Boykott-Aufruf

13. November 2019 21:17; Akt: 13.11.2019 21:17 Print

So schädlich sind Verpackungen tatsächlich

Food-Kuriere liefern Bestellungen mit viel Verpackungsmüll aus. Doch was würde ein Verzicht bringen?

Ein Test von 20 Minuten zeigt, wie grosszügig Food-Kuriere mit Verpackungen umgehen. (Video: B. Zanni)
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Mehr als zwei Drittel der unter 30-Jährigen kaufen mindestens einmal pro Monat Essen bei Lieferservices, Take-aways oder in Restaurants. Das belegt eine Umfrage des deutschen Instituts Forsa. Viele Kuriere liefern das Essen mit viel Verpackungsmüll aus Plastik, Karton oder Aluminium aus. Mitglieder der Klimastreikbewegung fordern deshalb einen Verzicht: «Jeder, der ein Herz für unseren Planeten hat, sollte Lieferservices nicht mehr nutzen», sagt Jann Kessler von der Bewegung Klimastreik Schweiz.

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Doch welchen positiven Effekt auf das Klima hätte ein solcher Verzicht? Das Institut für Energie- und Umweltforschung aus dem deutschen Heidelberg hat die Ökobilanz verschiedener Verpackungen verglichen.

Karton schneidet am besten ab

Bezogen auf den Verbrauch fossiler Ressourcen – also etwa Erdöl oder Kohle – schneiden Kartonverpackungen am besten ab. Dasselbe gilt bezogen auf den Ausstoss von CO2, das für den Klimawandel relevant ist. Karton hat gegenüber Aluminiumdosen eine um 54 Prozent bessere Bilanz, gegenüber Plastikbeuteln um 36 Prozent und gegenüber Glas um 60 Prozent.

Für die Herstellung einer Kartonverpackung mit dem Volumen von einem Liter werden demnach 233 Gramm CO2 ausgestossen. Das entspricht, bezogen auf die Verbrauchswerte eines durchschnittlichen Neuwagens im Jahr 2018, einer Autofahrt von 1,7 Kilometern. Andere Verpackungen schneiden schlechter ab:

• Plastikbeutel: Für eine 1-Liter-Verpackung entstehen 367 Gramm CO2-Emissionen. Das entspricht einer Autofahrt von 2,7 Kilometern.
• Aluminiumdose: Für eine 1-Liter-Dose werden 512 Gramm CO2 ausgestossen. Das entspricht 3,7 Kilometern Autofahrt.
• Glas: Für ein Glas mit einem Volumen von einem Liter werden CO2-Emissionen von 584 Gramm angegeben. Das entspricht einer Autofahrt von 4,2 Kilometern.

«Hebel bei der Menüwahl»

Die Verpackungen sind aber nicht das Schädlichste am Essen. Thomas Kägi von der Nachhaltigkeitsfirma Carbotech sagt, verschiedene Analysen zeigten, dass ihr Anteil im Vergleich zum Inhalt rund rund ein bis zehn Prozent ausmache. Martina Wyrsch, die Geschäftsführerin der Nachhaltigkeitsberatungsfirma Tiefgrün, sagt, der Anteil der Verpackung an der Umweltbelastung im Ernährungsbereich betrage «rund ein Prozent».

Viel mehr – nämlich rund 44 Prozent – machten Fleisch und tierische Produkte aus. «Einen grossen Hebel haben wir bei der Menüwahl», so Wyrsch. «Entscheide ich mich für das vegetarische Gericht, kann ich die Umweltbelastung ungefähr halbieren. Wie das Essen verpackt ist, ist also sekundär.» Wichtig sei, dass nur so viel Verpackung zum Einsatz komme, wie nötig und sinnvoll sei für den Transport.

«Kochen ist sicher sinnvoller»

Ob ein Verzicht auf Lieferdienste sinnvoll sei, könne nicht pauschal gesagt werden, so Wyrsch. So spiele etwa eine Rolle, wie häufig man diese beanspruche, wie weit der Lieferdienst entfernt sei und wie geliefert werde – mit Auto, Elektroroller oder mit dem Velo. Zudem müsse man sich fragen, wie man sich sonst verpflegen würde. «Verglichen mit anderen Massnahmen, wie etwa für Europareisen konsequent den Zug zu nehmen anstatt das Flugzeug, ist der Verzicht auf Lieferdienste aus ökologischen Gründen doch eher von untergeordneter Bedeutung», so Wyrsch.

