«Positive Reaktionen»

25. Februar 2014 20:09; Akt: 26.02.2014 10:26 Print

So erlebten Schwule ihre RS

von Simon Hehli - Laut einer Studie ist die Schweizer Armee ziemlich homophob. Viele Schwule berichten jedoch von guten RS-Erfahrungen – nur «feminine Homos» hätten es schwer.

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Schweizer Infanteristen üben im Feld. Die Schweizer Armee ist laut einer Studie homophob – doch viele Schwule haben während des Dienstes keine Diskriminierungen wegen ihrer sexuellen Ausrichtung erlebt. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Wie schwulenfeindlich ist die Schweizer Armee? Bei dieser Frage gehen die Meinungen bei Schwulenvertretern weit auseinander. Der Verband Pink Cross und SP-Politiker Alan David Sangines sind sich einig: Homosexuelle Soldaten haben es schwer. Beat Steinmann, Präsident des Vereins Schwuler Offiziere, widerspricht: Die Schweiz nehme weltweit eine Vorreiterrolle ein, was die Rechte von Homosexuellen in der Armee betrifft. Doch wie erleben es die Betroffenen selbst? 20 Minuten hat sich bei schwulen Soldaten umgehört.

Umfrage
Sollen Schwule auf den Militär verzichten dürfen?
20 %
76 %
4 %
Insgesamt 9724 Teilnehmer

Frank Neumann* erzählt, einige Zugkollegen hätten sich am Anfang der Rekrutenschule durch seine Homosexualität bedrängt gefühlt. «Aber nachdem ich sie persönlich darauf angesprochen habe, war es für sie kein Problem mehr.» Auch in der Unteroffiziersschule und bei einem Kosovo-Einsatz als Feldweibel habe er keine negativen Erfahrungen gemacht. Sprüche und Witze gegen Homosexuelle gebe es in allen Bereichen der Gesellschaft. «Doch das sind meistens unüberlegte Aussagen von Leuten, die gar nicht wissen, wovon sie reden.»

Zuerst Respekt – dann outen

Markus Meier* outete sich erst in der zwölften RS-Woche der ABC-Schutztruppe gegenüber seinen Kameraden – was sich als gute Strategie erwiesen hat: «Die anderen wussten da schon, dass ich genauso viel leisten kann wie sie. Und sie haben mich dementsprechend weiterhin respektiert.» Das sei besser, als bei der Vorstellung zu sagen: «Hallo, ich heisse Markus und bin schwul.»

Meier findet, Homosexuelle könnten sich zur Not auch mal 18 Wochen verstellen. «Unsere Sexualität leben wir nur ein paar Stunden pro Woche aus – den Rest der Zeit interessiert das eh niemanden.» Wer hingegen zu seiner Homosexualität stehe, dem helfe eine gewisse Selbstironie, so Meier. «Ich mache selbst auch Sprüche über Schwule, das entschärft das Tabu.»

«Marsch, Sport, Essen: Alles schwul»

Meier ist überzeugt, dass es Schwule in gewissen Truppengattungen, die sich besonders männlich geben, schwerer haben – etwa bei den Grenadieren. Ähnlich sieht das Pierre Haldimann*. «Bei den Panzertruppen wäre es mühsamer gewesen.» Haldimann hingegen war Koch. Und musste während 21 Wochen RS, die er im letzten halben Jahr absolvierte, keine einzige negative Bemerkung über sich ergehen lassen. «Ich habe mich bei meinen Gruppenkameraden geoutet – und alle haben darauf positiv reagiert.»

Jean-Claude Carreira engagiert sich bei der Jungen SVP und machte die Rekrutenschule als Übermittler. Seine sexuelle Ausrichtung hängte er während der RS nie an die grosse Glocke, doch wegen eines Artikels über seine kritische Haltung zur Gay Pride wusste am Schluss die ganze Einheit davon. «Ich wurde nie schwulenfeindlich angegangen», berichtet Carreira. Er regt sich vielmehr darüber auf, dass Personen, die gar nie Militärdienst geleistet hätten, beurteilen wollten, wie homophob die Armee ist. «Da sind einige ganz weit weg von der Realität.»

