Besuch in Genf

21. Juni 2018 13:08; Akt: 21.06.2018 13:48 Print

«Franziskus ist kein Reformpapst»

Papst Franziskus besucht die Schweiz. Er gilt vielen als Reformer. Zu Unrecht, sagt Andreas Kyriacou: Er sei genauso konservativ wie seine Vorgänger.

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Der Besuch von Papst Franziskus in Genf mobilisiert die Massen: 41'000 Gläubige wollen seine öffentliche Messe mitverfolgen. Doch es gibt auch Kritik. Andreas Kyriacou, Präsident der Schweizer Freidenker-Vereinigung, sagt, wieso der Papst überschätzt wird.

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Freuen Sie sich auf den Papst-Besuch?

Herr Kyriacou*, was halten Sie vom Besuch des Papstes in der Schweiz?
Wenn Katholiken den Papst feiern wollen, spricht nichts dagegen. Man darf aber nicht vergessen: Er ist kein Reformpapst. Er fährt den gleichen konservativen Kurs wie seine Vorgänger. Man darf nicht nur auf Kuschel-Statements und die schönen Bilder von seinen Reisen schauen, sondern analysieren, wie der Papst politisiert und wie er zu seinem Stammpublikum spricht.

Woran machen Sie das fest?
Er spricht sich etwa gegen die Home-Ehe aus. Vor wenigen Tagen hat Franziskus gesagt, die einzige von Gott vorgesehene Verbindung sei die zwischen Mann und Frau. Die katholische Kirche denkt nicht im entferntesten daran, sich in die Moderne zu bewegen. Das hat man auch in Irland gesehen: Lokale Bischöfe weigern sich, die Abstimmung über die gleichgeschlechtliche Ehe zu akzeptieren.

Die Ehe für Alle gibt es auch in der Schweiz nicht.
Papst Franziskus ist auch sonst sehr konservativ: Er hat Abtreibungen mit Nazi-Verbrechen gleichgestellt (Anm. der Redaktion: Franziskus sagte, die ganze Welt sei schockiert davon, was die Nazis getan hätten, um die Reinheit der Rasse sicherzustellen. «Heute tun wir dasselbe, nur mit weissen Handschuhen.» Abtreibung sei eine «perverse, gottlose Neuheit».) Der Abgeordnete des Vatikans hat sich vor der UNO gegen das Recht ausgesprochen, keine Religion zu haben. Kaum ein Staatsoberhaupt würde sich das erlauben. Beim Vatikan lassen wir das aber kritiklos durchgehen.

Wieso gilt der Papst dennoch vielen als Reformer?
Nach dem sehr konservativen Papst Ratzinger hat man Hoffnungen in ihn projiziert. Die Strukturen des Vatikans sind verknöchert, auch im Vatikan fordern viele Reformen. Medien neigen zu oberflächlicher Berichterstattung, wenn es um den Vatikan geht. Er scheint nach wie vor ein Tabu zu sein.

Drei Bundesräte und der Nationalratspräsident werden den Papst treffen. Ist das angemessen?
Wenn ein kleiner Inselstaat zu Besuch kommt und dann auch drei Bundesräte vorsprechen, wäre das okay. Wenn nur der Vatikan so viel Aufmerksamkeit erhält, ist das nicht fair.

Was erwarten Sie vom Bundesrat?
Ich hoffe, dass er den Papst daran erinnern wird, dass die Schweiz selbstverständlich zum Recht, keine Religion zu haben, steht. Es ist in Ordnung, wenn das hinter verschlossenen Türen geschieht.

Wenn Sie den Papst selbst treffen könnten: Was wäre Ihre Botschaft?

Ich würde ihn fragen, wann der Vatikan die Europäische Menschenrechtskonvention ratifizieren will. Das wäre zumindest eine erste Zusicherung, dass sich der Vatikan in Richtung humanistische Werte bewegt.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Philosophie am 21.06.2018 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Glauben vs. Menschlichkeit

    die katholische Kirche (bin ausgetreten) hat ihre Glaubwürdigkeit schon lange verloren. wenn es denn einen Gott, in der Form wie Katholiken denken gibt, würde er sein Bodenpersonal fristlos entlassen! Davon bin ich überzeugt!

  • Beat am 21.06.2018 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ignoranter Vatikan

    Bei sehr vielen dieser Leuten besteht die Meinung, dass nur sie recht haben und die anderen nicht soweit sind. Wenn man bedenkt, dass die meisten grossen Religionen ihre Lehrbücher, bei den Christen die Bibel, ca. im 600 Jahrhundert verändert, verfälscht und missbraucht hatte. Vieles was darin stand, wurde zu Gunsten der oberen Zehntausend umgeschrieben. Die Tragödie ist, dass sie dies immer noch leben möchten, aber nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die denken und nicht mehr alles glauben. Daher müssen Reformen her!

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  • Ludwig XVI. am 21.06.2018 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Religionstheater at it's best

    Eine Messe hier, ein paar nette Worte dort und schon war er wieder fort. Kostenpunkt, 2 Millionen. Ein wahnwitziger Irrsinn ist das.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Agnostikeri am 21.06.2018 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Chance die nicht sein durfte

    Der einzige glaubwürdige Papst war für mich Johannes Paul l. , mit bürgelichem Namen Albino Luciani. Er hätte etwas verändert. Nicht umsonst halten sich bis heute hartnäcke viele Gerüchte, dass er nach nur 33 Tage im Amt sterben "musste".

  • Pirat2222 am 21.06.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bisher hat kein Reform-Papst...

    ... mehr als 3 Monate im Amt überlebt. Da ist der Vatikan schon gut organisiert.

  • Ludwig XVI. am 21.06.2018 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Religionstheater at it's best

    Eine Messe hier, ein paar nette Worte dort und schon war er wieder fort. Kostenpunkt, 2 Millionen. Ein wahnwitziger Irrsinn ist das.

  • Integrationswilliger am 21.06.2018 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin verwirrt

    Ich habe noch nie soviel Katholiken gesehen, die katholischer sind als der Papst, als in der Urschweiz. Ist also doch nicht so, dass die alle reformiert sind, wie man meinen könnte.

  • Schwuler am 21.06.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichgeschlechtliche Ehe

    Vor über 10 Jahren ausgetreten. Ich unterstütze diesen Verein nicht mehr!

    • Sergio am 21.06.2018 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schwuler

      Ich auch. Trotzdem finde ich, der Staat MUSS gleichgeschlechtliche Eheschliessungen erlauben, gleiches Recht für alle, aber die Kirche hat ihre eigenen Regeln, wenn ich die also nicht akzeptieren will, dann trete ich aus und jammere nicht ewig rum, dass mir das nicht passt. In einem Staat allerdings, wo die Kirche immer noch einen sehr starken Einfluss auf Gesellschaft und Denken hat, muss irgendwann ein wirkliches Zeichen gesetzt werden. Entweder die Kirche bewegt sich, oder die Anerkennung dieses Vereins wird entzogen, da er diskriminierend gegenüber Frauen und Homosexuellen ist!

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