Verspätungen und Ausfälle

13. Februar 2019 05:44; Akt: 13.02.2019 08:29 Print

So viel Entschädigung könnte die SBB zahlen

Wenn ein Zug zu spät ankommt oder ausfällt, will die SBB künftig mehr zahlen. 20 Minuten hat berechnet, was das kosten könnte.

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Er schäme sich fast, dass Kunden heute bei Verspätungen nur einen Kaffee-Bon erhalten, sagte SBB-Chef Andreas Meyer kürzlich und kündigte an, dass Bahnreisende bei Verspätungen und Ausfällen künftig höhere Entschädigung zu bezahlen. «Ab einer gewissen Verspätung könnten etwa 50 Prozent des Billettpreises zurückerstattet werden, in gravierenden Fällen sogar der volle Preis», so Meyer gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Doch was würde das die Bundesbahnen kosten? Schweizweit gab es im Dezember 2018 1240 Ausfälle von Zügen der SBB, zudem kam es bei 86 Verbindungen zu Verspätungen von mehr als 60 Minuten, wie Zahlen der Plattform Open Transport Data zeigen. Gemäss SBB sitzen in ihren Zügen durchschnittlich 128 Passagiere, bei einem Angebot von durchschnittlich 453 Plätzen entspricht das einer Auslastung von 28,2 Prozent.

Experte erwartet keinen Preisanstieg

Die durchschnittliche Reisedistanz betrug laut SBB-Zahlen 40 Kilometer, das entspricht etwa der Distanz Zürich HB – Frauenfeld. Ein Einfach-Billett zweiter Klasse kostet hier 20.40 Franken, mit Halbtax 10.20 Franken, in der 1. Klasse ist man ab 17.90 Franken dabei. Nimmt man einen Durchschnittsbillettpreis von 15 Franken und eine generelle Rückerstattung von 50 Prozent des Preises an, so hätte die neue Regelung die SBB im Dezember 1'272'960 Franken gekostet.

Zum Vergleich: Für Sparbillette hat die SBB in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils 30 Millionen Franken pro Jahr aufgewendet. Edwin Dutler von Pro Bahn erwartet durch die neue Regelung dann auch keine Verteuerung der Billette. «Bereits jetzt sind ja etwa die Schwarzfahrerquote und die Sparbillette in den Preis eingerechnet, da machen diese Entschädigungen keinen grossen Unterschied.»

Kommt eine europäische Regelung?

Dutler erwartet, dass die SBB die europaweiten Ansätze für Verspätungen anwenden wird: 25 Prozent bei einer Verspätung über 60 Minuten, 50 Prozent bei Verspätungen über 120 Minuten. «Es macht am meisten Sinn, auf eine einheitliche Lösung zu setzen.» Der berechnete Betrag sei darum wohl noch zu hoch gegriffen.

Welche Ansätze seitens der SBB genau geplant sind, will das Unternehmen noch nicht sagen. Auch wer ein GA besitzt, soll entschädigt werden, wie stark, ist noch unklar. Das Bundesamt für Verkehr arbeite derzeit mit der ÖV-Branche an einer Verordnung, in der die Details zu den künftigen Entschädigungszahlungen bei Verspätungen geregelt werden.

Doch wie teuer wird es im konkreten Fall? Je nach Zugbelegung und -grösse dürfte es grosse Unterschiede geben, wie diese drei Beispiele zeigen.

Szenario 1
Ein rappelvoller Pendlerzug von Bern nach Zürich bleibt stehen und fällt aus, die Passagiere müssen den Zug verlassen und auf andere Art und Weise weiterreisen. 30 Prozent der Passagiere haben ein GA, weitere 40 ein Halbtax. Davon sind je ein Viertel in der 1. Klasse unterwegs. Den insgesamt 921 Kunden wird der halbe Preis erstattet. Bei einem geschätzten durchschnittlich bezahlten Billettpreis von 35 Franken kostet der Zugausfall die SBB insgesamt 16'117.50 Franken.

