Schweiz

21. Juli 2016 05:36; Akt: 05.10.2016 13:58 Print

Sind minderjährige Flüchtlinge gefährlich?

von J. Büchi - Der Amoklauf in Würzburg hat eine Debatte über unbegleitete Minderjährige entfacht. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Situation in der Schweiz.

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Jung. Allein. Gefährdet? Mit diesen drei Worten umschreibt der «Spiegel» die Diskussion, die nach der Axt-Attacke in Würzburg in Gang geraten ist. Denn der 17-jährige Afghane, der in einem Zug mehrere Menschen mit Axt und Messer angegriffen hat, war ohne seine Eltern nach Deutschland gekommen. Auch in der Schweiz stellen immer mehr Flüchtlingskinder ohne ihre Eltern einen Asylantrag. 20 Minuten kennt die Fakten.

Wie viele unbegleitete Minderjährige gibt es in der Schweiz?
Vergangenes Jahr registrierte der Bund 2736 unbegleitete minderjährige Asylsuchende, im Fachjargon UMA genannt. Das sind fast achtmal so viele wie noch 2013. Ihr Anteil ist auch prozentual gestiegen: Wurde vor drei Jahren noch jedes 62. Asylgesuch von einem unbegleiteten Kind gestellt, war es letztes Jahr schon jedes 14. Im laufenden Jahr haben bisher 791 alleinreisende Kinder um Asyl ersucht – deutlich mehr als in derselben Periode im Vorjahr.

Woher kommen die Minderjährigen und was weiss man über sie?
Im ersten Halbjahr 2016 kamen erstmals am meisten UMA aus Afghanistan. Davor war jahrelang Eritrea das Herkunftsland Nummer eins. Der Grossteil ist 16 oder 17 Jahre alt. Manchmal reisen aber auch bereits 6-Jährige ohne Mutter oder Vater ein. Nur knapp jeder fünfte Antrag stammt von einem Mädchen. Manche Kinder haben ihre Eltern im Krieg oder auf der Flucht verloren, teilweise versuchen die Familien laut Fachleuten aber auch, zumindest ein Kind nach Europa zu schicken, weil das Geld nicht für mehrere Personen reicht.

Werden Jugendliche, die auf sich allein gestellt sind, besonders oft straffällig?
Laut Kriminalstatistik gingen letztes Jahr 0,4 Prozent der Straftaten in der Schweiz auf das Konto von minderjährigen Personen im Asylbereich (336). Wie viele davon unbegleitet in die Schweiz kamen, ist nicht bekannt. Laut Sozialdirektorenkonferenz zeigen die Erfahrungen jedoch, dass UMA besonders gefährdet sind, in die organisierte Kriminalität und oder andere illegale Tätigkeiten abzurutschen. Wie der deutsche Psychiater Franz Joseph Freisleder in der «Welt» sagt, machen die Vereinsamung und das Gefühl der Vernachlässigung die Jugendlichen leichter verführbar – auch für Islamisten. Flüchtlingsorganisationen warnen davor, UMA nach der Attacke in Würzburg unter Generalverdacht zu stellen.

Wie geht die Schweiz mit diesen Kindern um?
Seit Februar 2014 werden die Gesuche von unbegleiteten Minderjährigen vom Bund prioritär behandelt. Für die Unterbringung sind die Kantone zuständig. Wegen der hohen Gesuchszahlen mussten letztes Jahr Pfadiheime und Motels zu Notunterkünften umfunktioniert werden. Nachdem Kritik laut geworden war, wonach dem Schutzbedürfnis der Kinder in gewissen Kantonen zu wenig Rechnung getragen worden sei, hat die Konferenz der Sozialdirektoren reagiert und Empfehlungen zur Unterbringung und Betreuung erarbeitet.

