Skepsis wächst

12. April 2019 04:51; Akt: 12.04.2019 04:51 Print

Stoppen Politiker jetzt den 5G-Ausbau?

von R. Lieberherr - Genf will vorerst keine 5G-Antennen, weitere Kantone könnten folgen. Auch auf nationaler Ebene gibt es Widerstand. Kommt es nun zum Marschhalt?

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Die Mobilfunkanbieter drücken bei der 5G-Technologie aufs Gaspedal. Sunrise deckt seit Anfang April 150 Städte und Orte in der Schweiz mit 5G ab, Swisscom will bis Ende Jahr 90 Prozent der Bevölkerung damit versorgen. Doch jetzt bremst die Politik. Der Kanton Genf verbietet vorerst den Bau von 5G-Antennen: Das Parlament verlangt neue Studien zu möglichen Gesundheitsschäden. Auch in der Waadt prüft die Regierung einen Marschhalt. Auf nationaler Ebene spricht sich SP-Nationalrätin Martina Munz für ein Moratorium aus: «Es kursieren viele Fakenews zur 5G-Technologie.» Es brauche mehr Zeit, um offene Fragen zu klären: den Schutz für Mensch und Tier, die möglichst geringe Strahlenbelastung und die Haftung bei allfälligen Schäden. SP-Nationalrat Thomas Hardegger überlegt sich, ein Moratorium auf Bundesebene anzustreben. Die Vorstösse der «Strahlengegner» ärgern FDP-Nationalrat Thierry Burkart: «Sie lehnen ab, was sie nicht kennen, verkennen aber die Chancen der Technologie. Unsere Handys strahlten um ein x-Faches stärker als die Antennen.» Die Mobilfunkanbieter reagieren wortkarg auf die politische Gegenwehr. Bei der Swisscom heisst es, man müsse analysieren, was sie Entscheide in Genf und der Waadt für den Ausbau des 5G-Netzes bedeuten würden. Ein Sunrise-Sprecher erinnert daran, dass der Bund mit der Vermietung der Frequenzen selbst ein rasches Tempo vorgegeben habe. Bis im Sommer verfasst eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Bundesamts für Umwelt einen Bericht mit Empfehlungen zu Mobilfunk und Strahlung. Die Diskussion müsse endlich versachlicht werden, sagt SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher: «Momentan herrscht ein Glaubenskrieg. Die Swisscom hat bereits in 50 Gemeinden ihre Antennen auf 5G umgerüstet. «Sobald wir die Konzession erhalten, werden wir diese einschalten. Immer unter Einhaltung der Strahlengrenzwerte», so Sprecherin Sabrina Hubacher. Laut Bakom soll die Konzession in den nächsten Wochen erteilt werden.

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Die Mobilfunkanbieter drücken bei der 5G-Technologie aufs Gaspedal. Sunrise deckt seit Anfang April 150 Städte und Orte in der Schweiz mit 5G ab, Swisscom will bis Ende Jahr 90 Prozent der Bevölkerung damit versorgen (siehe Box). Das geht vielen zu rasant: Im Kanton Genf wird der Bau von 5G-Antennen vorerst mittels Moratorium gestoppt. Das Kantonsparlament verlangt unabhängige Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO.

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Auch der Kanton Waadt tritt auf die Bremse: Er prüft einen 5G-Stopp. Über das weitere Vorgehen wird entschieden, wenn der Bericht des Bundes über die Auswirkungen der neuen Technik vorliegt. Die Skepsis in der Westschweiz strahlt nun in andere Kantone aus: Die Grüne Berner Grossrätin Moussia von Wattenwyl will 5G mit einem Vorstoss den Stecker ziehen. Die Grünen des Kantons Zürich diskutieren nächste Woche, wie sie vorgehen wollen.

«Marschhalt ist sinnvoll»

Auf nationaler Ebene wächst der Widerstand ebenso, mehrere Interpellationen zum 5G-Netz sind hängig. Eine davon von SP-Nationalrätin Martina Munz: «Es kursieren viele Fake News zur 5G-Technologie. Wir brauchen verlässliche, wissenschaftliche Daten. Darum ist das Moratorium eine sehr gute politische Lösung.» Ein Marschhalt sei nötig, um offene Fragen zu klären: den Schutz für Mensch und Tier, die möglichst geringe Strahlenbelastung und die Haftung bei allfälligen Schäden. Parteikollege Thomas Hardegger doppelt nach: «Ich überlege mir, ob ich ein Moratorium auf Bundesebene anstreben soll.»

