Schneekanonen nutzlos

10. November 2015 05:49; Akt: 10.11.2015 05:49 Print

Skigebiete ächzen unter dem Hitze-Herbst

Einige Skigebiete rechnen bereits im November mit ungeduldigen Wintersportlern. Doch die Pisten sind braun und die künstliche Beschneiung derzeit unmöglich.

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Traumwetter ja, aber nicht zum Skifahren. Den Skigebieten droht eine Verschiebung des Saisonstarts. (Bild: Screenshot lenzerheide.ch)

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Pulver gut! Von diesen Bedingungen können Schweizer Skigebiete derzeit nur träumen. Obwohl einige Skigebiete bereits die Saisoneröffnung verkündet haben oder bald eröffnen wollen, herrscht auf den meisten Pisten derzeit braunes Elend statt weisse Pracht.

Und die weiteren Aussichten für die Skigebiete sind denkbar schlecht, wie Roger Perret von Meteonews sagt: «Es bleibt die Woche weiter mild, einzig für Samstag kündigt sich eine leichte Störung mit einigen Schauern und Schnee in den Bergen an.» Allerdings zerschlägt er die Hoffnungen der Bergbahnbetreiber: «Dabei handelt es sich um einen Tropfen beziehungsweise eine Flocke auf den heissen Stein.»

Rekord auf dem Jungfraujoch?

Danach sehe es nach einem weiteren Hoch aus, das für einen November unübliche Temperaturen mit sich bringe. Und es sei nicht ausgeschlossen, sagt Perret, dass sich das Hoch bis Ende des Monats halte. Am Montag fielen in einigen Gemeinden gar uralte Temperaturrekorde für den November. Und am Dienstag könnten weitere folgen. Perret: «Zum Beispiel auf dem Jungfraujoch – dort liegt er bei 4,7 Grad – oder auf dem Corvatsch mit 6,5 Grad.»

Warum greifen die Skigebiete nicht einfach auf Kunstschnee zurück? Die Pistenbauer in den Skigebieten winken ab. Um die Schneekanonen anzuwerfen, braucht es Minustemperaturen, wie Peter Reinle von den Titlis-Bahnen sagt: «Es ist nichts zu machen, es ist viel zu warm.» Die Titlis-Bergbahnen entscheiden am Mittwoch, ob sie die Gletscherpiste – mit Naturschnee – am Wochenende öffnen.

Kunstschneehaufen bilden

Auf den tiefergelegenen Pisten die Schneekanonen einzusetzen, funktioniere nicht, wie Reinle erklärt: «Wenn wir zum Beispiel in der Nacht ein Zeitfenster von 10 Stunden bei minus 2 Grad haben, beschneien wir.» Dann könne man an Nordhängen grosse Schneehaufen machen, die am Tag nicht wegschmelzen würden.

Der Herbst ist mild – und viel zu trocken. In den Niederungen trocknen Bäche aus, Flüsse und Seen weisen ausserordentlich tiefe Wasserstände auf. In einigen Zürcher Gemeinden herrscht bereits Wasserknappheit.

Viele Skigebiete können auf Speicherseen zurückgreifen, die aus natürlichen Quellen gespiesen werden. Auch Davos und Arosa können derzeit keinen Kunstschnee herstellen. Frederic Petignat von den Bergbahnen Davos: «Aufgrund der aktuellen Wetterlage und den warmen Temperaturen ist momentan die Schneeproduktion nicht möglich.» Für die Wintersportler stehe aber im Parsenngebiet eine erste Piste offen.

Gletscher im Vorteil

Philipp Holenstein, Direktor von Arosa Tourismus, sagt: «In der Tendenz ist es schwieriger, die Menschen im April noch zum Skifahren zu bewegen, also konzentrieren wir uns auf den November.» Und er wünsche sich einen baldigen Wintereinbruch, denn bisher sei lediglich eine Piste geöffnet gewesen. «Am Wochenende kamen so auch 700 bis 800 Schneesportler an den Berg, was für unsere Verhältnisse sehr gut ist.»

