Gekaufte Arbeiten

09. Januar 2016 10:38; Akt: 11.01.2016 08:36 Print

So gehen die Unis gegen Ghostwriting vor

Jagd auf schreibende Geister: Die Universität Bern hat Strafanzeige gegen eine Agentur eingereicht. Nicht jede Hochschule sieht jedoch Handlungsbedarf.

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Uni-Abschluss eine Frage des Geldes? Studenten lesen Zeitung in der Bibliothek des Hochschulzentrums vonRoll. (November 2013) (Bild: Keystone)

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Nach der Universität St. Gallen geht auch die Universität Bern gegen Ghostwriting vor: Sie hat Strafanzeige gegen die Agentur «Acad Write» eingereicht und hofft, damit die Praxis unterbinden zu können.

Laut Christoph Pappa, dem Generalsekretär der Universität Bern, ist es enorm schwierig, eine vorliegende Arbeit als gekauft zu identifizieren. Manchmal hege ein Dozent den Verdacht, dass ein Studierender ein Papier nicht selber geschrieben habe. «Beweisen lässt sich so etwas im Gegensatz zu Plagiaten aber nur sehr schwer», sagte Pappa auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Mit der Anklage gegen den kommerziellen Anbieter versuchen wir auf einer anderen Ebene gegen das Ghostwriting vorzugehen.»

Verstoss gegen Berufsethik

Andere Deutschschweizer Universitäten ziehen bei der Einleitung rechtlicher Schritte nicht nach. Dass die angehenden Wissenschaftler diesen verbotenen Dienst in Anspruch nehmen, überrascht Lukas Portmann, Sprecher der Uni Luzern, aber. «Schliesslich verstossen sie damit gegen ihre spätere Berufsethik.» Rechtliche Schritte würden jedoch ohne Verdacht nicht eingeleitet. Allerdings intensiviere die Universität die Information über die möglichen Sanktionen. «Die sind nämlich drastisch.»

Die Universität Basel stützt sich weiterhin auf die bestehenden Reglemente und Weisungen. «Die Mehrheit unserer Studiendekane schätzt das Vorkommnis von Ghostwriting ohnehin als gering ein», beantwortete Matthias Geering von der Medienstelle der Universität Basel die Anfrage der sda.

ETH schliesst Ghostwriting aus

Fast gänzlich ausschliessen kann die Eidgenössisch Technische Hochschule (ETH) in Zürich das Kaufen von Arbeiten: «Bei uns sind wissenschaftliche Arbeiten in der Regel mit Laborversuchen verbunden. Da kann man nicht einfach einen Fremdautoren engagieren», sagte Franziska Schmid von der Medienstelle. Die mündliche Präsentation von solchen Arbeiten sei zudem ein gutes und an der ETH weit verbreitetes Mittel, um Fälle von Ghostwriting zu vermeiden oder allenfalls aufzudecken.

An der Universität Zürich wird zunächst das Resultat der eingereichten Strafanzeigen abgewartet, ehe über weitere Schritte diskutiert wird. Laut Beat Müller, dem Mediensprecher der Universität Zürich, setzt die Hochschule auf Prävention: «Wir sensibilisieren die Studierenden bereits früh in ihrem Studium, was korrektes wissenschaftliches Arbeiten bedeutet.»

Auch in der Romandie setzen die Universitäten in Genf, Lausanne, Freiburg und Neuenburg vorerst auf Prävention und altbewährte Massnahmen.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • alfmir am 09.01.2016 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    zweifelhaft....

    Bei immer mehr, vor allem bei Politikern, muss man sich ernsthaft fragen, ob sie einen Abschluss wirklich selbst schafften..!!

  • Franziskus am 09.01.2016 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Straftatbestand???

    Also mich würde noch interessieren wie genau die Uni gegen diese Unternehemen strafrechtlich vorgehen will?! Die scheinen jemandem in Auftragsverhältnis eine Arbeit zu schreiben...was derjenige dann damit vor hat, muss die Ghostwriter ja nicht mehr kümmern.

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  • Nemo21 am 09.01.2016 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurd sich selbst so zu bescheissen... 

    Für diese Summe Geld mach ich lieber einen tollen Auslandaufenthalt oder Ferien.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • beatus am 09.01.2016 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverhältnismässig

    Und wenn Freund und Freundin Nachhilfelehrer, Professor usw. hilft? Jede der hilft sollte auch verklagt werden!!!! Oder geht es nur um Geld wenn die Hilfe bezahlt ist?

  • Peter am 09.01.2016 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prüfung

    Mann könnte ja einfach prüfen, wie vertieft das Wissen über das "eigene" Werk ist! Im Vergleich mit früheren Arbeiten, würde auch der Schreibstil auffallen...

  • alfmir am 09.01.2016 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    zweifelhaft....

    Bei immer mehr, vor allem bei Politikern, muss man sich ernsthaft fragen, ob sie einen Abschluss wirklich selbst schafften..!!

  • petra am 09.01.2016 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Handlungsbedarf?

    Sorry, bei allem HSG Bashing kann es nicht sein, dass die ETH bis heute nichtmal jede Arbeit auf Plagiate scannt... Wo bleibt da der Aufschrei?

  • Franziskus am 09.01.2016 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Straftatbestand???

    Also mich würde noch interessieren wie genau die Uni gegen diese Unternehemen strafrechtlich vorgehen will?! Die scheinen jemandem in Auftragsverhältnis eine Arbeit zu schreiben...was derjenige dann damit vor hat, muss die Ghostwriter ja nicht mehr kümmern.

    • roke01 am 09.01.2016 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franziskus

      es ist genau genommen betrug und dokumentenfälschung

    • Franziskus am 09.01.2016 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @roke01

      ja genau der Studenten aber eben nicht der Ghostwriter...

    • Franziskus am 09.01.2016 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @roke01

      ja genau der Studenten aber nicht der Ghostwriter, die sich dagegen abgesichert sind...

    • Dösel am 10.01.2016 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franziskus

      Beihilfe zu Straftaten ist in der CH nicht erlaubt. Da eine wissenschaftliche Arbeit auch nicht mit einem Guetzli Rezept verwechselt werden kann, wird der Writer die kriminelle Absicht seines Kunden nicht übersehen können.

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