«Schwulenfeindliche Sprüche gibts überall»

Carreira betont, dass «feminine Schwule» sich dumme Sprüche anhören müssten – und deshalb für die Armee genauso ungeeignet seien wie zum Beispiel Fettleibige. Das ist für ihn aber nicht diskriminierend: «Die Übergewichtigen regen sich ja auch nicht auf, wenn sie nicht ins Militär dürfen.» Viele Schwule würden ihre Homosexualität gerade als Mittel benutzen, um vom Militärdienst wegzukommen, sagt der JSVP-Mann.

Marco da Costa* hat auf dieses Mittel verzichtet – und seine RS-Zeit als unausstehlich erlebt. Nicht wegen der Vorgesetzten, die seien super-kulant gewesen. Sondern wegen der Mitrekruten. «Sie sind dermassen homophob, dass sie alles, aber wirklich alles, als schwul bezeichnen: Der Marsch ist schwul, der Sport ist schwul, ja sogar das Essen ist schwul.» Offenbar hätten alle ein so grosses Problem mit ihrer eigenen Sexualität und ihrem Körper, dass sie alles als «schwul bezeichnen, was nicht in ihr Schema passt».

* Namen der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fachoffizier am 25.02.2014 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Versucht CH Armee zu diskreditieren?

    Also ich kümmere mich generell nicht darum wie die Sexuelle Orientierung von jemandem ist (ausser wenn ich Sex möchte) es war mir im Militär egal , es ist mir bei der arbeit egal, usw. Nicht ob Hetero oder Homo ist wichtig, sondern auf den Charakter kommt es an. Im Militär hab ich nie erlebt das da irgendwelche Schwulenfeindlichkeiten währen. Gerade in der Milzarmee derSchweiz wieederspiegelt sich die in diesem Thema recht aufgeschlossene Bevölkerung wieder. Ich werde eher deen Verdacht nicht los das hier wieder versucht wurde unsere Armee schlecht zu reden (grenzt schon an Verleumdung).

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  • Studienleiter am 25.02.2014 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Und wieder einmal mehr kam ein solcher

    Artikel wegen "Experten einer ausländische Studie" zustande. Irgend welche selbst ernannten Experten habe irgend etwas untersucht und generierten irgend eine Rangliste auf der die Schweiz auf Rang "x" steht. Ich bin auch Experte und habe auch eine Studie über Studien gemacht und komme zum Schluss, dass ich nur den Studien Glauben schenke, die ich eigenhändige manipuliert und gefälscht habe.

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  • Dame am 25.02.2014 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    An den Herrn Marco da Costa

    Nur weil man etwas als "schwul" bezeichnet, ist es noch lange nicht homophob. Genauso wenig, wie wenn ich sage, dass etwas "dämlich" ist. Dann bin ich noch lange nicht sexistisch oder frauenfeindlich! Das ist ein wichtiger Unterschied, den viele nicht verstehen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Soldat am 26.02.2014 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Vor fast 30 Jahren

    So lange ist es her das ich meine RS gemacht habe. Ja ich war bei einer Truppe welche als Männer galten oder gelten. Wir hatten auch Schwule in unserem Zug und in der Kp. Einer gab sich sehr weiblich, das störte aber niemanden wirklich. Was störte war das er unbedingt weiter machen wollte ohne die Nötigen Qualifikationen zu haben. Das heisst, Sportlich war er eine Flasche, Taktisch unbrauchbar, Waffen und Schiessen mein Gott nicht mit anzusehen. Doch er war einer der weiter machen wollte und am Schluss auch genommen wurde weil es zu wenige hatte.

  • Rekrut sowiso am 26.02.2014 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Egal..

