Wahlsieger

23. Oktober 2019 04:54; Akt: 23.10.2019 04:54 Print

So rot sind die Grünen

Die grüne Partei räumte bei den Wahlen ab. Laut einem Politologen steht sie der SP inhaltlich sehr nahe.

Die Grünen haben im Parlament 17 Sitze gewonnen. Wissen die Wähler auch, was die Grünen für politische Ziele verfolgen?(Video: S. Ritter)
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Die Grünen wurden gemäss der Tamedia-Nachwahlbefragung von vielen in erster Linie darum gewählt, weil ihnen das Thema Klimawandel unter den Nägeln brennt. Das Parteiprogramm war – anders als bei den restlichen grösseren Parteien – nur in zweiter Linie entscheidend.

Doch welche Positionen vertreten die Wahlsieger abseits der Klimapolitik? SP-Präsident Christian Levrat sagte schon am Wahlsonntag, dass es inhaltlich kaum Unterschiede zwischen den Grünen und den Sozialdemokraten gebe. «Wir haben einfach kein Grün im Namen, obwohl wir grüne Politik machen.» Auch kommen SP und Grüne im Parlamentarier-Rating der NZZ etwa gleich weit links zu stehen. So befürwortet Grünen-Präsidentin Regula Rytz laut Selbstdeklaration auf der Wahlhilfe Smartvote einen Mindestlohn von 4000 Franken, spricht sich gegen eine Erhöhung des Rentenalters aus oder will den sozialen Wohnungsbau fördern. Im Ständeratswahlkampf spannt sie mit Hans Stöckli (SP) zusammen.

So rot sind die Grünen

«Regula Rytz gilt als melonengrün»

«Die beiden Parteien stehen sich seit rund 20 Jahren inhaltlich sehr nahe», sagt der Politologe Mark Balsiger dazu. In den allermeisten Fällen stimmten sie im Parlament gleich ab. Zudem seien viele Grüne gewerkschaftsnah und staatsgläubig. «Präsidentin Regula Rytz zum Beispiel gilt als melonengrün – aussen grün und innen rot.» Selten gebe es abweichende Positionen, etwa beim AHV-Steuer-Deal, den nur die Grünen bekämpften.

«Hätte sich eine der beiden Parteien zur Mitte geöffnet, wäre das Wählerpotenzial des rot-grünen Blocks grösser geworden und womöglich deutlich über die 30-Prozent-Marke geklettert. Seit dem Aufkommen der GLP als radikalliberale Kraft hat es dort keinen Platz mehr.» Unterschiede ortet Balsiger vor allem im Habitus: «Die Mitglieder der grünen Partei treten unkonventioneller und frecher auf, sie sind unabhängiger. Viele verstehen sich weiterhin als Teil einer Bewegung, während die SP seit vielen Jahrzehnten in den meisten Kantonen Regierungsverantwortung trägt.»

Die Grünen hätten dank des Mega-Themas Klimawandel viele Erst- und Neuwähler mobilisieren können. «Die Schwierigkeit ist nun, diese langfristig an sich zu binden.» Könne die Partei in den nächsten vier Jahren keine wichtigen Abstimmungserfolge vorweisen, würden sich viele Neuwählerinnen wieder enttäuscht abwenden.

«Unterschiede in der Grundhaltung»

Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli sagt, die SP sei die «langjährige und wichtigste Partnerin» der Grünen: «Wir Grüne verbinden eine konsequente Klima- und Umweltpolitik mit engagierter Gleichstellungs- und Sozialpolitik.»

Unterschiede zu den Sozialdemokraten gebe es weniger im Abstimmungsverhalten als in der Grundhaltung: «Wir Grünen sind noch näher bei der Zivilgesellschaft, bei einer bewegungsorientierten Politik.» Die Grünen seien ja aus dem Zusammenschluss von Umwelt-, Frauen- und Friedensbewegten entstanden. «Wir haben eine staatskritischere Seele als die Sozialdemokraten und sind friedenspolitisch die konsequenteste Partei.» Klar sei: Wer die ökologische Frage am stärksten gewichten wolle, müsse die Grünen wählen.

