Schweizer Dschihadist

06. März 2015 05:57; Akt: 06.03.2015 13:04 Print

So gefährlich ist die Koran-Aktion «Lies!»

von Pascal Michel - Wie der Thurgauer A.A.* verteilten viele Syrien-Dschihadisten Korane für die Aktion «Lies!». Politiker fordern ein Verbot der Organisation.

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Bevor der Thurgauer Logistikfachmann A.A.* in den «Heiligen Krieg» nach Syrien zog, verteilte er für die Stiftung «Lies! – die wahre Religion» Korane in Schweizer Städten. Er ist damit nicht allein. Gemäss einer Studie des deutschen Verfassungsschutzes und des Bundeskriminalamtes war jeder fünfte der 378 deutschen Dschihad-Reisenden am «Lies!»-Projekt beteiligt.

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Auch der Wuppertaler Ahmet C., wie A.A. türkischer Abstammung, verteilte Korane, bevor er sich der Terrormiliz Islamischen Staat (IS) anschloss. Letzten Juli sprengte er sich mit einer Autobombe in die Luft und riss 54 Menschen mit in den Tod. Für den deutschen Islamismus-Experten Jan Buschbom ist die Verbindung zu «Lies!» kein Zufall. «Diese Aktionen sind ein wichtiger Bestandteil salafistischer Propaganda», sagte er zur «Welt».

«Freundliche Bärtige in Jeans und T-Shirt»

Gemässigte Muslime sind alarmiert. Die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Saïda Keller-Messahli, hält die Organisation für «sehr gefährlich». Die Koran-Verteiler präsentierten sich als Pop-Islamisten und als harmlose, freundliche Bärtige in Jeans und T-Shirt. «Jedoch predigen sie eine von ihnen idealisierte Form des Islams der Frühzeit, als Voraussetzung für den von ihnen erstrebten Gottesstaat», sagt Keller-Messahli. Diese Ideologie lege den Boden für den Dschihadismus.

Sie sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Verteil-Aktionen und der Radikalisierung: «Die Militanz der Salafisten an Ständen, auf Internetseiten und als Prediger in Moscheen ist die Hauptursache dafür, dass Dutzende Schweizer in Syrien und im Irak für terroristische Gruppen kämpfen.»

Gegründet wurde «Lies!» vom deutschen Salafisten Ibrahim Abou-Nagie, der mit dem umstrittenen Prediger Pierre Vogel verbandelt ist. Ziel der Aktion ist es, dass «jedem Haushalt in Deutschland ein kostenfreies Exemplar des Korans zur Verfügung gestellt wird». Auf mehrmalige Anfrage reagierte «Lies!»-Chef Abou-Nagie nicht – stattdessen veröffentlichte der Verein die Fragen von 20 Minuten auf Facebook. Die Organisation hatte auch für den Mittwoch Koranverteilungen in Zürich, Bern und Aarau angekündigt. Der nächste Info-Stand ist für nächsten Samstag um 9.00 Uhr auf der Pestalozzi-Wiese in Zürich geplant.

Reimann will «Lies!» verbieten

Rechte Politiker fordern nun ein Verbot des Vereins. «Gegen solche Organisationen muss man vorgehen, beispielsweise indem man ihnen die Bewilligung für solche Stände entzieht», sagt SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Man solle die Fälle sammeln, in denen über diese Organisation Personen für den Dschihad rekrutiert würden. «So hätte man auch rechtlich eine Handhabe gegen sie. Wichtig ist, dass die Schweiz nicht zur Drehscheibe für terroristische Aktionen wird.»

Extremismusexperte Samuel Althof widerspricht: «Ein Verbot von Koran-Verteilaktionen ist verfehlt, da es am Grundrecht der Religionsfreiheit ritzt.» Auch aus Präventionsperspektive mache ein Verbot keinen Sinn, da der Prozess der Radikalisierung bereits viel früher beginne. «Oft sind die Gründe für die Radikalisierung in der Familiengeschichte oder in einer sehr starken persönlichen Verunsicherung zu suchen.»

Auch der Nachrichtendienst des Bundes hält fest, «dass Koranverteilungen keine Bedrohung der inneren oder äusseren Sicherheit darstellen». Solange keine konkreten Gewaltbezüge feststellbar seien, bearbeite der NDB deshalb Koranverteilungen nicht.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hil Billi am 06.03.2015 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    ALLES VERBIETEN.....

    Es ist Zeit das die Verteilung des Korans auf der Strasse und im öffentlichen Raum verboten wird. Aber auch die Bibel-Verteiler sollen von der Strasse verschwinden. Wenn jemand glauben will, sucht er schon die passenden Orte auf, ohne das man auf der Strasse belästigt wird.

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  • Badischer Wein am 06.03.2015 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizweit

    Von wegen Thurgauer.Das ist dieser Typ nie und wird es auch nie sein.

  • Schnabias1 am 06.03.2015 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird Zeit

    Die zuständigen Behörden sind schon lange gefordert. Es geht einfach nicht an, das sich inkompatible Ideen immer noch weiter verbreiten und integrationswillige Migranten durch Extremisten bedroht und ausgegrenzt werden (siehe Imam von Bern). Die meisten Zuzüger wollen und können sich integrieren und werden diskriminiert wegen ein paar solcher Wirrköpfe. Also, es ist bereits 5 nach 12, jetzt MUSS gehandelt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Mathys am 07.03.2015 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Religion im eigenen Kreis ausüben

    Öffenllich zu missionieren, für welchen Glauben auch immer, ist zu unterlassen, muss kritisiert werden. Ein Verbot geht aber zu weit.

  • Lassie am 06.03.2015 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschichte

    Die Geschichte lehrt uns, dass die Menschheit nichts aus der Geschichte lernt (Mahatma Gandi).

  • Petty am 06.03.2015 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder hat die Wahl

    Was für ein Aufstand!! Jeder hat die Wahl, ein solches Buch entgegen zu nehmen. Lasst die Bücher bei den Verteilern und dann löst sich das Problem von selber. Man muss ja nicht auf jeden Zug aufspringem!!!

  • Tron / T-Rex am 06.03.2015 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Möchte gerne einen Koran

    Solange es freiwilig wie in Cham ihn zu lesen. Habe ich nichts gegen, Eine verbreitung der Bibel des Islams. Sollte es aber pflicht werden, Solche bücher zu lesen. Ist es meiner ansicht nach bereit Solchem treiben einhalt zu geben. Lasst euch nicht verrarschen. Aller anfang ist schwer Mogelpackungen lesen ist schwer

  • Peter am 06.03.2015 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lesen

    Ich würde gerne so ein Buch lesen, nur um genauer zu verstehen und mit diskutieren zu können.

    • Susi Sorglos am 06.03.2015 20:44 Report Diesen Beitrag melden

      Und?

      Wer oder was hindert dich daran? Den Koran gibt's, analog zu Bibel, Tora, Talmud, Veda usw. auch in elektronischen Formaten gratis zum Download. Aber mal ehrlich: erhoff dir nicht zuviel davon.

    • Neutral am 07.03.2015 04:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Neutral

      Ich auch aber den richtigen Koran und nicht hundermal überschrieben! Übrigens die Bibel ist älter.

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