Wahlen 2015

16. Oktober 2015 18:03; Akt: 16.10.2015 18:03 Print

So schlugen sich die Parteien im Wahlkampf

Mit welchen Themen konnten die Parteien punkten, wie haben sie den Wahlkampf gemeistert, und was könnte den Erfolg verhindern? Ein Überblick.

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Wäre Anfang September gewählt worden, hätte die SVP laut Umfragen zugelegt. Die Partei machte im Wahlkampf vor allem mit ihren Videos Schlagzeilen. Die SP kann ihren Wähleranteil vermutlich halten. Während die Umfrage von 20 Minuten und Sotomo leichte Verluste ergab, hätten laut dem Wahlbarometer Anfang August leicht mehr Menschen SP gewählt als 2011. Die Sozialdemokraten setzten im Wahlkampf auf eine Telefonkampagne, bei der Symathisanten der SP zur Wahl bewegt werden sollten. Die FDP kann ebenfalls mit Sitzgewinnen rechnen. Auch wenn das Umfragehoch aus dem Sommer etwas abgeflaut ist, schneidet die Partei besser ab als 2011. Auch die Freisinnigen führten einen aufwändigen Wahlkampf. Am «Tag der FDP» in Sursee wurde die Basis motiviert. Die CVP hingegen muss mit Verlusten rechnen. Bei beiden Umfragen schneidet die Partei leicht schlechter ab als noch bei den letzten Wahlen. Die CVP plakatierte im Wahlkampf Zebrastreifen in orange. Die Grünen schneiden in den aktuellen Umfragen schlechter ab als bei den Wahlen 2011. Trotz aktivem Online-Wahlkampf kann die Partei voaussichtlich weniger Wähler für sich gewinnen als 2011. Die BDP dürfte Mühe haben, ihren Wähleranteil von vor 4 Jahren zu halten. Wahlkampf machte die BDP mit der Biene als Maskottchen. Auch die GLP muss um ihren Wähleranteil von 2011 fürchten, die Umfragen gehen von leichten Verlusten aus. Zuletzt war es um die Partei ruhig geworden, nachdem sie eine historische Abstimmungsniederlage eingefahren hatte.

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SVP: Wahlsieg dank Flüchtlingswelle?

Die Erfolgschancen: Die Rechtskonservativen kamen 2011 auf einen Wähleranteil von 26,6 Prozent – am Sonntag dürften sie laut Umfragen zulegen. Die neuste Umfrage von 20 Minuten und der Forschungsstelle Sotomo sagte letzte Woche einen Wähleranteil von 29 % voraus, das SRG-Wahlbarometer rechnet mir 27,9 %. Um bis zu sechs Sitze soll die Partei zulegen können.

Der Wahlkampf: Schlagzeilen hat die Partei vor allem mit ihren Wahlkampfvideos gemacht. Die politischen Inhalte waren in den Songs aber Mangelware, was innerhalb der Partei für Kritik sorgte: «Das Lied und der Plüschhund sind doch eher gaga und eine Trivialisierung. Politik ist eine ernsthafte Sache», sagte etwa der Zürcher Nationalrat Alfred Heer. Dabei wären die Themen da: Im Wahlkampf forderte die Partei im Hinblick auf die Flüchtlingswelle zum Beispiel eine Wiedereinführung der Grenzkontrollen.

SP: Mobilisierung per Telefon

Die Erfolgschancen: Die Sozialdemokraten konnten bei den letzten Parlamentswahlen 18,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Umfragen zufolge bleibt der Wähleranteil der Partei stabil. Während die SP laut 20 Minuten-Umfrage leicht verliert (18,4 % Wähleranteil), gewinnt sie laut Wahlbarometer (19,2 % Wähleranteil) leicht.

Der Wahlkampf: Die SP setzte im Wahlkampf dieses Mal verstärkt auf die Mobilisierung von Sympathisanten per Telefonanruf. Rund 100'000 SP-Sympathisanten wurden per Telefon kontaktiert und zum Wählen motiviert. Dafür investierte die Partei rund die Hälfte ihres Wahlkampfbudgets. Die Themen der SP sind klassisch linke Anliegen: Bezahlbare Mieten, faire Löhne, Spekulationsstopp auf Nahrungsmitteln. Das im Wahlkampf dominierende Thema der Flüchtlingsströme in Europa haben die Sozialdemokraten aber weitgehend ignoriert und das Feld den anderen Parteien überlassen.

FDP: Erster nationaler Wahlerfolg seit 30 Jahren?

