Analyse der Uni Zürich

22. Dezember 2017 12:30; Akt: 22.12.2017 14:24 Print

So einseitig berichtet SRF über No Billag

von P. Michel - SRG-Angebote thematisieren No Billag vergleichsweise wenig. Und wenn, kommen eher die Gegner zu Wort, wie eine Analyse der Uni Zürich zeigt.

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377 Medienbeiträge, die zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember zur No-Billag-Initiative erschienen sind, hat das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni Zürich in einer Analyse ausgewertet. Das Resultat des Berichts, der 20 Minuten vorliegt: In zwei Dritteln der untersuchten Medien überwiegt die Ablehnung der Initiative klar.

Besonders negativ berichten die SRG-Angebote über die Initiative, die ihre eigene Existenz infrage stellt. Die «Tagesschau» sendete im Zeitraum zwar nur zwei Beiträge, was im Vergleich zu anderen Medien wenig ist. Die Tonalität fiel laut der Analyse jedoch ausschliesslich negativ aus. Auch «10 vor 10» berichtete vergleichsweise wenig über die Vorlage. Auch dort kamen jedoch hauptsächlich die Gegner zu Wort, wie die Forscher in ihrem Bericht festhalten.

Berichterstattung zu No Billag fällt einseitig aus

Am meisten Aufmerksamkeit unter den berücksichtigten SRG-Angeboten schenkten No Billag die Plattformen Srf.ch sowie das Westschweizer Pendant Rts.ch. Beide publizierten je acht Artikel. Wie bei der «Tagesschau» und «10 vor 10» überwiegen in den Beiträgen die Negativ-Stimmen, Rts.ch kommt gar auf einen Tonalitätswert von -63. Diesen Wert errechnen die Forscher, indem sie positive, negative und kontroverse Beiträge zur Vorlage einander gegenüberstellten.

Diese Erkenntnisse dürfte die SRG-Kritiker in ihrer Sicht bestärken, die SRG nehme in ihrer Berichterstattung eine einseitige Position ein. «Es herrscht eine unglaubliche Nervosität bei der SRG, da ist es nicht erstaunlich, dass sie in ihrer eigenen Berichterstattung mit allen Mitteln versucht, ihre Pfründen und jene des gesamten linken Netzwerks etwa im Kulturbereich zu sichern», sagt SVP-Nationalrat Claudio Zanetti. Zwar gebe es SRG-Journalisten, die grundsätzlich sachlich berichteten. «Aber wenn es um den eigenen Job geht, ist es damit natürlich vorbei.»

Silvan Amberg, Co-Initiant der No-Billag-Initiative, doppelt nach: «Damit entlarvt sich die SRG selbst, da eines ihrer Hauptargumente für die Aufrechterhaltung der Gebühren immer war, dass man unabhängige und ausgewogene Berichterstattung biete.

SRF berichtete negativ, weil Mehrheit der Organisationen No Billag ablehnt

Kommunikationswissenschaftler Linards Udris am Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft führt die negative Berichterstattung von SRF zu No Billag dagegen darauf zurück, dass die Sendungen hauptsächlich die Positionen der verschiedenen Organisationen, Komitees und Parteien behandelten. «Es ist nun mal so, dass ein Grossteil der Organisationen die Initiative ablehnt.»

Erstaunlich findet er, dass bereits im frühen Stadium der Initiative die Medien das Thema derart intensiv behandeln. «Ich vermute, dass sich die SRG dadurch gezwungen sah, das Thema aufzugreifen.» Normalerweise berichte der Service public wie die anderen Medien ein halbes Jahr vor der Abstimmung noch kaum über eine Vorlage.

Die SRG kontert

Auf Anfrage betont SRG-Sprecher Edi Estermann, dass für alle Sender und Kanäle der SRG für die Berichterstattung zur No-Billag-Initiative die publizistischen Leitlinien gälten – wie bei jeder anderen Vorlage auch.

Bei der Analyse handle es sich um eine Momentaufnahme während eines definierten Zeitrahmens, so Estermann. «Redaktionell ist es üblich, dass in einzelnen Sendungen Schwerpunkte bei Gegnern oder Befürwortern der Initiative gesetzt werden.» So könne es vorkommen, dass in einer «Tagesschau» von SRF die Befürworter stärker zu Wort kämen, in einer nächsten Ausgabe sei es dann umgekehrt. «Deswegen auf eine einseitig-kritische Haltung eines Formates zu schliessen, wäre ein falscher Schluss.» Estermann verweist zudem auf einen «Tagesschau»-Beitrag, der zwar nicht im untersuchten Zeitraum ausgestrahlt wurde, bei dem aber drei Pro-Stimmen zu Wort gekommen seien.

Die Redaktionen beachten laut Estermann die verlangte Ausgewogenheit über den Zeitraum der gesamten Berichterstattung zu einer Vorlage, in dem sich die Pro- und Kontra-Beiträge die Waage halten müssen. In der «Arena» oder bei «10 vor 10» würde jeweils gar der Sprechanteil von Befürwortern und Gegnern gemessen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tito am 22.12.2017 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung für eigene Kündigung?

    Also ich kann die SRG verstehen: Wer will den schon "Werbung" für die eigene Kündigung machen?

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  • Billag-Ja am 22.12.2017 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Sein eigenes "Grab" schaufelt keiner gern. Wobei gesagt sein muss, dass es sich nicht um ein Grab sondern eher um einen Zaun handelt.

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  • Escobar am 22.12.2017 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    typisch SRG

    Ehrlich, hat jemand etwas anders von dieser Firma erwartet?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Netflix Killed The Radio & TV Gebühren S am 22.12.2017 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Billag - yes please!

    Schade ist die Abstimmung erst nächstes Jahr. Am liebsten schon heute weg mit den Billag Gebühren!!!

  • Zahler am 22.12.2017 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgewogenheit als Pflicht

    Auch wenn die SRG ein Eigeninteresse in dieser Sache hat - als Einrichtung, die von allen zwangsfinanziert wird, muss sie auch hier ausgewogen berichten. Aber das tat sie nie und wird sie auch nie tun.

  • Baslerbebbi am 22.12.2017 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Angst vor No-Bilag?

    Ich habe heute eine Weihnachtskarte von SRF erhalten und das zum allerersten Mal. Haben die so Angst vor No-Billag?

  • Helveticus am 22.12.2017 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Service Publi

    Die Billag-Gebühren haben zwar in den letzten 20 Jahren nicht zugenommen, wenn man aber die Zuwanderung in der gleichen Zeit berücksichtigt, nimmt die SRG massiv mehr Geld ein als noch vor 20 Jahren. Es ist naheliegend, wenn der CHF wie Manna vom Himmel fällt, dass sich die SRG grosszügig daran bedient. Unser Parlament hat es seit Jahrzehnten versäumt, den Service Public zu definieren. Man hat die SRG einfach machen lassen. Eine Abmagerungskur ist mehr als überfällig! Ich befürchte jedoch, dass bei einer Ablehnung der No-Billag Initiative alles beim alten bleibt.

  • Pablo Forester am 22.12.2017 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch......

    ....wer sägt den schon an einem Ast auf dem er sitzt?