. Aber da sieht man, wie sich die Asylindustrie ein äe Realität zusammenbastelt, die es nicht gibt. Die Dame würde selbst dann noch Gründe finden wieso dies alles echte Flüchtlinge sind, wenn man jedem Einzelnen Reisen in die Heimat nachweisen könnte. Irgendwie muss sie sich ja auf Kosten der Steuerzahler am Leben erhalten.

    einklappen einklappen
  • Sehnsucht 67 am 15.06.2016 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso flüchtet man?

    Ich flüchte aus einem Land in dem ich gefoltert worden bin , meines Lebens nicht mehr sicher sein kann und trotzdem reise ich dorthin? Kann mir das jemand erklären?

    einklappen einklappen
  • Lämpel am 15.06.2016 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum Diskussion

    Es ist erstaunlich, dass über den Asylentzug nach einer Heimatreise überhaupt diskutiert wird. Für mich ist dies das Natürlichste der Welt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Let it be am 15.06.2016 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit

    zum Asylthema kommt von unserer Regierung immer nur in wohlbedachten Portionen ans Licht. Was bereits bekannt ist, wird danach noch öffentlich gemacht. Und bitte nicht vergessen, zuviele Beamte, Juristen, Psychiater etc. (Liste liesse sich noch beliebig fortsetzen) verdienen sehr gut an der Bewirtschaftung von unserem Asylwesen und haben echt kein Interesse etwas daran zu ändern. Volksabstimmungen hin oder her. Wir Schweizer sind eben ein geduldiges Volk.

  • Rebby am 15.06.2016 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und noch eine andere Seite

    Es gibt viele Schweizer die sehr sparsam leben müssen und sich weder Flugreisen noch Ferien leisten können, welche aber zu stolz sind zum Sozialamt zu gehen. Wissen das unsere Politiker überhaupt?

  • SaKo am 15.06.2016 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Asylverleugnung

    Die Politik sollte endtlich ein Rückführungsabkommen mit Eritrea schliessen. Und den "Kriegsverbrecher"-Status des Landes aberkennen!

    • beatus am 15.06.2016 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SaKo

      On 10 oder 20 Jahren vieleicht. Aber dann heisst: sie sind schon lange da, Kinder sind integriert, also bleiben alle bis zum Tot.

    • SaKo am 15.06.2016 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @beatus

      Da hast du leider recht. Kuschelpolitik!

    einklappen einklappen
  • Orchidea am 15.06.2016 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschüttel

    Ich dachte eigentlich, dass unsere Gesetze dem gesunden Menschenverstand im Asylwesen entsprechen. Muss echt das Gesetz insofern abgeändert, resp. verschärft werden, dass sogenannte in ihrer Heimat Verfolgte nach freiwilligen Heimreisen nicht mehr als an Leib und Leben Bedrohte gelten?

    • beatus am 15.06.2016 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Orchidea

      Nein. Wir haben genügend Gesetze, man müsste sie nur anwenden. Aber die Beamten wollen nicht arbeiten.

    einklappen einklappen
  • furry am 15.06.2016 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    ich würde mal schweizer kontrollen am Milano flughafen einführen, dann werden aus 7 aufeinmal x tausende;). ganz ehrlich; ich fühle mich langsam betrogen bis in die letzte fasser....