Ähnlich sieht es Thomas Kägi von Carbotech. «Wenn ich statt des Lieferdienstes selber zum Take-away fahre, kommt es wohl nicht drauf an», sagt er. «Aber auf einen Lieferdienst zu verzichten und sich Zeit zu nehmen, etwas Gutes zu kochen, wäre sicher sinnvoller.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Töggeli am 13.11.2019 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Musst Du lesen

    Etwas zum bewußteren "Nachdenken" für die "Friday for Future-Kids" !!! Alle, die in den 40er und 50er oder auch noch 60er und 70er Jahren geboren wurden, müssen sich heute anhören, wir würden der Jugend das Leben ruinieren ! Wir müssen Euch leider enttäuschen, denn in unserer Jugend wurde bedeutend nachhaltiger gelebt ! Strümpfe und Strumpf-Hosen wurden gestopft ! An Pullover wurden längere Bündchen gestrickt ! Hosen wurden mit bunten Borten verlängert ! Zum Einkaufen und zur Schule mußten wir oft noch mehrere Kilometer zu Fuß laufen und Einkäufe wurden meist in einem Netz transportiert oder auch mit einem immer wieder verwendbaren Korb befördert ! Wenn Kleidung nicht mehr brauchbar war, wurden alle noch verwertbaren Dinge wie Knöpfe oder Reiß-Verschlüsse abgetrennt und der Rest für Flicken oder als Putz-Lappen genutzt ! Geschenk-Papier wurde vorsichtig geöffnet, um es wieder zu verwenden ! Wir sammelten Alt-Papier und damals auch schon Flaschen und halfen bei der Kartoffel-Ernte ! Wir könnten noch mehr dieser Art der Nachhaltigkeit aufzählen, stattdessen muss man sich von den Kids, welche sich mit dem SUV zur Schule kutschieren lassen und heute alleine wahrscheinlich einen vielfach höheren Strom-Verbrauch haben als wir in unserer gesamten Jugend, sagen lassen, wir ruinieren Ihr Leben ! Wir hatten keine elektronischen Spiele und unser WhatsApp waren Zettel, welche unter der Bank in der Schule verteilt wurden, wir verabredeten uns mündlich, Telefon gab es keins, denn das war fast nur für Notfälle gedacht ! Diese Kids wollen uns etwas über Umwelt-Schutz erzählen, werfen ihre Kleidung aber bereits oft nach zweimaligem Tragen einfach weg, produzieren Müll ohne Ende, verbrauchen seltene Erden und müssen immer die neuesten Geräte besitzen ! Auf Euren Demos lasst Ihr Euren Müll dann von Erwachsenen wegräumen und am Wochenende geht es dann wieder zum nächsten Open Air Konzert zum Koma-Saufen ! Auch Euer Koma-Saufen gab es früher nicht in der Form so wie heute ! So, und wenn ihr dann einmal auch so nachhaltig leben solltet wie meine Generation dies objektiv nachprüfbar eindrucksvoll vorgelebt hat, dann dürft Ihr auch gerne zum Streiken bzw. zum wöchentlichen Happening-Event gehen, aber bitte nur während der Schul-Zeit und nicht in den Ferien, denn da seid Ihr ja sicherlich, natürlich äußerst klimafreundlich, irgendwo ganz weit in die Welt hinausgeflogen

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  • Peter Lutz am 13.11.2019 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entweder oder?

    Ist es denn besser mit dem Auto zum Restaurant und wieder nach Hause zu fahren? Das Leben ist nunmal Klimaschädlich... wir müssen nur vernünftig mit allem umgehen, nicht immer alles gleich verteufeln.

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  • Andreas Nobel am 13.11.2019 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was kommt noch?

    Was wollen die noch alles verbieten? Bald darf man gar nichts mehr machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mila Meier am 14.11.2019 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Super, genau so ist es!!!

