Geheimer Bericht

30. November 2015 15:32; Akt: 30.11.2015 15:33 Print

Sind unsere AKW sicher vor Flugzeug-Terror?

Droht eine Katastrophe, wenn ein Flugzeug auf ein Schweizer AKW stürzt? Entsprechende Berichte sind geheim; doch nun wird bekannt, dass «grossräumige Verstrahlungen» drohen.

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Blick auf den Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen: Bis jetzt hiess es, ein gezielter Flugzeugabsturz auf den Meiler könne keinen GAU verursachen. Stellen dies neuste Untersuchungen in Frage? Die Atomaufsichtsbehörde Ensi klassifiziert die Ergebnisse neuster Untersuchungen als geheim. Doch der Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür redet von einer «grossen Gefahr». Das hier abgebildete Kernkraftwerk Muehleberg galt schon vor der neusten Untersuchung als nur beschränkt sicher. Man sprach aber von einem hohen Schutzgrad und einer geringen Wahrscheinlichkeit für die Freisetzung radioaktiver Stoffe. Dasselbe galt bisher für das KKW Beznau. Wie es aussähe, wenn das Grossflugzeug A380 mit voller Geschwindigkeit auf das Reaktor-Gebäude prallen würde, darüber schweigen sich AKW-Betreiber und Ensi aus. Dass Flugzeuge für Terroranschläge missbraucht werden können, zeigen die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Insgesamt vier Flugzeuge wurden in einer koordinierten Aktion entführt. Neben den zwei Türmen des World Trade Center crashte ein Flugzeug bei Shanksville, Pennsylvania in den Boden. Es wird vermutet, dass es ins Weisse Haus in Washington fliegen sollte. Passagiere hatten mit den Entführern einen Kampf ausgefochten, worauf es zum Crash kam. Das vierte Flugzeug prallte in Arlington, Virginia in das Pentagon. Im fünfeckigen Komplex ist der Hauptsitz des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Dort sind unter anderem die NSA und weitere Sicherheitsabteilungen der Armee untergebracht.

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Stürzt ein Flugzeug auf ein Schweizer AKW, könnte es zu einer «grossräumigen radioaktiven Verstrahlung» kommen. Dies stehe in einem siebenseitigen Papier, das der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Hanspeter Thür verfasst hat, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Eine Privatperson hatte gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Transparenz in dieser Frage verlangt. Doch die Atomaufsichtsbehörde Ensi hatte die Informationen als geheim klassifiziert. Im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens hat Thür dazu Stellung genommen.

Grund für die Anfrage sind neue Untersuchungen über die Folgen eines Flugzeugabsturzes auf ein AKW. Die ersten dazu gab es bereits nach den Terroranschlägen am 11. September 2001. Damals hiess es, Gösgen und Leibstadt könnten einen Vollschutz nachweisen. Beznau und Mühleberg hätten ebenfalls einen hohen Schutzgrad. Die Wahrscheinlichkeit für die Freisetzung radioaktiver Strahlen sei gering.

Grossflugzeug A 380 verändert die Bedingungen

Dem stand die Beurteilung der deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit des Bundesministeriums für Sicherheitsfragen entgegen. Diese befanden, der gezielte Absturz eines Flugzeugs auf ältere Meiler könne zum GAU (grösster anzunehmender Unfall) führen. Weder das Ensi noch der Bundesrat konnten die unterschiedliche Beurteilung erklären.

Mit dem neuen Grossflugzeug A 380 mussten die AKW-Betreiber 2013 über die Bücher und neue Untersuchungen abliefern. Noch vor der Auswertung liess das Ensi wissen, dass man bei einem Flugzeugabsturz auf ein AKW mit schweren Personen- und Sachschäden rechnen müsse. Die Wahrscheinlichkeit für die Freisetzung radioaktiver Stoffe sei aber «niedrig».

Terroristen könnten Informationen für sich verwenden

Im Dezember 2014 haben die AKW-Betreiber der Atomaufsichtsbehörde die Auswertung eines Flugsimulationsberichts und anlagespezifische Berechnungen eingereicht. Über Resultate in diesen Unterlagen wollte die Privatperson Auskunft erhalten. Doch auch der Datenschutzbeauftragte Thür lehnt die Herausgabe ab, weil die Unterlagen als geheim klassifiziert seien.

Laut Ensi ist eine Offenlegung des Berichts ein «ernsthaftes Risiko», weil die Informationen «für terroristische Zwecke eingesetzt werden könnten». Zur Aussage, es bestehe die «Gefahr einer grossräumigen radioaktiven Verstrahlung», wollen weder Thür noch das Ensi etwas hinzufügen.

Laut Piloten sind AKWs nicht sicher

Kritiker sind mit dieser Antwort nicht zufrieden. «Die AKWs sind bei Flugzeugabstürzen mitnichten sicher», sagt der ehemalige Swissair-Pilot Max Tobler. Jeder Pilot habe schon immer gewusst, dass es ein Leichtes sei, mit einem schweren Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit in ein AKW zu fliegen. «Mit einem möglicherweise schweren Atomunfall als Folge.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walter Spahni am 30.11.2015 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Super Werbung!

    Wenn man solche Berichte veröffentlicht, lädt man Terroristen geradezu ein zu einem Anschlag!!

  • Susanne am 30.11.2015 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe doch sehr,

    dass dan so ein Terrorflugzeug nur zu Bürozeiten kommt, denn andernfalls ist ja unsere Flugabwehr in der Pause...

    einklappen einklappen
  • Sirius am 30.11.2015 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na toll

    Super bringt man dies hier noch gross in den Medien. Man kann ja gleich noch ein grosses rotes "X" auf die AKWs malen :-/

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Spahni am 30.11.2015 17:40 Report Diesen Beitrag melden

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    Wenn man solche Berichte veröffentlicht, lädt man Terroristen geradezu ein zu einem Anschlag!!

  • Gotthard am 30.11.2015 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An- und Abflugrouten

    Sofort An- und Abflugrouten ändern Richtung Zürich um das Risiko so gering wie möglich zu halten das da etwas passieren kann.

  • DLB am 30.11.2015 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ciao

    Flugzeug + AKW = Adieu Schweiz

  • Simba74 am 30.11.2015 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    aus einem Grund war es geheim.... hoffentlich werden nun keine schlafenden Hunde geweckt durch diesen Bericht....

  • Michael Sarasin am 30.11.2015 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das eine Frage?

    Glaubt tatsächlich jemand, dass unsere AKWs einem gezielten Flugzeugabsturz stand halten?