Tamedia-Wahlumfrage

29. September 2018 17:17; Akt: 30.09.2018 05:56 Print

So stark sind die Parteien ein Jahr vor den Wahlen

Gut zwölf Monate vor den Nationalratswahlen präsentiert sich die Schweizer Parteienlandschaft stabil. Im Tief bleibt die CVP.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am 20. Oktober 2019 wählt die Schweiz. Die Parteien rüsten sich für den Wahlkampf: SP und SVP beispielsweise experimentieren mit Telefonmarketing, die CVP rekrutiert Online-Wahlhelfer. Die dritte Tamedia-Wahlumfrage liefert jetzt Antworten, wie gut die Parteien derzeit in Form sind.

Umfrage
Trauen Sie es CVP-Präsident Gerhard Pfister zu, seine Partei aus dem Tief zu führen?

Wären am vergangenen Wochenende Nationalratswahlen gewesen, hätte die CVP an Wähleranteil eingebüsst. Laut der Umfrage käme sie auf 9,9 Prozent – das sind 1,7 Prozentpunkte weniger als bei den Wahlen 2015. Damit schneidet die Partei etwa gleich ab wie bei der letzten Befragung vor rund drei Monaten.

Fehlt Leuthard der CVP?

Nachdem CVP-Bundesrätin Doris Leuthard per Ende Jahr zurücktritt, verlieren die Christdemokraten zudem ein Zugpferd im Wahlkampf. Wie Politologe Louis Perron im 20-Minuten-Interview sagt, ist Leuthards Rücktritt für die Partei aber auch eine Chance: «Die anstehenden Ersatzwahlen im Bundesrat für Doris Leuthard könnten der CVP einen Impuls geben. Der Partei sind ein paar Wochen angenehme Presse sicher.» Der Normalbürger sehe, wer die Leute hinter der CVP seien.

Insgesamt präsentiert sich die Schweizer Parteienlandschaft laut der Umfrage gewohnt stabil: Die Verschiebungen bei der Wählerstärke im Vergleich mit den letzten Wahlen liegen bei den übrigen Bundesratsparteien innerhalb des statistischen Unschärfebereichs.

Die SVP käme auf 29,7 Prozent, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als 2015. Die FDP erreicht laut der Befragung einen Wähleranteil von 17 Prozent (+0,6 Prozentpunkte). Die SP vereinigt derzeit 17,9 Prozent der Wählerstimmen auf sich (-0,9 Prozentpunkte).

Gesundheitskosten als grösste Sorge

Das drängendste Probleme sehen die Wahlberechtigten nach wie vor in den steigenden Gesundheitskosten: Für 66 Prozent sind sie ein gewichtiges Problem. Die Gesundheitskosten sind damit wie schon bei der letzten Befragung im Juni das Spitzenthema – noch vor der Sorge um die Renten, die 57 Prozent der Wahlberechtigten teilen.

Die Gesundheitskosten sind bei den Anhängern sämtlicher grösserer Parteien mit Ausnahme der SVP und der Grünen das drängendste Problem. Der Wählerschaft der Grünen bereitet die Umweltzerstörung am meisten Sorgen, jener der SVP die Zuwanderung. Die Befragten konnten aus insgesamt 19 Problemkreisen frei wählen.

Mehrheit unzufrieden mit Parlament und Bundesrat

Die Zufriedenheit mit dem Parlament und Bundesrat ist im Vergleich zur letzten Befragung im Juni gesunken. So gaben noch 41 Prozent an, mit der Arbeit von National- und Ständerat zufrieden zu sein (-4 Prozentpunkte). 57 Prozent sind tendenziell unzufrieden (+3 Prozentpunkte), zwei Prozent machten keine Angaben. Mehrheitlich zufrieden sind – anders als die Wähler der Polparteien – die Anhänger von CVP und FDP.

Mit der Arbeit des Bundesrates sind 39 Prozent zufrieden oder eher zufrieden (-7 Prozentpunkte) , ganze 61 Prozent sind unzufrieden oder eher unzufrieden (+8 Prozentpunkte).

EU-Rahmenabkommen verliert an Unterstützung

Auch in der Europapolitik wächst die Skepsis: Zwar sprechen sich noch immer 52 Prozent gegen die Kündigung des Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU aus. Immerhin 44 Prozent wären inzwischen aber zu einer Kündigung bereit. Das sind vier Prozentpunkte mehr als noch im Juni.

Inzwischen ist auch eine relative Mehrheit von 48 Prozent gegen den Abschluss eines institutionellen Rahmenabkommens mit der EU, um die Rechtsübernahme und die Beilegung von Streitigkeiten zu regeln. Die Unterstützung liegt noch bei 43 Prozent. Sie hat damit im Vergleich mit der zweiten Wahlumfrage um sechs Prozent abgenommen.

Gewichtete Online-Umfrage

19'412 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 24. und 25. September online an der 3. Tamedia-Wahlumfrage teilgenommen. Die Umfrage wird in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,3 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibt es hier.

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra G. am 30.09.2018 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Fall ist klar!!!

    Es braucht noch mehr SVP, ansonsten landet die Schweiz in der EU!

    einklappen einklappen
  • Ron A. am 30.09.2018 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt nur zwei Alternativen

    Wer FÜR die Beibehaltung der direkten Demokratie und GEGEN einen EU-Beitritt ist, kann NUR die SVP wählen!

    einklappen einklappen
  • Peter2000 am 30.09.2018 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SVP und FDP

    Wenn das so weitergeht, haben SVP und FDP zusammen 50%. Das wäre super!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cortébert am 01.10.2018 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    CVP war lange zu links

    Pfister kommt für die CVP 10 Jahre zu spät. Darbellay hat mit seinem Linkskurs die CVP dermassen geschwächt, dass die CVP noch lange daran schwer zu beissen hat...

  • Optima am 01.10.2018 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    neue Partei

    Was mir fehlt in der Schweiz ist eine bürgerliche grüne Partei. "Unsere" Grünen sind mir ganz klar zu links(extrem). Darum für mich nicht wählbar.

  • Kurt am 01.10.2018 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Parteilose

    Keine Parteien mehr! Es braucht Menschen mit gesundem Menschenverstand. Und Unabhängig sollten sie sein. Das schliesst jegliche Parteimitgliedschaft aus.

  • Suresch am 01.10.2018 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leuthard-Effekt

    Die CVP fällt und fällt. Gut so! Ist für mich die Windfahnenpartei par excellence! Und dazu nich eine Bundesrätin, die jeweils vor den Abstimmungen dem Volk drohte. Oder dem Volk Wasser schmackhaft machen wollte, selber aber literweise Wein nehmen. Ja, selber schuld!

  • Eliot Ness am 01.10.2018 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    nur so gehts

    als erstes und klares Ziel muss die Selbständikeit der Schweiz in allen Belangen undgrosser Abstand von einem EU Beitritt. Die Euroturbos im Bundesrat müssen verschwinden