Zu wenige Hallenbäder

02. September 2019 10:48; Akt: 02.09.2019 10:48 Print

So funktioniert Schwimm-Unterricht im Lastwagen

von N. Knüsel - Zwei Walliser Gemeinden testeten einen Lastwagen mit Pool, wo Schwimmunterricht gegeben werden kann. Er wurde ursprünglich für Krisenregionen entwickelt.

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Es gibt zu wenige Hallenbäder in der Schweiz. Viele Schulen suchen daher nach Alternativen für ihren Schwimmunterricht, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. So testeten im Wallis zwei Gemeinden einen Lastwagen mit Pool, der von Schule zu Schule fährt. Entwickelt wurde das «centre aquatique mobile» von Jean-Francois Buisson. Der erste Prototyp wurde 2017 fertiggestellt, dieser war nun auch im Wallis im Test.

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«Ursprünglich ist das Projekt für Krisenregionen entwickelt worden, insbesondere für die Ausbildung von Rettungskräften bei Überschwemmungen», so Buisson zu 20 Minuten. Nach Gesprächen mit der EPFL in Lausanne habe man beschlossen, mit der Entwicklung der fahrenden Badi für die Schweiz zu beginnen: «Wir wussten, dass 35 Prozent der Kinder in der Schule nicht schwimmen lernen.»

Westschweizer Gemeinden interessiert

Das Becken im Innern des Lastwagens ist rund 17 Quadratmeter gross. «Je nach den Bedürfnissen seiner Schüler kann der Lehrer die Tiefe des Beckens verstellen», sagt der Entwickler. Maximal möglich seien 120 Zentimeter. Die rollende Badi sei für «maximale pädagogische Effizienz» entwickelt worden, so Buisson. Daher sollten nie mehr als sechs bis acht Schüler gleichzeitig betreut werden, auch wenn je nach Altersstufe nach seinen Angaben bis zu zehn möglich wären. Der Lastwagen soll mindestens drei Wochen am selben Ort bleiben. Bevor er an eine neue Schule fährt, werde der Pool geleert, geputzt und vor Ort wieder befüllt, sagt Entwickler Buisson.

Der Lastwagen bietet laut der Firmen-Website viele Vorteile: So seien die Betriebskosten tief, er erreiche auch abgelegene Regionen und brauche nicht viel Platz. Zudem könnten sich mehrere Gemeinden die Anschaffungskosten teilen. «Die Tests im Wallis waren ein voller Erfolg», so Buisson. Er habe viel positives Feedback erhalten.

Derzeit interessiere sich die französische Regierung für das Konzept, erklärt er. «Und auch in der Westschweiz zeigen mehrere Gruppen von Gemeinden Interesse. Aber hier dauert alles viel länger.» Aus der Deutschschweiz habe er bisher noch keine Anfragen, so Buisson: «Aber ich stehe zur Verfügung.»

«Nur für Anfänger geeignet»

Für Max Frei, Präsident des Schweizerischen Schwimmlehrerverbands, ist schwer zu beurteilen, wie viel der Lastwagen wirklich bringt: «Man ist auf 17 Quadratmetern sehr eingeschränkt.» Für einen qualitativ guten Schwimmunterricht müssten mindestens 4 Quadratmeter pro Person zur Verfügung stehen, und das sei schon sehr wenig. «Für grössere Klassen ist die Nutzung dieses Lastwagens also unmöglich», so Frei. Aber: «Für Bergdörfer mit kleinen Schulklassen und fehlender Infrastruktur kann er ein Gewinn sein.»

Das System sei aber sowieso nur für Anfänger geeignet, so der Schwimmlehrer. Die Basics könne man man in einem so kleinen Pool zwar lernen, sagt er: «Doch sobald es um fortgeschrittenen Unterricht geht, reicht die Kapazität nicht mehr aus.»

Unterricht im See wäre für SLRG sinnvoll

«Wir unterstützen alles, was den Schwimmunterricht fördert», sagt Reto Abächerli, Geschäftsführer der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). «Daher haben wir gegen das Projekt grundsätzlich nichts einzuwenden.»

Das sei aber sicherlich nicht der einzige Weg, so Abächerli: «Die meisten Badeunfälle passieren in offenen Gewässern. In geeignetem Setting wäre Unterricht dort wohl sinnvoller.» Viele Gemeinden in der Schweiz hätten Seezugang, sagt er: «Zumal man ja für ins Schwimmbad auch einen gewissen Weg auf sich nimmt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pläuschli am 02.09.2019 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee

    SUPER Idee. Die Kinder haben sicher den Plausch. Wer kann schon in einem Lastwagen schwimmen. :-)

    einklappen einklappen
  • Omalia am 02.09.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig Hallenbäder?

    Oder zu viele Menschen? Was mehr Menschen auch mehr Infrastuktur benötigen ist doch logisch gewesen. Schon bald verwandelt sich die Schweiz in eine einzige Grossstadt! Batteriehuhn-Feeling wird offenbar angestrebt von gewissen Menschen! Grüne Landschaften werden in Beton-Blöcke umgewandelt! Der Mensch richtet das Gleiche an, wie das Heuschrecken auch tun, wenn es viele von ihnen gibt! Tja!

  • Nicht schweizer Standard am 02.09.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Mumpitz

    Baut gefälligst Schwimmbäder! Und dann will ich endlich klare Daten haben, wieviele Kinder sind im Land und warum soll unsere AHV nicht sicher sein, wenn wir plötzlich so viele Kinder haben, dass die Schwimmbäder nicht mehr reichen?!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Aidan.T am 02.09.2019 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Für was Zahle ich Steuer. Sorry nicht mein ding. Der Staat bezieht genug Geld und für so was verbraucht man Benzin und umbaukosten...

  • mark am 02.09.2019 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh

    ich bin erstaunt dass es immer noch viele nichtschwimmer gibt.

  • Herr Max Bünzli der Echte am 02.09.2019 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Herbstloch

    jetzt wird noch über Schwimm-Unterricht im Lastwagen lumpige Schulmeistere betrieben !?

  • Agnes Browne am 02.09.2019 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis

    Bei uns gibt es ein Hallenbad in 10 Km Entfernung. Bis anhin wurden die Kinder alle zwei Wochen mit dem Car hingefallen - seit über 30 Jahren. Das wurde letztes Jahr aus Kostengründen gestrichen. In der reichen Schweiz....

  • Findnicht am 02.09.2019 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal was Anderes

    Ich finde die Idee gut. Hauptsache, die Kinder lernen schwimmen.