Auf den Gletschern sieht die Situation besser aus, wie zum Beispiel auf dem Glacier 3000 in Gstaad: Dort oben existieren keine Schneekanonen, sondern Naturschnee. Und die meisten Bahnen sind bereits geöffnet. «Wir können weiter unten erst dann beschneien, wenn es auch sonst Niederschläge gibt», sagt Sprecherin Claudia Von Siebenthal.

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 10.11.2015 06:10 Report Diesen Beitrag melden

    alle jahre wieder

    Jedes Jahr das gleiche gejammere! Wasserkappheit droht und die wollen Pisten beschneien. Da kann man nur den Kopf schütteln!!

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  • Zeit Los am 10.11.2015 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Wasserverschwendung pur. Wir sollten uns, gerade in den Bergen, nach der Natur richten. Sie weiss was sie tut

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  • André am 10.11.2015 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenklich

    Vielleicht bekommen wir noch ganz andere Probleme die nächste Zeit, als die Frage: "Ob man Kunstschnee herstellen kann" Irgendwann wird das Wasser knapp, denn es hat seit Juni nicht mehr "richtig" geregnet

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anne am 11.11.2015 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genießen und nicht jammern

    Das Wetter findet nun mal draußen statt und es ist gut, wenn der Mensch ihm nicht noch mehr hineinpfuschen kann. Genießen und dankbar sein für die schönen Tage und dann nicht jammern, wenn es nasse und kalte Tage gibt.

  • Bergli am 11.11.2015 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ewig das gleiche Lied

    Die gleichen Jammeri hören wir wieder wenn am 1. April 2016 um 10:30 Uhr noch immer Schnee liegt weil diese dann das Frühlingsgeschäft machen wollen. Merktvihrxauch dass ihr mit der Natur funktionieren müsst - dagegen macht ihr mit Schneekanonen und Mountain Bike Pisten schon genug.

  • Voyager Reisender am 11.11.2015 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem

    Beginnen wir eben später mit der Wintersaison, dem Schnee und dem Schneesport. Warum immer früher mit dem Wintersportbetrieb begonnen wurde werde ich nie verstehen. Vor Jahren öffneten die Wintersportgebiete anfangs/Mitte Dezember, dann Ende November, dann Mitte November und jetzt sollte es schon Anfangs November beginnen. Jedes Gebiet will früher sein als das Andere, warum so ein Theater? Weill die Medien etwas zum Schreiben brauchen. Beginnen wir die Saison wenn der Schnee kommt und freuen uns darüber. Das wärs eigentlich schon.

  • Muster am 10.11.2015 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    21. Jahrhunderts

    Es wird viele Gemeinden noch treffen, nicht sofort aber mit der Zeit wegen dem Trinkwasser. Der Zugang zu Wasserreserven wird eines der größten Probleme des 21. Jahrhunderts darstellen. Viele dicht besiedelte Gegenden werden einer ernsthaften Bedrohung durch Wasserknappheit gegenüber stehen.

  • Realist am 10.11.2015 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoistische Einstellung

    Ich verstehe das ganze Theater nicht. Schneekanonen vergeuden in den Bergen Wasser und Strom (sollte man nicht Strom sparen?) und im Unterland herrscht Wasserknappheit! Die Skigebiete machen alles, damit ihre Kasse klingelt! Armselig!

    • Muster am 10.11.2015 20:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Warum müssen die Leute in den Bergen schuld sein, wenn solche Leute wie Sie kein Wasser sparen können. Schon mal daran gedacht, einfach vor der eigener Tür schauen bevor Sie andere beschuldigen. Wie sparen Sie Wasser? Was denken Sie über die Trockenheit? Fahren Sie gerne Ski in den Bergen? Wie reagieren Sie, wenn in Ihrer Wohngemeinde das Wasser knapp wird? haben Sie schon eine Lösung?

    • Annie am 10.11.2015 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schneekanonen

      @Realist Danke, kann Ihnen nur zustimmen! Es ist Wahnsinn wie viel Wasser und Energie für die Schneekanonen "unnötig" verbraucht werden! Der Winter kommt früher oder später, wie noch jedes Jahr :)

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