    Viel eher sollte darüber diskutiert werden ob die Armee wirklich nötig ist? Ist doch völlig egal ob die Schwul sind oder nicht(Solang sie keine Andeutungen machen). Ich kann euch sagen das interessiert da kein Schwein, es sind alle froh wenn die Zeitverschwendung endlich vorbei ist. Ich habe ein paar tolle Menschen kennengelernt, aber dass war's auch schon.

  • Jean Perr am 26.02.2014 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    MAL EHRLICH

    Solange Schwule sich benehmen wäre mir das egal. Aber ich will nicht mit Schwulen gleichzeitig die Dusche teilen und schon gar nicht miterleben wie sie Sex im gemeinsamen Schlafsaal haben. Irgendwo gibt es einfach Grenzen die nicht überschritten werden dürfen.

    • Toby am 26.02.2014 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Bedenklich

      Ihr Kommentar ist ein Armutszeugnis! Ich habe noch nie einen Schwulen getroffen, der sich anders benommen hat als ein Heterosexueller. Und was soll der Bloedsinn mit "Sex im Schlafsaal"? Wenn es Heterosexuelle machen wuerden, dann ist es also in Ordnung. Sorry, aber Ihr geistiger Horizont ist nicht mal beschraenkt, sondern gar nicht vorhanden.

    • adiol am 26.02.2014 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      Adam und Eva

      Da hast du völlig recht!!

    • Tommy am 26.02.2014 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      Was hast du für Vorstellungen?

      Was heisst für dich "sich benehmen"? Ist ja egal wenn ein Schwuler mitduscht, solange er nicht plötzlich versucht mich einzuseifen ;) was er sicher nicht machen würde. Wenn er einen Ständer kriegt wäre das vielleicht etwas komisch, aber passiert ja wohl auch nicht (wobei ich mir kaum vorstellen könnte mit 10 jungen Frauen zu duschen, ohne einen zu kriegen^^). Und wie kommst du auf Sex im Schlafsaal? 1) Bräuchte es dafür 2 Schwule die beide Single und sehr hemmungslos sind und sich auch noch attraktiv finden und 2) verzichten die Heteros ja auch darauf sich im Zimmer einen runter zu holen.

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  • Hans Tormer am 25.02.2014 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Vorurteile abbauen

    2001 hatten wir in der RS einen Schwulen im Zug, der sich bereits in der ersten Woche vor versammelter Truppe geoutet hat. Wir waren am Anfang ziemlich irritiert und verunsichert - doofe Witze blieben nicht aus - aber bald war das Thema Homosexualität kein Problem mehr für uns, und alle akzeptierten und respektierten ihn. Ich kann nur jedem/r Homosexuellen Soldaten/Soldatin raten, sich zu outen und das Thema offen anzugehen. Man lernt nicht viel in der RS, aber wenn ich etwas dort gelernt hatte, dann war es Vorurteile abzubauen

  • Fachoffizier am 25.02.2014 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Versucht CH Armee zu diskreditieren?

    Also ich kümmere mich generell nicht darum wie die Sexuelle Orientierung von jemandem ist (ausser wenn ich Sex möchte) es war mir im Militär egal , es ist mir bei der arbeit egal, usw. Nicht ob Hetero oder Homo ist wichtig, sondern auf den Charakter kommt es an. Im Militär hab ich nie erlebt das da irgendwelche Schwulenfeindlichkeiten währen. Gerade in der Milzarmee derSchweiz wieederspiegelt sich die in diesem Thema recht aufgeschlossene Bevölkerung wieder. Ich werde eher deen Verdacht nicht los das hier wieder versucht wurde unsere Armee schlecht zu reden (grenzt schon an Verleumdung).

    • Beat am 26.02.2014 15:20 Report Diesen Beitrag melden

      danke für den witz!

      die ch-armee diskreditieren, danke für den lacher! das ist absolut nicht nötig denn die armee tut dies schon von alleine, siehe unsere bürozeiten luftwaffe!

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