Ferien im Tierelend

11. August 2018 21:38; Akt: 11.08.2018 22:41 Print

Das können Touristen für leidende Tiere tun

von B. Zanni - Soll man Streuner füttern und den Hasen im viel zu kleinen Käfig kaufen? Die wichtigsten Antworten für Touristen mit einem Herz für Tiere.

Bildstrecke im Grossformat »
Hunde, die in Schaufenstern angepriesen werden, stossen bei Schweizer Touristen auf Widerstand. «Fast ununterbrochen melden sich bei uns verzweifelte Touristen, die in ihren Ferien auf ein Tierelend gestossen sind und Rat suchen», berichtet Netap-Präsidentin Esther Geisser. Auffallen würde das Tierelend besonders in Griechenland, Portugal, Italien und Spanien. Eine Touristin beobachtete auf Menorca verhungernde Emus in einer dreckigen Poolgrube. Einige Touristen melden sich aber auch, weil sie Hunde ... ... Hasen ... ... oder Wellensittiche in kleinen Käfigen auf Märkten gesehen haben. In Thailand schrecken die Verkäufer auch nicht davor zurück, ... ... die Tiere in Kleidchen zu stecken. In Thailand schockieren Fische, die in Gläsern gehalten werden. Oft fallen Touristen leidende Esel auf. Ein Husky ... ... und Welpen werden in Thailand in viel zu kleinen Käfigen angepriesen. Damit Kühe nicht flüchten können, werden ihnen im Oman manchmal die Vorderläufe zusammengebunden. Manche Touristen können ihre Ferien wegen des Tierleids überhaupt nicht mehr geniessen. Netap rät den Touristen, die Fälle direkt bei der lokalen Tierschutzorganisation zu melden. Touristen suchten bei Netap oft wegen streunender Tiere in jämmerlichem Zustand Hilfe. Posieren mit Tieren, wie einem Wellensittich, ist an manchen Orten eine Touristenattraktion. Einer Touristin bereiten Katzen vor einem Hoteleingang auf Mallorca Sorgen. «Ich bin gestern aus den Ferien auf Mallorca zurückgekehrt. Falls ihr dort in der Nähe jemanden habt und ihr sie findet, könnt ihr die Katzen vielleicht überprüfen», schreibt sie Netap. Am häufigsten sorgen sich die reisenden Tierfreunde laut Geisser um Katzen und Hunde. «Mallorca ist die Katzenhölle Nummer eins», sagt Esther Geisser. Magere Kutschenpferde in Rom. Auch dieses Pferd macht einen gequälten Eindruck. Der Hund Asi wurde von einer Touristin in miserablem Zustand in Manila entdeckt und dort mit Hilfe der örtlichen Tierschutzorganisation Philippine Animal Welfare Society (PAWS) medizinisch versorgt. Im Refugium bei den Ruinen des Largo di Torre Argentina in Rom ... ... haben rund 160 Katzen ein Zuhause gefunden. Die kastrierten Katzen werden von Tierschützern betreut und gefüttert. Für Netap ist das Refugium eine Erfolgsgeschichte. Die kupierte Ohrspitze ist ein internationales Zeichen für Kastration. Diesen Kater konnten die Helfer von Netap aufgrund einer Meldung einer Touristin aus Elba retten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Touristen schlagen bei der Schweizer Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap) zurzeit vermehrt Alarm. «Fast ununterbrochen melden sich bei uns verzweifelte Touristen, die in ihren Ferien auf ein Tierelend gestossen sind und Rat suchen», berichtete Netap-Präsidentin Esther Geisser kürzlich. Hier ein paar Tipps für besorgte Touristen:

Umfrage
Wie reagieren Sie, wenn Sie in den Ferien auf Tierleid stossen?

Wie soll ich reagieren, wenn ich im Ausland auf Tierelend stosse?
Am besten erkundigen Sie sich bereits vor Ihrer Abreise über die lokalen Tierschutzorganisationen. Eine gute Übersicht bietet worldanimal.net. Nehmen Sie dann vor Ort Kontakt mit der lokalen Organisation auf oder schalten Sie die Polizei ein.

Ich habe die lokale Tierschutzorganisation informiert, die Tiere leiden aber immer noch.
Tierschutzorganisationen im Ausland sind oft überlastet. «Spanish Stray Cats zum Beispiel besteht aus gerade einmal drei Freiwilligen», sagt Esther Geisser. Packen Sie darum selber an, wo es möglich ist.

Wie soll ich vor Ort selber anpacken?
«Kürzlich fing eine Touristin mit Hilfe einer lokalen Tierschützerin die streunenden Katzen um ihr Hotel selber ein und liess sie beim Tierarzt auf eigene Rechnung kastrieren», erzählt Geisser. Einen positiven Beitrag leisten Sie auch, wenn Sie Ihren Unmut ausdrücken. Geisser: «Treffen Sie in einem Geschäft etwa auf ein Hündchen im Schaufenster, machen Sie deutlich, dass Sie deswegen in diesem Geschäft nichts kaufen werden. Umsatzeinbussen schätzt niemand.» In Hotels, die zu tierquälerischen Methoden greifen, sollen Touristen das Gespräch suchen. Wird nicht eingelenkt, hinterlässt man eine entsprechend negative Beurteilung auf den entsprechenden Internetportalen.