Szenario 2
An einem Wochenende im Frühling zieht es viele Familien ins Tessin, der mit zwei Kompositionen geführte Intercity von Basel nach Lugano ist mit 553 Passagieren zur Hälfte voll. 10 Prozent der Reisenden haben ein GA, 30 Prozent ein Halbtax, 30 Prozent sind Kinder. Der Zug verspätet sich aber wegen einer Störung und trifft 70 Minuten zu spät in Lugano ein. Erstattet die SBB deshalb 50 Prozent des durchschnittlichen Billettpreises von geschätzt 45 Franken zurück, kostet sie das 12'442.50 Franken.

Szenario 3
Ein Regioexpress von Olten nach Luzern fällt nachmittags aus, weil er von Olten nicht weiterfahren kann. Der Zug ist mit 87 Reisenden zu 40 Prozent belegt. Wenige Minuten nach der geplanten Abfahrt gibt es jedoch eine weitere Verbindung nach Luzern. Unklar ist, ob die SBB auch in solch einem Fall bezahlt – und wie viel. Wenn die Kunden 50 Prozent des Billettpreises (geschätzter Schnitt: 15 Franken) zurückerhalten, kostet es das Unternehmen 652.50 Franken.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cat's Eye am 13.02.2019 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preiserhöhung wirklich vom Tisch?

    Das Geld für die Entschädigung muss ja von irgendwo her kommen. Also von der Luft mal ganz sicher nicht..

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  • SBB-Schruuber am 13.02.2019 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns sparen aber Passagieren mehr entschädigen.

    Lieber bei den Kaffee-bons verbleiben und dafür im Unterhalt weniger sparen lieber Herr Meyer! Wir würden uns sehr freuen... danke ;)

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  • Typhoeus am 13.02.2019 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück gibt es

    20 Minuten, die ja Lösungen für ALLES parat haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau Fuzzinello am 16.02.2019 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Und das ganze bezahlt der Autofahrer. Das ist schon eine Rot-Gründiktatur.

    • Xeno72 am 18.02.2019 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      nur zu!@Frau Fuzz

      Wenn Du die Finanzierung des öV ändern willsr, musst Du eine neue "Milchkuh"-VI starten. Es wird bis 2024 dauern, bis wir Normalen sie dann an der Urne an die Wand hauen.

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  • BREAKING NEWS am 13.02.2019 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    SBB entschädigt Autofahrer

    Künftig wird die SBB jedem Autofahrer einen 10-Franken-Reisegutschein ausstellen, wenn er länger als 5 Minuten vor einem Bahnübergang warten muss. Die SBB bedankt sich damit bei ellen Autofahrern für die Querfinanzierung des tollen Bahnangebots und will diese möglichst zum Umsteigen anregen. Wenn die Schweiz die Klimaziele in Gefahr sieht, werden die Bahnschranken künftig einfach alle länger als 5 Minuten unten bleiben.

  • rené am 13.02.2019 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    peanuts...

    - unser ueli hat ja fast 3'000'000'000 gewinn geschrieben..

  • Tiru Die am 13.02.2019 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fernbusse müssen gleiche Regeln bekommen

    Die Fernbusse und alle anderen ÖV Unternehmungen müssen auch genau gleich Entschädigungen bezahlen wie die SBB. Sonst ist dies ein ungerechtes Spiel.

  • Martin am 13.02.2019 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Trau keiner Statistik, die du nicht...

    Rechnungen mit ganz vielen Schätzungen zu Passagieren, Bilettpreisen, GA Anteil und ignorieren des wirklichen Endziels der Passagiere (Nicht überall haben wir Halbstundentakt).l Und als erkenntnis dann ein genauer betrag von XX'XXX Franken und 50 Rappen. RAPPEN! Grundlagen Statistik: Nicht bestanden! Grundlagen Mathemtik und vernündtiges Runden: Nicht bestanden! Aber was solls, bin ja selber schuld, hab ich mich auf eine fundierte Recherche gefreut...