Die Erfolgschancen: Die FDP kam bei den letzten Wahlen auf 15,1 Prozent, dieses Mal darf die Partei auf einen Wahlsieg hoffen. Sowohl die 20 Minuten-Umfrage (Wähleranteil: 15,8 %) als auch das Wahlbarometer (16,7 % Wähleranteil) bescheinigen der Partei leichte Stimmengewinne. Im Frühjahr schnitt die Partei bei Umfragen noch besser ab, weil sie bei Themen wie Frankenstärke und Europa für viele Wähler kompetenter als die SVP agierte. Ob der Unfall von Philipp Müller, bei dem er eine 17-jährige Rollerfahrerin verletzte, der Partei schadet, ist noch unklar.

Der Wahlkampf: Die Partei stieg mit den drei Kampfbegriffen Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt in den Wahlkampf. Bei der FDP wurde der Wahlkampf ebenfalls gross inszeniert, am Parteitag regnete es Ballone und eine Hüpfburg wurde aufgebaut. Auch wenn das Asyl-Thema die Europafrage abgelöst hat: Die Freisinnigen können mit Sitzgewinnen rechnen.

CVP: Geht der Sinkflug geht weiter?

Die Erfolgschancen: Die CVP kam 2011 auf 12,3 % Wähleranteil. Den Sinkflug der letzten Jahre kann die Partei auch 2015 wahrscheinlich nicht stoppen: In den neusten Umfragen schneidet die Partei schlecht ab: Nur noch 11,4 % legen gemäss 20 Minuten und Sotomo ihre Stimme für die CVP ein, laut Wahlbarometer wollen noch 11, 5 % die CVP wählen.

Der Wahlkampf: Die CVP stieg wie die SP mit ihren klassischen Themen wie der Familienpolitik in den Ring und überraschte mit Guerilla-Aktionen. Die Flüchtlingsthematik wurde am Sommerparteitag diskutiert, und eine fünfköpfige Gruppe um Gery Pfister und Urs Schwaller forderte in einem Positionspapier unter anderem ein Bargeldverbot und Arbeitspflicht für Asylbewerber.

Grüne: Umweltthemen nicht aktuell

Die Erfolgschancen: Die Grünen holten bei den letzten Wahlen 8,4 % der Stimmen, dieses Mal dürften es leicht weniger sein: 20 Minuten sagt 7,4 % Wähleranteil voraus, laut SRG-Wahlbarometer wollen noch 7,2 % der Wähler die Grünen wählen.

Der Wahlkampf: Die Grünen haben neben Themen der Umweltpolitik auch auf die Asyldebatte reagiert, und auch gegen den Überwachungsstaat wehte sich die Partei, doch offenbar werden die Grünen immer noch sehr stark mit Umweltthemen in Verbindung gebracht, und auf dem Sorgenbarometer stehen andere Themen als Atomausstieg und Klimawandel.

BDP und GLP: Bienenfleissig und still

Die Erfolgschancen: Die neue Mitte dürfte laut den Umfragen Mühe haben, ihre Wähleranteile zu halten. Kamen beide Parteien 2011 auf 5,4 Prozent Wähleranteil, wollen jetzt jeweils knapp 5 Prozent der Wähler eine neue Mittepartei wählen. Die GLP kann nicht mehr auf die gleichen Listenverbindungen setzen wie vor fünf Jahren. Dies dürfte sie mehrere Sitze kosten.

Der Wahlkampf: Die BDP stieg mit der Biene als Wahlkampfmaskottchen in den Ring. Dieses soll Werte wie Fleiss, Ausdauer, Gemeinschaftssinn und Engagement verkörpern. Bei der GLP war es nach der historischen Abstimmunsniederlage bei der Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» auffällig still.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • T.Müller am 16.10.2015 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltpolitik

    Die Umwelt ist den meisten Schweizern/innen sehr wohl wichtig. Aber das die momentane rasante Zubetonierung der Schweiz in erster Linie durch die masslose Zuwanderung befeuert wird, lässt die sogenannten Grünen kalt.

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  • Dackel91 am 16.10.2015 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören !!

    Dieses Ghetto haben wir auch nur diesem links-geflochtenem zu verdanken ! Also hört auf immer nach Ausreden zu suchen ! Egal was die SVP macht, nichts ist recht und wird von den Medien gleich zerstückelt ! Fakt ist: Die SVP ist seit langem die stärkste Partei. Ziemlich sicher,weil sie alles falsch machen!!?

