In der Super League

28. August 2013 20:17; Akt: 28.08.2013 21:41 Print

So stehen Fussballprofis zu Schwulen

von A. Bättig - In einer Umfrage zeigen sich Schweizer Profifussballer offen gegenüber Schwulen - auch in der Kabine. Trotzdem ist «Schwul» für die meisten ein Schimpfwort.

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Noch immer hat sich weder in der Schweizer Super League noch in der deutschen Bundesliga ein Profi-Fussballspieler als schwul geoutet. Schwulenfeindlich scheinen aber zumindest 31 Profi-Fussballer der Super-League-Vereine FC Basel, FC Luzern, FC Lausanne-Sport und des FC St. Gallen nicht zu sein. Diese Vereine nahmen an einer anonymen Umfrage von «Mannschaft-Magazin» teil, einem Schweizer Magazin für schwule Männer. Satte 87 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen schwulen Mitspieler akzeptieren würden. 64 Prozent hätten zudem keine Mühe, sich vor einem schwulen Kameraden im Umkleideraum umzuziehen. Besonders tolerant sind jene, die bereits einen Schwulen oder eine Lesbe in ihrem persönlichen Umfeld kennen.

Umfrage
Fänden Sie es gut, wenn sich ein Schweizer Profi-Fussballer outen würde?
40 %
13 %
47 %
Insgesamt 6888 Teilnehmer

Auch auf die Mannschaft selber - so die Fussballer - würde sich ein schwuler Mitspieler nicht negativ auswirken. 94 Prozent glauben, dass der Zusammenhalt und die Leistung durch einen Homosexuellen nicht gefährdet wäre. Und 84 Prozent hätten keine Mühe, nach einem Tor ein schwules Teammitglied zu umarmen.

Nicht alle Vereine machten mit

Greg Zwygart, Chefredaktor des Magazins «Mannschaft», freut sich über das Ergebnis: «Ich bin positiv überrascht, dass so viele Mannschaften mitgemacht haben und dass so viele Spieler keine Probleme mit einem schwulen Mitspieler haben.» Doch es gab auch Vereine, die gar nicht bei der Umfrage mitmachen wollten. So zum Beispiel die Grasshoppers oder die Young Boys. «Trotz mehrmaligem Nachfragen», so Zwygart. Beim FC Aarau wurden zwar die Fragebögen verteilt. Kein Einziger wurde von den Spielern ausgefüllt. Äusserst offen hatte sich der FC Basel gezeigt. «Wir würden uns selbstverständlich hinter einen schwulen Fussballspieler stellen und ihn unterstützen», sagt Andrea Roth, Pressesprecherin des FC Basel gegenüber dem «Mannschaft-Magazin».

Trotz der Aufgeschlossenheit gegenüber Schwulen im Schweizer Fussball zeigt die Umfrage auch, dass die meisten Fussballer das Wort «Schwul» als Schimpfwort gebrauchen. 68 Prozent gaben dies in der Umfrage zu. «Dieser Widerspruch finde ich bemerkenswert. Sie haben zwar nichts gegen schwule Männer, verwenden den Begriff gleichzeitig aber als Schimpfwort», so Zwygart.

Coming-out in den nächsten Jahren

Beschimpfungen sind für Zwygart auch ein Grund, warum sich bis jetzt wohl noch kein Spieler als homosexuell geoutet hat. Denn die Umfrage zeigt auch, dass 58 Prozent der Spieler glauben, dass sich die Fans über die Sexualität eines schwulen Spielers lustig machen würden. Zwygart vermutet, dass sich Spieler aus Angst vor zu grossem Medieninteresse nicht outen. «74 Prozent der Spieler denken, dass ein Coming-out eine Fussballerkarriere gefährden könnte. Dass es aber in der Super League schwule Spieler haben muss, ist für mich unbestritten.» Er rechnet damit, dass es in den nächsten zwei bis drei Jahren das erste Coming-out eines Profi-Fussballers in der Super League geben wird.

Sollte sich jemand tatsächlich entschliessen, sich zu outen, hätte er gemäss Marco von Ah, Mediensprecher des Schweizer Fussball-Verbands, die Unterstützung des SFV. «Wenn jemand mit einem solchen Anliegen an uns heranträte, würden wir uns diesem sicher nicht verschliessen und bei Bedarf auch entsprechende Fachstellen zu Hilfe ziehen.» Doch bis jetzt sei das noch kein Thema gewesen. «Wir hatten bis jetzt nicht den Eindruck, dass es im Schweizer Fussball Probleme mit Schwulenfeindlichkeit gibt. Deshalb haben wir auch keine Sonderprogramme.» Zudem sei die sexuelle Orientierung der Spieler Privatsache.

Das Ergebnis der ganzen Umfrage sowie den Artikel dazu gibt es ab Donnertag, den 28. August 2013, im «Mannschaft-Magazin» zu lesen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Schade, dass nur gerade 4 Clubs mitgemacht haben. Somit reichts wohl noch nicht für einen Tabu-Bruch. Es wäre höchste Zeit. Ist doch völlig egal, welche Gesinnung jemand hat, hauptsache der Charakter stimmt, und die Leistung im Beruf/Sport. – Na Sowas

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schwuler Fussballfan am 28.08.2013 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sofort outen!