Wie sehen diese aus? Wie werden die Jugendlichen integriert?
Die Sozialdirektorenkonferenz empfiehlt, die Kinder je nach Alter und Situation bei Verwandten, in Pflegefamilien oder in speziellen Zentren oder Wohngruppen unterzubringen. Dabei sollen sie auch sozialpädagogisch betreut werden. Zudem soll jeder Minderjährige einen Beistand, einen Vormund oder temporär zumindest eine «Vertrauensperson» bekommen. Die Richtlinien sehen vor, dass Flüchtlingskinder so rasch als möglich eingeschult und später bei der Suche einer Lehrstelle unterstützt werden. Wie mit schwierigen Fällen umgegangen wird, liegt im Ermessen der Kantone.


Der ursprüngliche Titel dieses Artikels lautete «Wie gefährlich sind minderjährige Flüchtlinge?». Da dies als suggestiv aufgefasst werden kann, wurde er aufgrund von Publikumsreaktionen geändert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simba74 am 21.07.2016 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn immer mehr kommen...

    es geht nicht um das wie gefährlich sie sind, sondern dass wir Leute ins Land lassen in einer Zeit der Verunsicherung gegenüber der Zukunft. Viele davon sind ungebildet und neigen daher in der Verzweiflung zu einer kriminellen terroristischen Tat. Das es auch in der Schweiz zu solchen Attacken kommt ist eine Frage der Zeit...

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  • Chrigi am 21.07.2016 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer am 1.1 Geburtstag...

    ... und natürlich immer 17jährig wenn sie Europa erreichen... und unsere Sozis in den Ämtern nicken alles ab...

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  • Baselboy12 am 21.07.2016 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ?!

    Seid ihr sicher das der attentäter erst 17 ist?! Sieht aus wie 20 oder älter

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Malu14 am 21.07.2016 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Das ist absehbar gewesen und es wird wahrscheinlich noch mehr passieren. Ob das nun minderjährige Flüchtlinge sind oder Erwachsene Flüchtlinge oder sogar Menschen, wie du und ich, die aus einem Affekt aus handeln wird sich noch zeigen. Angst ist unser grösster Feind

  • MD1905 am 21.07.2016 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ya ya

    die medien füttern euch mit halbwahrheiten/lügen und ihr reggt euch unnötig auf...

  • Dany Solothurnmann am 21.07.2016 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine News = Kein Interesse

    Ich frage mich eher, wenn die News sie nicht noch gross vorstellen würde mit Foto ect... Würden die es überhaupt noch machen wenn sie wissen, dass niemand weiss dass sie es waren? Gut Social Media wäre ein Problem. Generell, über was nicht berichtet wird, isr "nie" passiert... Klar würden dass die News nie machen

  • Tobi von Baden am 21.07.2016 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Terroristen = Maghreb (meistens)

    Das ist sehr selten, dass ein Attentäter aus dem nahen Osten oder aus der Golf-Region kommt. Die sind meist vom Maghreb. Ich kenne bisher komischerweise noch keinen einzigen Syrer. Dafür aber einige Iraker. Und die sind einfach nur froh und dankbar, hier zu sein und nicht mehr Angst haben zu müssen. Gestern habe ich Farhad aus Mossul kennengelernt. Er hat mir unter Tränen ein Video gezeigt, was vor einer Woche in seiner Familie geschehen ist. Er dachte, ich (wir) wüsste hier gar nicht, was dort abgeht. Er spricht schon Deutsch und ist ein Sonnenschein. Gut, dass er hier ist.

  • 3177 am 21.07.2016 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NoBorders

    Wenn diese Menschen hier nicht so viel offensichtlicher Hass und Abneigung erfahren würden, wäre die Gefahr bedeutend kleiner. Wer aus solchen Gebieten flieht, hat es nicht verdient so viel Rassismus spüren zu müssen. Aber hier in der Schweiz ist das nicht denkbar, die Menschen hier sind viel zu egoistisch, geizig und engstirnig. Traurig aber wahr.