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  • Sabrina am 16.10.2015 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Schade um die Schweiz

    Leider wird wohl die SVP nicht wesentlich dazugewinnen. Das Chaos wird immer grösser werden. Schade um unser schönes Land. Aber offenbar will das die Mehrheit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hansli am 17.10.2015 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zuwanderung ist ein Problem

    Die einzigen Parteien die etwas an der Zuwanderung ändern können sind immer noch die SVP, Lega, MCG, EDU. Ich möchte erwähnen jedes Jahr entsteht nur durch Zuwanderung eine Stadt Winterthur und ich denke das Schweizer Volk will nicht zuschauen wie die Schweiz zubetoniert wird.

  • cecile am 17.10.2015 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Sogenannte Grüne, was ist das für T. M.

    Das stimmt nicht ganz T. Müller. Solange jeder Schweizer glaubt, er müsse ein eigenes Haus besitzen, obwohl er alleine wohnt, wird die Schweiz auch ihretwegen zubetoniert und nicht nur wegen der Zuwanderung. Ich rede aus Erfahrung mit einigen Bekannten, die alleine in einem EFH wohnen. Ich könnte mir spielend ein Haus zulegen und finanzieren, fühle mich aber in einer Eigentumswohnung besser. Und was heisst, "sogenannte Grüne"? Ich bin grün angehaucht, lebe aber genau so wie Sie, esse (wenig) Fleisch etc., aber von artgerecht gehaltenen Tieren so gut ich das überhaupt feststellen kann.

  • Vernseher am 17.10.2015 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ueberflüssig

    Dank Kassensturz weis ich was ich muss wählen da bruch ich keinen Wahlkampf

  • H. Keller am 17.10.2015 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Der ganz hinten, der Kleine ist schuld

    Hoch interessant diese Beiträge. Die SVP ist also stärkste Partei aber Schuld am ganzen "Schlamassel" trägt die zweit stärkste Partei, die SP und das alles zubetoniert ist die Schuld einer der kleinsten Parteien, die Grünen. Frage, was macht den die stärkste Partei den ganzen Tag im Parlament ???? Nein ich bin weder SVP noch SP Anhänger und zu den ganz Grünen mit "Birkenstock" gehöre ich auch nicht, aber es ist doch sehr Fragwürdig wenn die grösste Parteien immer die Schuld den Kleinen geben

    • Visionär am 17.10.2015 23:44 Report Diesen Beitrag melden

      Viele Fehler - aber eine Chance -SVP

      @H. Keller. Ein bischen wirr, ihre Aussagen. Klar ist, dass es leider momentan nur eine Partei in ihrem Programm die Unabhängigkeit (Neutralität) zu ihrer Chefsache gemacht hat. Es kann nur besser werden... Speziell die drei Damen (vom Grill :-)) haben die Schweiz ziemlich geschadet...

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  • Monika am 17.10.2015 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut gemischt

    ich habe mir das leere Blatt mit Namen aus verschiedenen Parteien gefüllt. habe auch stundenlang die Profile der Politiker studiert. für mich sind diese Wahlen wichtig deshalb gehe ich an die Urne. aufgefallen ist mir dass die BDP einen ausdrucksstarken Flyer mit den NR Kandidaten gemacht hat. sehr gute Fotos mit klarem Gesichtsausdruck. für meine Tochter habe ich noch ein paar junge Leute gewählt in ihrem Alter und dafür alle 40er Jahrgänge ausgeschlossen.

    • Ried Winkel am 17.10.2015 14:17 Report Diesen Beitrag melden

      Monika

      Danke! Finde es sehr verantwortungsbewusst und wertvoll, dass Sie sich inhaltlich mit dieser doch komplexen Materie befasst haben, und nicht nur einen Parteienzettel als Demonstration Ihres staatsbürgerlichen Verständnis einwerfen.

    • Lilo am 17.10.2015 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ried Winkel

      Nichts gegen die 'Recherche' der Dame. Aber Aussagen wie 'ausdrucksstarke Fyler oder sehr gute Fotos mit klarem Gesichtsausdruck' wie auch das Alter der Kanidaten (wegen Ihrer Tochter) sollten keine Wahlkriterien sein oder? Schön das Sie gebrauch von Ihrem Recht zu Wählen machen, jedoch mein Auswahlverfahren wäre dies sicherlich nicht. Deshalb irritiert mich auch Ihr Komentar @Ried Winkel ein wenig. Wie auch immer wünsche allen ein schönes Wochenende :)

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