    Ja bitte, outet euch, hört auf euch zu belügen und werdet glücklich! Auch die einfach gestrickten, heldenhaften, alkoholisierten und rowdyhaften 'fans' werden sich daran gewöhnen.

  • Norbert am 29.08.2013 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schwulsein ist ganz normal

    Meistens sind diejenigen am "Schwulen"-feindlichsten, die selber in sich schwule Neigungen fest stellen. Aus Abwehr, oder aus Angst man sei kein rechter Mann, sind solche Typen oft gegenüber Schwulen negativ eingestellt. Meine Erfahrung ist, dass Leute, die gut geerdet sind und wissen, wohin sie gehören, auch gegenüber Schwulen null Probleme haben. Wer sich gegenüber Schwulen öffnet, merkt, dass es A) viel mehr davon gibt, als man denkt und B) es viele tolle, sehr männliche, intelligente, coole Schwule gibt. Die schrille Schwulenwelt, die viele mitbekommen, ist lediglich eine kleine Facette.

  • Fussballneindanke am 28.08.2013 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Fussballfans = Kindsköpfe?

    "Du bisch Schwul", "Du bisch Behinderet", habe ich zuletzt als 14 Jähriger als Schimpfwort benutzt. Von Reife zeugt es bestimmt nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andi Lutz am 30.08.2013 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Uninteressant

    Klar sagt jeder, dass sie hinter einem schwulen Spieler stehen würden, da sagt ja wohl niemand nein. Aber ganz im Ernst, interessiert das wirklich jemanden? Wen soll das jetzt kümmern, ob Barnetta oder so schwul ist? Das sind auch nur Menschen. Erinnert mich an die Iphone-hysterie, viel Geschrei um nichts^^

  • John Dorian am 30.08.2013 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Sportliche Leistung?

    Ich versteh nicht, was die sexuelle Gesinnung mit der sportlichen Leistung zu tun haben soll. Als ob Mann weniger Mann wäre.. Es dauert wohl noch einige Jahre, bis die Homophobie besiegt ist!

  • Youngster am 29.08.2013 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Der "Harte Kern" würde mobben

    Es zwar irgendwie traurig dass man seine Sexualität nicht öffentlich ausleben kann, doch ich empfehle es den Fussballern, dieses Geheimniss für sich zu behalten. Die Fangesänge der Clubs sind heute zum Teil schon wirklich demütigend, kaum auszudenken wenn die Fans wissen das ein Spieler Schwul ist.

  • Johannes am 29.08.2013 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Die Natur weiss, weshalb es Schwule gibt

    Schwulsein ist so normal wie, dass manche Bäume ihre Blätter im Herbst verlieren. Schwulsein ist eine Facette von Sexualiät, wie es viele andere noch gibt. Auch im Tierreich beobachtet man immer wieder Homosexualität. Ich glaube, nicht ganz normal ist derjenige, der extrem Mühe hat mit Schwulen, nicht der Schwule selber. Es muss einen Grund geben, weshalb einige Menschen das Schwulen-Gen in sich tragen (ich glaube, dass Schwulsein vererbar ist!). Die Natur wird einen Grund haben, weshalb es Homosexualität gibt.

  • Patrick R. am 29.08.2013 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso outen?

    Ob jemand Hetero oder Schwul ist, spielt doch keine Rolle, die persönliche Sexualität ist Privatsache. Ich bin überzeugt, dass es einige schwule Profifussballer gibt, aber ich finde es nicht nötig, dass sie sich outen müssen. Wieso auch? Sie sollen super Fussball spielen, und auf dem Rasen ihren Mann stellen, das kann mann egal ob man hetero oder gay ist.

    • Peter am 30.08.2013 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      Ihren Mann stellen...

      Ja genau, solange sich Homosexuelle genau gleich wie Heteros verhalten, hasst du nix dagegen, Hauptsache Sie benehmen sich "männlich", was auch immer das heisst. Aber wieso findest du denn nicht auch, dass heterosexuelle Paare sich nicht öffentlich zeigen sollen? Tun sie ja auch, Händchenhalten, Küssen, Fotostrecken in Magazinen, usw. Ist doch laut deinem Kommentar auch Privatsache und geht niemanden was an... Aber da ists in Ordnung? Sorry, einfach nur eine billige Ausrede für deine unterschwellige Homophobie

    • Roman Bolliger am 30.08.2013 16:41 Report Diesen Beitrag melden

      Vor dem Outing - nach dem Outing

      Wenn der ungeoutete schwule Fussballer dann, statt mit einer Alibi-Freundin Heterosexualität vorzugaukeln wirklich und unkompliziert in Begleitung seines Freundes zum sozialen Event erscheinen kann, ohne sich verstellen zu müssen, dann ist auch gut. Das Outing passiert dann ganz von selbst. Danach ist dann wohl auch eine längere Partnerschaft oder gar offizielle eingetragene Partnerschaft möglich. Vor einem Outing ist das gar nicht möglich, weil man sich zu dem Zeitpunkt ja immer noch krampfhaft verstellen und verstecken muss, was wohl echt stressig und ungesund ist!

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