Bluttat im Aargau

11. Mai 2015 08:28; Akt: 11.05.2015 14:10 Print

Simon B. stand unter Beobachtung

Ein Mann erschiesst in Würenlingen vier Menschen und anschliessend sich selbst. Das, obwohl die Behörden um seine Gefährlichkeit wussten.

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In einem Wohnquartier in Würenlingen kam es in der Nacht auf Sonntag, 10. Mai 2015, zu einem Tötungsdelikt. In diesem Haus am Langackerweg tötete Simon B. drei Personen mit mehreren Schüssen. Insgesamt starben fünf Erwachsene. Unter den Toten ist auch der Täter selbst. Das Haus (rechts im Bild) gehört den Schwiegereltern des Täters. Es handle sich um ein «aussergewöhnlich schlimmes Verbrechen», sagt ein Kapo-Sprecher. Der Tatort befindet sich in einem beschaulichen Quartier mit Einfamilien- und kleinen Mehrfamilienhäusern. Die Bluttat spielte sich an zwei Tatorten ab. Der zweite befand sich im Freien, wo der Täter sein Auto parkiert hatte. Er erschoss dort einen Nachbarn seiner Schwiegereltern, den 46-jährigen verheirateten Thierry K. Danach richtete er sich selbst. Laut Polizei war Thierry K. ein Zufallsopfer und befand sich vermutlich im Garten, als es zum Delikt kam. Die Angehörigen widersprechen: Es sei wenige Wochen zuvor zu einer Auseinandersetzung zwischen Simon B. und Thierry K. gekommen bei der die Polizei kommen musste. Drei Tage später wurde Simon B.s Wohnung durchsucht und er in die Psychiatrie eingewiesen. An der Pressekonferenz am Sonntagnachmittag informierte die Polizei über die Tat: Michael Leupold, Polizeichef Kanton Aargau (l.), Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken und Kripochef Markus Gisin (r.). Nach Angaben der Polizei tötete der 36-jährige Täter am ersten Tatort seine Schwiegermutter (57), seinen Schwiegervater (58) und seinen Schwager (32). Danach traf er am zweiten Tatort auf einen 46-jährigen Nachbarn, erschoss diesen und richtete sich dann selbst. Ob es sich bei dem vierten Opfer um ein Zufallsopfer handelt, weiss die Polizei zurzeit noch nicht. Anwohner informierten die Polizei am Samstag kurz nach 23 Uhr über Schüsse. Im Freien sowie in einem Wohnhaus entdeckten die Beamten daraufhin mehrere leblose Menschen. Beim Tötungsdelikt handelt es sich um ein Beziehungsdelikt. Der Täter war der Polizei «einschlägig» bekannt. Laut Polizei fiel eine grosse Anzahl Schüsse. Die Kantonspolizei war die ganze Nacht mit einem Grossaufgebot im Einsatz und hat intensive Ermittlungen aufgenommen. Der im Kanton Schwyz wohnhafte Täter ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebte getrennt von seiner Frau und seinen Kindern. Sowohl der Täter als auch seine Familie waren fürsorgerisch untergebracht.

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Der 36-jährige Simon B.* erschoss am Samstagabend im aargauischen Würenlingen die Eltern und den Bruder seiner Ehefrau. Anschliessend tötete er einen Nachbarn der Familie und richtete sich danach selbst. Eine Tat, die die ganze Gemeinde in einen Schockzustand versetzt. Von dieser Bedrohung hatte niemand etwas geahnt, sie kam völlig unerwartet. Die Opferfamilie und auch der getötete Nachbar waren in der Gemeinde beliebt.

An seinem Wohnort in Reichenburg SZ hingegen war B. kein unbeschriebenes Blatt. Nachbarn berichten von Drohungen, die Polizei hatte erst kürzlich B.s Wohnung auf der Suche nach Waffen durchsucht.

Ging es um einen Erbschaftsstreit?

Was könnte B. dazu veranlasst haben, eine solch schreckliche Tat zu begehen? Erst vor kurzem wurde bei ihm eine fürsorgerische Unterbringung angeordnet. Die Behörden erkannten in dem Mann eine Bedrohung. Trotzdem war der 36-jährige Reichenburger offenbar berechtigt, am Samstag nach Würenlingen zu fahren, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Es lag kein Fahndungsaufruf vor, er war aus keiner Anstalt geflohen. Weshalb B. zum Zeitpunkt der Tat nicht unter Beobachtung stand, sollen nun die Ermittlungen zeigen. Laut dem Gesetz ist eine fürsorgerische Unterbringung nur befristet möglich und wird von der Erwachsenenschutzbehörde oder einem Arzt verordnet.

Auch über das Motiv ist noch kaum etwas bekannt. Laut Tele Züri könnte es um einen Erbschaftsstreit gehen, bei dem B. leer ausgegangen war. Konkret sei es um ein Chalet gegangen, das im Kanton Glarus steht.

(vro)