  • Mila Meier am 14.11.2019 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötiger Müll

    Schon als meine Kinder klein waren so um 1980, habe ich den Grossverteiler den unnötigen Müll, sprich Verpackungen, zurück gelassen. Hätten das alle gemacht, hätte es nicht doppelt und dreifach verpackte Artikel im Angebot.

  • tt am 14.11.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    elende Klima hysterie

    Was ist schädlicher, eine Pizza im Karton, oder unzähliges Gemüse das einzeln in Plastik verpackt ist? Warum verpackt man Gemüse und früchte überhaupt in Plastik? Man kann beides gut abwaschen, und wir oft sogar noch geschält.

    • josipovicz am 14.11.2019 21:05 Report Diesen Beitrag melden

      Friday for Future-Kids

      warum gibt es keine Anti-Pestizid Hysterie, oder 5-G Hysterie

    • Cris78 am 14.11.2019 22:42 Report Diesen Beitrag melden

      @josipovic

      Ganz einfach weil es hier ja um die Kurriere geht, der Rest ist Beilage. Aber auch da hast du Recht. Pestizide und lebensgefährlicher Dünger what ever, benützt man schon seit den 70er. Es wurde erst eine Hysterie seid wir davon wissen weil früher hat man es nicht gewusst aber man hat auch normal gelebt. Wir alle würden verwöhnt mit immer steriler und sauberer zu sein. Ja kein Punkt auf der Tomate und wehe es ist 1 Staubkorn auf meinem Glas Tisch - geht gar nicht. Es schreien alle wegen allem aber selber nix ändern als Konsument. Irgendwann haben sie einen Hohen Blutdruck und fragen warum.

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  • Swiss ship yard am 14.11.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genuss statt Diskussionen

    Diese Diskussion berührt einen Geniesser nicht im Mindesten. Das feine Rinderfilet vom Metzger im Dorf an einer herrlichen Senf-Cocnacsauce, dazu vom Bauern Kartoffeln für Kartoffelstock und Gemüse für ein feines Gratin. Dazu eine tolle Flasche Wein und zum Dessert selber gebackene Sachertorte. Alles ohne Verpackung ausser der Flasche. Fertigfood hat mit Essen wenig zu tun sondern ist nur ein Totschlagen des Hungergefühls. Ach ja, und die Havanna am Schluss darf auch nicht fehlen. Freu mich schon auf giftige Kommentare LOL.

    • Analyst am 14.11.2019 20:55 Report Diesen Beitrag melden

      Kleine Bemerkung am Rande

      Havanna liegt 8 Flugstunden vom Airport Zürri weg.

    • Swiss ship yard am 14.11.2019 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Analyst

      Mit Havanna ist eine edle Zigarre gemeint. Die 8 Stunden Flug lieber nicht, es sei denn in der Businessklasse.

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  • Plankton am 14.11.2019 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Hatte heute Karton im Briefkasten

    Mit Einzahlungsschein von einer Spendenfirma für Arme Kinder. Soviel zum klimafreundlichen Gedanken. Ach ja, notierte auf den Karton zurück, Adresse auf Einzahlungsschein und ab in den Briefkasten der Post.

    • Cris78 am 14.11.2019 17:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Plankton

      Muss ich dir auch recht geben, obwohl das nichts mit dem Kurrier zu tun hat. Arme Tiere und Kinder mit Hunger Bilder, müssten theoretisch auch das ganze Jahr im Briefkasten sein, weil sie nicht nur 6Wochen um Weihnachten arme Tiere und Kinder mit Hunger sind. Was spenden anbelangt mache ich nicht mehr mit, wer Kassen Sturtz gesehen hat weiss auch wieso. Ich geb da wirklich lieber dem Kurrier ein Trinkgeld als Entschädigung das er durch die Kälte gehen muss, dann weiss ich auch wohin das es geht. Ich werd nun auch W-Lan ausschalten das brauch ich nicht wenn ich aus dem Haus gehe. Amen

    • Role am 14.11.2019 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Plankton

      Meine Werbeplunder notiere ich immer mit dem Vermerk : Gestorben. Ich kriege jeweils nichts mehr von diesem Zeug

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