Ich habe nicht helfen können. Was soll ich tun, damit mich zu Hause nicht das schlechte Gewissen plagt?
Machen Sie auf das Elend an Ihrem Ferienort aufmerksam, indem Sie lokale Tierschutzorganisationen anschreiben oder Schweizer Organisationen, die vor Ort Hilfe leisten, und unterstützen Sie deren Engagement finanziell. Protestieren Sie zudem bei der Botschaft Ihrer Feriendestination und machen Sie klar, dass sie keine Ferien mehr in einem solchen Land machen werden, das diesen Zustand duldet. Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den sozialen Medien. Je mehr Menschen auf das Elend aufmerksam werden, desto mehr bewirken Sie. Loben und empfehlen Sie im Gegenzug Hotels weiter, die vorbildlich sind, indem sie zum Beispiel Kolonien von kastrierten Katzen tolerieren.

Sicher etwas Gutes tue ich aber, wenn ich ein Kaninchen kaufe, das auf dem Markt in einem viel zu kleinen Käfig gehalten wird.
Nein. Laut Netap kurbeln Touristen mit einem Kauf den Umsatz des Verkäufers an, da er sich damit in seinem Tun erst recht bestätigt fühlt. Dies hat zur Folge, dass er möglichst rasch für Nachschub sorgt.

Soll ich streunende Tiere füttern?
Nein. Das gut gemeinte Füttern trägt leider auch zu einer schnelleren Vermehrung bei. Nach der Touristensaison werden unzählige Strassenkatzen und Strassenhunde entsorgt, erschlagen, vergiftet oder erschossen. Netap rät Touristen deshalb, sich an ihrem Ferienort um die Kastration zu kümmern. Geisser: «Kastrierte Tiere darf man dann auch gern füttern.»

Es ist aber sicher nicht schlecht, wenn ich den streunenden Hund zu mir nach Hause nehme?
«Es ist nicht garantiert, dass eine Stadtwohnung für einen streunenden Hund der richtige Platz ist», sagt Geisser. Damit das Tier nicht im Tierheim landet, sei ein artgerechter Lebensplatz sicherzustellen. Ein Tier aus dem Ausland mitzunehmen, ist zudem ein langwieriger Prozess.

Warum?
«Stammt das Tier aus einem Land ohne Tollwut, dauert es drei Wochen und ansonsten noch länger, bis man die nötigen Papiere hat für einen legalen Import», sagt Geisser. 2016 etwa musste die Zollstelle Zürich-Flughafen bis Juli bereits 34 Hunde und Katzen mangels Bewilligungen konfiszieren. Muss das Tier mehrere Tage für Untersuchungen am Flughafen bleiben oder muss es zurück in sein Heimatland geschickt werden, kostet dies mehrere Hundert Franken. Das hat Folgen: Manche Touristen scheuen die Kosten, sodass die Behörden das Tier einschläfern müssen.

Soll ich noch in Länder reisen, in denen ich ein Tierelend erlebt habe?
Jein. Planen Sie Zeit ein, um bei der lokalen Tierschutzorganisation vorbeizuschauen. Klären Sie vorab, wo ihr Bedarf am grössten ist. «Unterstützen Sie zum Beispiel mit Welpenmilch oder Flohschutzmittel oder noch besser durch die Finanzierung von Kastrationen», rät Geisser.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 11.08.2018 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Touristen

    Liebe Touristen, informiert euch bitte vor eurer Reise über das Reiseland, Menschen, Kultur, innere Probleme, usw. Das verhindert oft schon falsches Verhalten von Touristen, auch sollte man im Ausland keine Tiere kaufen oder füttern. Bei uns in der Schweiz sollte man keine fremden Tiere füttern! Und schon recht nicht im Ausland, weil sich dadurch Streuner nur noch mehr vermehren und das Leid dadurch noch vergrössert wird!

    einklappen einklappen
  • Stefi am 11.08.2018 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brutal

    Es tut mir so leid, dass die Menschen so brutal zu den Tieren sein können.

    einklappen einklappen
  • Vale46 am 12.08.2018 00:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elend das ganze Jahr....

    Das Elend ist ja nicht nur in der Ferienzeit sondern das ganze Jahr durch. Es gibt Menschen dad sind gar keine Menschen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • s'Mimöseli am 13.08.2018 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Als ob es in der Schweiz

    nicht genug Hunde gibt, die in Tierheime "entsorgt" wurden. Ich kenne einige Streunerhunde, die aus Mitleid aus den Ferien mitgenommen wurden. Vielfach sind es auch traumatisierte Tiere, und die verhalten sich nach Jahren noch abnormal, was ich selbst erlebt habe, und was glauben sie, wo diese dann landen ? Wieder im Tierheim.

  • LM AA am 13.08.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Tat und Schicksal

    Wo man Tiere schlecht behandelt, behandelt man nur allzuoft auch die Menschen schlecht. Dies ist nicht selten die Basis für die Elendsmisere dieser Länder.

  • Nati am 12.08.2018 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unendliches Leid...

    Dringend Globale und strenge Tierschutz- Gesetzte müssen her, sonst ändert sich nix!!!!

  • Gaston am 12.08.2018 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Hart aber ehrlich

    Eigentlich gibt es nur zwei Lösungen: Aufklärung der Bevölkerung vor Ort, was aber nichts bringt und die zweite will hier niemand hören (oder lesen). Alles andere ist Sisyphusarbeit

  • Finger am 12.08.2018 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schämt ihr euch nicht?

    Gewisse Subjekte hier sind noch schäbiger als die Tiere wogegen sie hier hetzen.