Keine Abkühlung in Sicht

03. August 2018 05:47; Akt: 03.08.2018 05:47 Print

So belastet die Hitze die Gesundheit und die Natur

Die Hitzewelle lässt die Ozonwerte ansteigen. Während Obstbauern jubeln, leiden die Bäume. Bienen geben weniger Honig, und Gewitter sind in weiter Ferne.

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Die Hitze hat die Schweiz im Griff. Das hat Folgen für die Gesundheit der Menschen, die Natur und die Tiere. Das bedeuten die hohen Temperaturen: Die Ozonbelastung steigt und überschreitet regelmässig den Stundengrenzwert. Das Bundesamt für Umwelt rät, sportliche Aktivitäten morgens durchzuführen. Es bestehe aber kein Grund, etwa Kinder nicht draussen spielen zu lassen. Auch Bäume leiden unter der Hitze. Sie wachsen weniger und lassen ihre Blätter früher fallen. «In der Regel reicht eine Trockenperiode nicht aus, damit die Bäume absterben», sagt Roman Zweifel von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Viele Bauern leiden unter der Hitze und müssen ihre Felder bewässern. Nicht so die Obstbauern: «Wir sind sehr zufrieden mit diesem Jahr», heisst es beim Schweizer Obstverband. Für die Bienen sei die Hitze kein Problem, sagt Martin Schwegler vom Imkerverband. Wegen der trockenen Böden gäben die Pflanzen aber keinen Nektar. Die Sommertracht könnte deshalb unterdurchschnittlich ausfallen. Es könne sein, dass es dieses Jahr etwas mehr Wespen gebe, sagt Schwegler. Weil es viel Obst gebe, habe es für die Wespen genügend Nahrung. Im Flachland ist bis nächsten Mittwoch nicht mit Gewittern zu rechnen. Die Luft sei in tiefen, aber auch hohen Lagen warm, was das Entstehen von Gewittern erschwere, sagt Nicola Möckli von Meteonews. Bis Mittwoch nächster Woche dürfte es im Flachland mittags nie unter 30 Grad Celsius werden, sagt Meteorologe Möckli. Danach sei eine leichte Abkühlung verbunden mit unbeständigem Wetter möglich.

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Die Ozonbelastung steigt an. Was heisst das für die Gesundheit?
Bleibt es längere Zeit sonnig und windstill, steigt die Ozonbelastung. Reto Meier vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) sagt, der Stundengrenzwert von 120 µg/m3 werde derzeit am Nachmittag und Abend in weiten Teilen der Schweiz überschritten. Die Informationsschwelle von 180 µg/m3, bei der der Bund Mitteilungen verschickt, sei allerdings erst im Tessin überschritten worden. «Während einer mehrtägigen Smogperiode nimmt die Belastung täglich zu», sagt Meier. In stark besiedelten Gebieten und in Verkehrsnähe werde das Ozon in der Nacht fast vollständig abgebaut. Auf dem Land bleibe es länger erhalten, weil weniger andere Schadstoffe vorhanden seien, die den Smog abbauten. Sportanlässe oder Wanderungen sollten so geplant werden, dass Ausdauerleistungen eher am Morgen erbracht werden. «Eine generelle Empfehlung, nicht ins Freie zu gehen, ist nicht notwendig», sagt Meier. «Auch Kinder sollen nicht vom Spielen draussen abgehalten werden.»

Sterben nun die Bäume ab?
«In der Regel reicht eine Trockenperiode nicht aus, damit die Bäume absterben», sagt Roman Zweifel von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). «Mit einigen Ausnahmen werden die Laubbäume nächstes Jahr wieder austreiben.» Das Resultat eines trockenen Frühjahrs und Sommers wie in diesem Jahr sei, dass weniger Holz im Jahrring des Stammes gebildet werde und sich das Kronenvolumen vermindere. Das Messstellen-Netz TreeNet zeige, dass das Wasserdefizit der Bäume deutlich gestiegen sei. «Eine solche Grössenordnung haben wir in den letzten acht Jahren, in denen wir das Netz betreiben, noch nie gesehen.» Viele Bäume zeigten nun markanten Trockenstress. «Dann versuchen sie, den Wasserverlust zu minimieren, und wachsen nicht mehr weiter. Hält die Trockenheit an, werfen sie zudem ihre Blätter frühzeitig ab», sagt er. Deswegen würden sie aber nicht absterben. «Dafür bräuchte es wiederholt solche Hitzeperioden.» Nach dem Hitzesommer 2003 seien zwar einige Fichten gestorben, dazu habe es aber noch einen weiteren Faktor gebraucht wie etwa den Borkenkäferbefall im Jahr darauf.

Was bedeutet die Hitze für die Bauern?
Vielen Bauern setzt die Hitze zu. Sie müssen ihre Felder bewässern. Mancherorts fehlt das Wasser dazu. Anders sieht es bei den Obstbauern aus: «Wir sind sehr zufrieden mit diesem Jahr», sagt Beatrice Rüttimann, Sprecherin des Schweizer Obstverbands. «Wir haben von allem reichlich und in guter Qualität.» Insbesondere die Kirschen, Brombeeren und sonstigen Beeren hätten eine sehr gute Ernte mit süssen Früchten zu verzeichnen. «Durch die Sonne konnten die Früchte mehr Zucker bilden», sagt Rüttimann. Im professionellen Obstanbau seien die Kulturen bewässert. Probleme könne es allenfalls bei nicht bewässerten Hochstamm-Kulturen geben. Dort könnten Früchte vielleicht nicht so gross werden oder runterfallen. «Auch bei diesen Früchten erwarten wir aber eine gute Ernte.»

