Abstimmung vom 12. Februar

04. Februar 2017 09:45; Akt: 04.02.2017 09:45 Print

So schnell bürgern wir im Europa-Vergleich ein

von D. Waldmeier - Ist die Schweiz knausrig bei der Vergabe des Bürgerrechts? Und wie viele Leute werden in Europa eingebürgert? Fünf Grafiken zur Einbürgerungs-Abstimmung.

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Im Abstimmungskampf um die erleichterte Einbürgerung von jungen Ausländern der dritten Generation wird mit harten Bandagen gekämpft: Laut den Gegnern verschenkt man den roten Pass schon heute. Es gebe keinen Anlass, die Einbürgerungspraxis weiter aufzuweichen.

Dagegen finden es die Befürworter lächerlich, dass man überhaupt über die erleichterte Einbürgerung von Terzos spricht. Sie fühlen sich an den Film «Die Schweizermacher» (1978) erinnert, in dem bünzlige Schweizer Fremdenpolizisten Einbürgerungswillige bespitzeln und schikanieren.

Ein Spitzenplatz

Doch wie streng ist das Einbürgerungsregime in der Schweiz im europäischen Vergleich wirklich? 20 Minuten hat die wichtigsten Zahlen und Fakten zusammengetragen.

Betrachtet man die absolute Zahl der Einbürgerungen, liegt die kleine Schweiz bemerkenswert weit vorne: Im Jahr 2014 belegte sie mit 32'836 Einbürgerungen Rang 7 unter allen 32 EU- und Efta-Staaten – hinter den bevölkerungsreichen Staaten Spanien, Italien, Gossbritannien, Deutschland, Frankreich sowie Schweden. Am wenigsten Personen werden in der Slowakei (234), in Litauen (183) und in Liechtenstein (114) eingebürgert.

Zahl der Einbürgerungen in Europa, 2014

Im vergangenen Jahr wurden laut der Statistik des Staatssekretariats für Migration 42'934 Personen Schweizer. Am häufigsten liessen sich Italiener, Deutsche und Portugiesen einbürgern.

Top 8 Ursprungsländer, 2016

Setzt man die Zahl der Einbürgerungen ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, ist die Quote in der Schweiz zweimal höher als im EU-Schnitt. Das ist nicht überraschend: Die Schweiz hat einen überdurchschnittlich hohen Ausländeranteil. Und wo es viele Ausländer hat, werden sich tendenziell auch mehr Menschen um ein Bürgerrecht bemühen. Am höchsten ist die Quote in Luxemburg, dahinter folgen Irland, Schweden und Spanien.

Einbürgerungen pro 1000 Einwohner (Auswahl), 2014

Unter dem EU-Schnitt liegt dagegen die Einbürgerungsziffer, also die Zahl der Einbürgerungen im Verhältnis zur ausländischen Bevölkerung. Erlangten in Schweden 2014 rund sechs von 100 Ausländern die Staatsbürgerschaft, waren es in der Schweiz weniger als zwei. In Liechtenstein, Estland, Litauen, Österreich, Lettland und der Slowakei erhält weniger als einer von hundert Ausländern jährlich die Staatsbürgerschaft.

Einbürgerung pro 100 Ausländer (Auswahl), 2014

Für die Befürworter der erleichterten Einbürgerung zeigt die Ziffer, dass das Schweizer Bürgerrechtsgesetz sehr streng ist. Die gesetzlichen Anforderungen an eine Einbürgerung im ordentlichen Verfahren sind in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich und darum schwer zu vergleichen. Schon in der Schweiz gibt es bei den Wohnsitz-Fristen grosse Unterschiede zwischen den Kantonen und Gemeinden. So muss man acht Jahre lang im Kanton St. Gallen gewohnt haben, um die Einbürgerungsvoraussetzungen zu erfüllen. Im Kanton Bern reichen dagegen zwei Jahre.

Betrachtet man die Aufenthaltsdauer auf nationaler Ebene, ist die Wartefrist in der Schweiz mit zwölf Jahren eher lang. Die polnische Staatsbürgerschaft kann man dagegen schon nach drei Jahren Aufenthalt beantragen.




Eine Spezialregelung für die dritte Generation kennen ein paar europäische Länder: Laut einer Übersicht des europäischen Hochschulinstituts sind es Belgien, Frankreich, Griechenland, die Niederlande, Luxemburg, Portugal und Spanien. Sie vergeben den Pass – anders als in der Schweiz nun geplant – meist automatisch an Personen, die im Land geboren wurden, wenn schon die Eltern dort auf die Welt kamen.

Einige Länder erlauben keine doppelte Staatsbürgerschaft – eine Forderung, die auch seitens der SVP immer wieder gestellt wird. Zum Beispiel erlischt die alte Staatsbürgerschaft, wenn man sich in Norwegen, Estland, Österreich oder den Niederlanden einbürgern lässt.

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