Für FDP-Nationalrat Thierry Burkart wäre das der falsche Weg. Für ihn sind die Strahlengegner fortschrittsfeindlich. «Sie lehnen prinzipiell ab, was sie nicht kennen, verkennen aber die Chancen der Technologie.» Burkart nennt etwa die Robotik oder den automatisierten Verkehr als Anwendungsmöglichkeit. 5G werde bald weltweiter Standard sein, da solle die Schweiz nicht abseits stehen. Die verbreitete Angst und der Ruf nach Studien hält er für übertrieben: «Das Handy, das wir mit uns tragen, strahlt um ein x-Faches stärker als die Antennen.» Und es gebe auch keine Studie, die nachweise, dass 5G eine grössere Gefahr für die Gesundheit sei als beispielsweise Kaffee. Burkart hofft, dass der Bundesrat nun die Strahlen-Grenzwerte etwas hochsetzt: «Die Provider können zwar auch heute 5G anbieten, der Ausbau braucht so aber deutlich länger, weil viel mehr Antennen nötig sind.»

«Kantone sind verpflichtet, 5G zügig umzusetzen»

Die Mobilfunkanbieter reagieren wortkarg auf die jüngste politische Gegenwehr: «Welche Auswirkungen die Entscheide in Waadt und Genf haben, kann ich derzeit nicht sagen. Wir müssen jetzt analysieren, was das für den Ausbau des 5G-Netzes bedeutet», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Zudem werde geprüft, was allfällige weitere kantonale Moratorien für Konsequenzen hätten. Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold sieht die Kantone in der Verantwortung: «Der Bund hat ein rasches Tempo bei 5G vorgegeben und die Frequenzen für den Aufbau und die Vermarktung von 5G vermietet. Die Bundesstellen und die Kantone sind nun in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten, damit das Anliegen des Bundes zügig umgesetzt werden kann.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simba74 am 12.04.2019 05:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich wäre für eine seriöse

    und unabhängige Untersuchung. 5G brauchts nicht unbedingt.

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  • Dinu am 12.04.2019 05:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler

    Immer wieder interessant zu lesen we viele Experten sich hier tummeln... alle jammern wegen der Strahlenbelastung, aber alle haben ein Handy dabei, haben aber keinen Schimmer dass die Strahlenbelastung, die von ihrem Hosensack ausgeht viel höher ist... Wenn ihr euch Sorgen deswegen macht und die Strahlen nicht wollt, dann seit wenigsten Konsequent und verzichtet auf Euer Handy. Dass wollt ihr dann natürlich auch nicht... Heuchlerisch

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  • Su am 12.04.2019 05:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Das wäre das einzig richtige... Wir brachen das nicht und die Gesundheit der Bevölkerung sollte im Vordergrund sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Schulz am 13.04.2019 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wer will 5G?

    Wenn das (umliegende) Ausland alle 5G haben, dann wird ein jetzt verordnetes Moratorium in der Schweiz schnell gekippt, und zwar von uns selber, die wir auch immer schnelleres Mobil-Up- und Downloading wollen. Im Moment kann man die generelle Schädlichkeit von gepulsten elektromagnetischen Strahlen nur im Labor nachweisen.

  • Maxc am 13.04.2019 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen wir automatisch gesteuerte Autos

    Wir das Volk wirden nie gefragt, ob wir automatische Autos wollen.

  • Rubu Vonundso am 13.04.2019 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    erst test, dann freigabe

    Nach Luftverpestung jetzt auch noch Elektrosmog. Glyphosat (u.a.) wurde erstmal auch als Wundermittel ohne Bedenken vermarktet - und heute? Auch auf selbstfahrende Autos kann ich verzichten, fahre lieber selbst. Ansonsten bringt das ja keinem Privaten etwas..

  • R.Heusser am 13.04.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler ?

    Heuchler werden also jene genannt , die etwas nicht wollen , das die Wirtschaft einfach mit allen Mitteln durchdrücken will . Die allgemeinen Belastungen haben nichts mit Jammern zu tun , sondern sind Ausdruck von Mitgefühl und Sorge gegenüber Mensch und Natur , die man langsam in die Enge treibt . Heuchlerisch ist vielleicht viel mehr , sich ohne Fragen einer Zukunft hinzugeben , die wie vieles nur mit Geldgier zu tun hat und die man unter dem Deckmantel des Wohlstandes an die Bürger bringen will .

  • S'Verzelli'M'Ballottelli am 13.04.2019 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Salamitaktik

    Frankreich installiert zu"testzwecken"300 mikrophone in den Strassen von St Etienne die auf "verdächtige Geräusche" reagieren und Kameras zur Quelle des Geräusches richten. Militärtechnik aus dem Panzerbau. Wird der "Test " efolgreich verlaufen kommt dann der Flächendeckende Verbau. Nein zu smart citys,kein flächendeckendes 5g oder höher,ausnahmen für betriebe,firmenareale,nein in der öffentlichkeit,haushalt privatleben und mobilität.