Was bedeutet die Hitze für die Bienen? Kommt nun eine Wespenplage?
Es könne sein, dass es dieses Jahr etwas mehr Wespen gebe, sagt Martin Schwegler vom Imkerverband der deutschen und rätoromanischen Schweiz. «Weil es viel Obst gibt, hat es für die Wespen genügend Nahrung.» Mit einer grösseren Wespenplage rechne er aber nicht. Für die Bienen sei die Hitze kein Problem. «Die trockenen Böden führen aber dazu, dass die Pflanzen keinen Nektar geben und dass es im Wald nicht honigt. Die Sommertracht könnte dieses Jahr unterdurchschnittlich ausfallen», sagt Schwegler.

Haben die Gewitter die Trockenheit entschärft?
Nicola Möckli von Meteonews sagt, in den Kantonen St. Gallen und Thurgau habe sich die Lage dank den Gewittern kurzfristig entspannt. «Sie waren aber sehr lokal, in grossen Teilen der Schweiz fiel kein Regen.» Hinzu kommt: «Kurze, heftige Niederschläge fliessen oberflächlich ab. Für eine dauerhafte Besserung müsste es einen oder zwei Tage durchregnen.» Eine solche Wetterlage ist aber nicht in Sicht.

Wie lange geht die Hitze noch weiter?
Bis Mittwoch nächster Woche dürfte es im Flachland mittags nie unter 30 Grad Celsius werden, sagt Meteorologe Möckli. Danach sei eine leichte Abkühlung verbunden mit unbeständigem Wetter möglich. «Gewitter dürfte es bis dann im Flachland keine geben», sagt Möckli. «Wir haben ein stabilisierendes Hoch mit thermisch stabilen Luftmassen.» Die Luft sei in tiefen, aber auch hohen Lagen warm, was das Entstehen von Gewittern erschwere. Solche seien allenfalls in den Bergen möglich. Am Samstag könnte der Europarekord von bisher 47,4 Grad Celsius gebrochen werden. «Es kommen extrem warme Luftmassen direkt aus dem nordafrikanischen Raum nach Spanien und Portugal. Lokal könnte es dort Temperaturen zwischen 48 und 50 Grad Celsius geben.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Morgarten am 03.08.2018 06:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser schätzen lernen

    So lernt man schätzen was man hat, nicht was man nicht hat. Die Ressource Wasser und alles was darus hervorkommt, bekommt so wieder einen Stellenwert in unserer leidigen Wegwerfgesellschaft.

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  • Herbstfrau am 03.08.2018 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die andere Seite der Hitze

    und wenns die nächsten 1-2 Wochen nicht regnet,müssen viele Bauern ihre Tiere Notschlachten,weil das Gras nicht wachsen kann und viele Bauern Ihr Heu den Tieren zum fressen geben müssen......das Mais kann auch nicht wachsen........ das hat mit super tollem Sommer wie es in den Medien hochgejubelt wird nichts mehr zu tun und vielen setzt die Hitze zu....... Ich hoffe für die vielen Tiere,dass sie genügend zu fressen haben.....

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  • RoKi am 03.08.2018 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hitzewelle!

    Ja diese Hitzewelle ist schon eine Sache für sich. Darunter leiden etliche. Die Situation ist nun mal so. Man muss sich irgendwie arrangieren. Oftmals leicht gesagt als getan.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Iwy vom Berg am 08.08.2018 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Solidaritätsbeitrag

    Ohne das kostbare Nass erholen sich die Wiesen nicht mehr so rasch und ich verzichte nur ungerne auf Milchprodukte welche unsere Bauern ohne Zuschuss und den 5Räppler Solidaritätsbeitrag nicht mehr bereitstellen können. Ich plädiere dafür, woanders besser zu haushalten, es tut bestimmt niemandem weh.

  • Die lieber Gemüse ist statt golft am 06.08.2018 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Golfplätze?

    Ich frage mich, weshalb in diesen Zeiten der Wasserknappheit unbedingt noch die Golfplätze bewässert werden müssen? Ist es sinnvoller, wenn das Gemüse verdorrt, dafür ein paar wenige einem weissen Ball nachlaufen können?

  • Karin am 04.08.2018 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    I Love it

    Ich liebe der Sommer und geniesse Es sehr, leider muss ich arbeiten und schlimm ist es für die Natur aber sonst ist es Mega cool , viel trinken und geniessen

  • Lilica am 04.08.2018 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Sonnenschein

    Das ist der beste Sommer ever! Nur Frustrierte haben da zu meckern. Ich geniesse jeden Tag an meinem Pool, ein Glas Champagner in der Hand, glaubt mir das Leben kann schön sein! Für die Unzufriedenen.... esst ein Glacé. :-)

    • Soso am 04.08.2018 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lilica

      Mein Vorschlag: Jeder Einwohner hat eine gewisse Anzahl Liter Wasser zur Verfügung. Jede Person kann den eigenen Anteil selber einteilen zB um den Pool zu füllen, andere leben davon.

    • Leo am 04.08.2018 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lilica

      Es gibt auch Leute die arbeiten!

    • El Grillör am 04.08.2018 22:42 Report Diesen Beitrag melden

      Bin dabei

      Hat es noch Platz im Pool? Auch dem Champagner bin ich nicht abgeneigt. Und später können wir grillieren, die Bauern müssen ja notschlachten, weil die Fleischlieferanten kein Gras haben...so wie einige schreiben...so gibt es dann noch leckere Steaks

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  • denu am 04.08.2018 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    I love it

    Ich liebe die Sonne, geniesse jede Sekunde

    • Mary-Jane Green am 04.08.2018 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @denu

      Das geht mir genau so. Schön dass es noch andere gibt die es toll finden.

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