CVP-Béglé verteidigt sich

23. Juli 2019 15:21; Akt: 23.07.2019 16:33 Print

Nordkoreaner «trinken Bier und amüsieren sich»

Die Nordkorea-Schwärmereien von CVP-Nationalrat Claude Béglé sorgten für scharfe Kritik. Jetzt erklärt er sich.

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Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un ist wegen seiner Raketentests gefürchtet. Laut Amnesty International reicht der Mindestlohn in einigen Regionen gerade mal für ein Kilo Reis pro Monat. «Wer aufmuckst, dem droht Arbeitslager.» Im kommunistischen Land leiden laut Amnesty International viele unter Mangelernährung. Claude Beglé besuchte eine Seidenspinnerei im Land von Diktator Kim Jong-un. In einem Tweet schwärmt der Waadtländer vom stalinistischen System: «Die Löhne sind tief (50 Franken pro Monat), aber alles wird kostenlos vom Staat zur Verfügung gestellt: der Reis und die wichtigsten Grundnahrungsmittel, die Unterkunft, die Gesundheit, die Bildung. Und es funktioniert um einiges besser, als man es sich hätte vorstellen können.» Das Personal werde laufend fortgebildet, so Beglé. Die Musterfabrik verfügt sogar über einen eigenen Pool für die Arbeiterinnen, eine hübsche Cafeteria, wie Beglé berichtet. Der ehemalige Post-Verwaltungsratspräsident und CVP-Nationalrat Claude Beglé macht derzeit Ferien in Nordkorea. Neben einer Fabrik hat Beglé in Pyongyang den Schülerpalast Mangyongdae besucht. Der Bau besteht laut einem Wikipedia-Eintrag aus 650 Räumen mit einer Fläche von über 100'000 Quadratmetern. Im Prestigebau, den das Regime gerne ausländischen Gästen präsentiert, verbringen nordkoreanische Schüler ihre Freizeit. Beglé ist auch hier angetan: «Das ist die gute Seite des Sozialismus, mit einem wahrhaftigen Effort, das Wissen zugänglich zu machen.» Hier könnten Kinder ihren Interessen nachgehen – von der Kalligrafie bis zur klassischen Musik. Ein Bild mit dem Führer ist Beglé auch ein Foto wert.

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Claude Béglé macht Ferien in Nordkorea. Er besuchte mitunter eine Seidenspinnerei und war angetan. Auf Twitter schrieb er: Die Löhne seien tief, aber «alles wird kostenlos vom Staat zur Verfügung gestellt: der Reis und die wichtigsten Grundnahrungsmittel, die Unterkunft, die Gesundheit, die Bildung. Und es funktioniert um einiges besser, als man es sich hätte vorstellen können». Dafür wurde er scharf kritisiert: Er sei in die Propaganda-Falle getappt, warf ihm etwa Amnesty International vor. Auch die CVP Waadt ging auf Distanz zu seinen Aussagen.

Jetzt nimmt Béglé auf Twitter ausführlich Stellung. Er sei nach Nordkorea gereist mit mehreren Zielen: Er wolle mit eigenen Augen sehen und verstehen, was im Land ablaufe, sich ein Bild vom Friedensprozess und der atomaren Abrüstung machen. Es handle sich um eine private Reise. Die Kommentare beträfen einzig ihn selbst.


Er betont, die Organisation der Reise sei zwar vom Regime sichergestellt worden, er habe sich in Nordkorea aber immer frei bewegen können, ohne Begleiter. Er habe sich in Wohnquartieren seiner Wahl unter die Leute mischen können. «Man hat mich gewähren lassen.» Er habe das Regime auch aufgefordert, dass er die weniger schönen Seiten des Landes sehen könne. «Ich bin in Fabriken, auf Märkte und aufs Land gegangen», schreibt Béglé. Er habe die Normalbürger Nordkoreas nicht als unterdrückt wahrgenommen, so der Nationalrat. «Sie mögen es, Bier zu trinken und sich zu amüsieren.»

Auf die Kritik an den Tweets geht er nicht ein, schreibt aber, die Situation in Nordkorea sei viel komplexer als man sich vorstellen könne. «Auf der einen Seite handelt es sich um ein kommunistisches System, das sich von der Öffentlichkeit abschottet», so Béglé. Andererseits müsse man in Betracht ziehen, dass Nordkorea nach 1945 eine erniedrigende Beherrschung durch Japan erlitten habe.

Béglé schliesst damit, dass er immer noch in Nordkorea sei und nur beschränkten Zugang zu Kommunikation habe. Es werde einfacher sein, seinen Standpunkt nach der Rückkehr zu erklären. «Nichts ist einfach hier, aber alles ist sehr interessant.»

(pam/daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DasWort am 23.07.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lemminge

    Genau. Da kommt ein Schweizer Nobody und Kim öffnet ihm selbstverständlich Tor und Tür zu allem. Man muss nichtmal halbwegs Intelligent sein um den Wiederspruch zu sehen.

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  • hgidl am 23.07.2019 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie naiv kann man sein?

    Wie naiv, auf dieser Reise bekommt er eh nur das zu sehen, was das Regime zulässt.

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  • Eveline am 23.07.2019 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre besser in der Schweiz geblieben

    Ich weiss nicht, hat der Mann eventuell ein Augen Ohren und Hörproblem ? Was mich geradezu entsetzt, wie konnte so eine Person mal oberster Chef unserer CH-Post werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Vogel am 25.07.2019 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der das schafft...

    Dass man mit so viel Naivität VR Präsi bei der Post werden kann gibt Anlass zur Hoffnung. Chefposten, ich komme.

  • Amos Zweig am 25.07.2019 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Da fehlen einem die Worte.

    Da fehlen einem die Worte. Hat Herr Béglé noch nie davon gehört, dass menschenrechtsverachtende Despoten gerne prunkvolle Vorzeigebauten und schön gepflegte Vorzeige-Menschen haben, mit denen sie der Welt demonstrieren möchten, wie toll es in ihrem Land ist? Nur weil er die Arbeitslager nicht selber besucht hat, heisst das nicht, dass sie nicht existieren!

  • C. S. am 24.07.2019 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Berndeutsch

    Er hätte wenigstens die eine Frage klären können, die viele in der Schweiz interessiert: Kann Kim nun Berndeutsch, oder kann er es doch nicht...

  • Marx am 24.07.2019 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Amüsement in der Diktatur

    Wieso trinken die Bier und amüsieren sich. Das dürfen die doch gar nicht. Das passt nicht in unser Weltbild.

  • Gustav Hemmerlein am 24.07.2019 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Paid Post, sondern Umfrage

    Nordkorea macht schon seit einiger Zeit Outsourcing in der Alterspflege, Alleine in Pyongyang gibt es für ausländische Patienten 18 Seniorenheime mit intensiver medizinischer Versorgung. Und die Zahl wächst! Würden Sie dort hingehen?