Besuch in St. Petersburg

18. Dezember 2013 10:20; Akt: 18.12.2013 10:42 Print

So geht es Aktivist Marco Weber in Russland

Greenpeace-Aktivist Marco Weber ist seit bald einem Monat auf freiem Fuss, darf aber Russland nicht verlassen. Im ersten TV-Interview erzählt er, wie er in St. Petersburg lebt.

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Nach über zwei Monaten hinter Gittern wurde Greenpeace-Aktivist Marco Weber am 20. November gegen Kaution freigelassen. Aus Russland ausreisen darf er jedoch nicht – er hält sich seither in St. Petersburg auf. Dort hat ihn die SRF-Sendung «Rundschau» besucht. Heute Abend wird das Interview ausgestrahlt.

In der Stadt darf Weber sich frei bewegen, wie er sagt. Gemeinsam mit anderen freigelassenen Aktivisten lebt er in einem Hotel. Seine Tage verbringt er mit Spaziergängen, zudem war er schon im Museum und konnte in einer Indoor-Kletterhalle seiner Leidenschaft, dem Klettern, nachgehen. Doch die Tage sind lang: «Es ist immer noch ein Stück weit ein Freiheitsentzug», sagt Weber im «Rundschau»-Interview. «Dieses Warten ist schwierig, diese Ungewissheit.» Es falle ihm schwer, ruhig zu sitzen, keine Aufgabe zu haben: «Das macht mich ein wenig «uliidig», aber wütend bin ich nicht.»

Besuch von Freundin und Familie

Gefreut hat sich Weber, als ihn seine Freundin, seine Mutter und sein Bruder in St. Petersburg besuchten. Wie lange er dort noch ausharren muss, ist noch völlig offen. Zwar würde Weber am liebsten wieder nach Hause gehen und endlich mal wieder arbeiten. Doch für ihn ist auch klar, dass er sich dem Prozess stellen wird: «Ich habe gewaltfrei gehandelt, es war ein friedlicher Protest, wir haben auch keine Sachbeschädigungen begangen.»
Zu den jüngsten Gerüchten, die Greenpeace-Aktivisten könnten begnadigt werden, sagt er: «Mir ist es wichtig, dass ich mich nicht schuldig bekennen muss, wenn ich begnadigt würde.»

Dass er an der Protestaktion gegen die Ausbeutung der Arktis teilgenommen hat, bereut Weber nicht. «Es ist ein Grundrecht, dass man seine Meinung äussern kann.» Für ihn sei dies kein Abenteuer-Urlaub gewesen: «Mir geht es nicht darum, Ablenkung oder Action zu haben. Mir geht es um die Zukunft.» Dass er in Russland inhaftiert werden könnte, sei ihm bewusst gewesen. Aber: «Es war von mir aus nicht zu erwarten, dass so heftig reagiert wird.» Noch immer droht Weber eine Maximalstrafe von sieben Jahren Haft.

«Seine Leidenschaft gilt der Natur»

«Rundschau»-Moderator Sandro Brotz, der letzte Woche für das Interview nach St. Petersburg gereist ist, hat Weber als einen Menschen mit «tiefen Überzeugungen» erlebt. «Er ist ein schüchterner Mensch, der auf mich sehr authentisch wirkte. Seine Welt ist die Natur, deshalb setzt er sich für sie ein.»

Rundschau, SRF 1, Mittwoch, 20.50 Uhr.

(lüs)