In einer Strassenumfrage teilen die Grünen-Wähler nicht alle Positionen der Partei. Zur Frage nach einem Mindestlohn von 4000 Franken etwa sagt Philine, eine Bio-Landwirtin: «Für uns landwirtschaftliche Kleinbetriebe ist ein Mindestlohn schwierig, dann können wir uns fast keine Mitarbeiter mehr leisten.» Auch bei der Idee einer Frauenquote, der Einwanderungspolitik und der Anschaffung von Kampfjets gehen die Meinungen unter den Grünen-Wählern auseinander. (Siehe Video oben)


Wähler ticken ähnlich

Jeder fünfte SP-Wähler von 2015 hat am Wochenende hauptsächlich grüne Kandidaten auf seine Liste gesetzt, wie die Tamedia-Nachwahlbefragung zeigt – die Grünen graben demnach der SP das Wasser ab. Die Wählerschaften der Parteien sind sehr ähnlich eingestellt. Laut der Umfrage verorten sie sich auf einer Skala von 1 (sehr links) bis 10 (sehr rechts) bei gut 3.


(daw/tha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geissenpeter am 23.10.2019 05:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist daran überraschend?

    die Grünen sind immer Links, SP ist Links und Links ist Rot.

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  • Expat am 23.10.2019 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht logisch

    Grün wählt man nicht aus rationalen Gründen sondern weil diese Wähler ein schlechtes Gewissen haben und das mit ihrer Stimmabgabe beruhigen wollten. Das Klima wird dadurch nicht beeinflusst, das Portemonnaie schon eher. Dann fängt das Gejammer an.

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  • Rappen am 23.10.2019 05:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reality

    Viele derjenigen die Grün gewählt haben, sind sich wohl nicht bewusst dass sie jetzt das Portemonnaie öffnen dürfen. Bin mir sicher dass viele nach 4 Jahren aufgewacht sind und wieder genug haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dass die Grünen am 23.10.2019 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    andere Ziele verfolgen

    als die bürgerlichen Parteien überrascht nicht. Dass die Grünen gesellschaftspolitisch auch nicht die Schiene SVP/FDP fahren - wer es nicht nach oben schafft, ist selber Schuld, bezw. Jeder und jede ist für sich selbst verantwortlich, Umstände hin oder her - auch nicht. Könnte es aber sein, dass sich Umweltschutz und soziale Politik vereinbaren lassen? Wir werden es sehen, falls der grün - roten Politik die Chance gegeben wird, sich zu beweisen. Nicht innerhalb von 4 Jahren - denn die reichten ja nicht mal der wählerstärksten Partei, der SVP.

  • Condorman am 23.10.2019 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles hat einen Haken

    mag es den Grünen gönnen wenn sie ein super Resultat erzielt haben aber was geschieht jetzt? Wird alles teuer, gibt es noch mehr Verbote , ist die Welt schon sauber, viele Vorstellungen die eigentlich nicht umsetzbar sind bis auf die finanziellen Einnahmen die der Hauptgrund ausmachen, sorry einfach schwach diese Ideale... C O 2 , die Schweiz will die ganze Welt retten, dann viel Glück...

  • Karl am 23.10.2019 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Denkt endlich selbsstsändig!!!

    Hauptsache einfach mal was wählen, aber keine Ahnung haben. Natürlich müssen wir viel mehr Sorge zu unserer Umwelt tragen, dies geschieht aber nicht über höhere Benzinpreise oder Flugticketabgaben. Viel mehr sollte man weg kommen von unnützem Plastik, das fängt aber beim Produzenten an, nicht beim Konsumenten (Bsp. Obst- und Leuchtmittelverpackungen). Höhere Benzinpreise = teurere Produkte, da die Lieferanten die Mehrkosten an den Kunden abwälzen, dies fördert Ausland-/Onlineshopping (und somit längere Transportwege = mehr CO2-Ausstoss)! Herr, lass Hirn vom Himmel fallen!

  • Back to the Roots am 23.10.2019 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Farbenlehre einfach

    Wenn man Grün und Rot mischt, gibt es Braun. Ich bin grün im Herzen, aber die Grünen wähle ich nicht mehr (seit ein paar Jahren). Ich verstehe nicht, wieso die GLP sich nicht auf den Kern konzentriert, sie (und die Umwelt) hätten bessere Chancen. Emanzipiert euch endlich von den Roten und mach das Grüne Ding. Dann wähle ich euch auch wieder. Lg

  • Wird Schon Werden am 23.10.2019 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    es wutbürgert - schon wieder

    hoffe euch allen gehts dann auch wieder besser wenn ihr euren Frust hier abgelassen habt. So benehmen sich allerdings nur schlechte Verlierer - aber eben. Trotzdem einen schönen Abend zusammen.