Wehrpflichtabgabe

10. Juli 2019 04:46; Akt: 10.07.2019 06:47 Print

So viel kostet Secondos der rote Pass wirklich

Nach einer Gesetzesänderung müssen kürzlich eingebürgerte Secondos viel länger Wehrpflichtersatz leisten. 20 Minuten zeigt, wie viel sie die Einbürgerung nun kostet.

Nach einer Gesetzesänderung müssen kürzlich eingebürgerte Secondos viel länger Wehrpflichtersatz leisten. Luis R.* erzählt im Video, was das für ihn und seine Familie bedeutet. (Video: M. Medricky)
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2017 bezahlten 248'000 junge Schweizer 174 Millionen Franken Wehrpflichtersatz. Seit diesem Jahr werden auch Secondos wie Fabio P.* stärker zur Kasse gebeten. Er muss nach einer Gesetzesänderung bis zum 37. statt bis zum 30. Geburtstag drei Prozent seines Einkommens an den Staat abliefern. Er kritisiert, im Einbürgerungsverfahren nicht über das neue Gesetz aufgeklärt worden zu sein.

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Für viele Leser ist darum klar, dass sie mit der Einbürgerung lieber zuwarten. Der Niederländer J. D.* (23) etwa wohnt seit zwölf Jahren in der Schweiz. Er sagt: «Ich warte bewusst mit dem Schweizer Pass. Ich sehe nicht ein, wieso ich einrücken oder die Ersatzabgabe leisten sollte, wenn ich das vermeiden kann.» Viele seiner Kollegen stimmten ihm zu.

So wirkt sich die Gesetzesänderung aus

Wie teuer Secondos eine Einbürgerung effektiv zu stehen käme, zeigen die folgenden Rechenbeispiele. Es handelt sich um fiktive Fälle.

Darko (22)
0 bis 15'650 Franken

Der 22-Jährige kommt ursprünglich aus Serbien und ist Student im Masterstudium. Er könnte nach einer Einbürgerung noch den Militär- oder Zivildienst leisten oder in den Zivilschutz eingeteilt werden. Ist er untauglich, muss er elf jährliche Ersatzabgaben entrichten. Da er noch studiert und danach reist, bezahlt er in den ersten zwei Jahren das Minimum von 400 Franken im Jahr. Später kommt er auf ein durchschnittliches steuerbares Einkommen von 55'000 Franken. Die Ersatzabgabe summiert sich auf insgesamt 15'650 Franken. Hinzu kommen die Kosten für die Einbürgerung.

Giovanni (29)
7'200 Franken

Der Italo-Schweizer lässt sich mit 29 einbürgern. Für die RS oder den Zivildienst ist er zu alt, weshalb er die Abgabe leisten muss. Der Automechaniker erzielt ein durchschnittliches steuerbares Einkommen von 30'000 Franken. Das Jahr der Einbürgerung zählt noch nicht. Er zahlt somit etwa 7200 Franken Wehrpflichtersatz. Vor der Gesetzesänderung hätte er einen Bruchteil davon bezahlt.

Heiko (19)
0 Franken

Der deutsch-schweizerische Doppelbürger Heiko bezieht eine IV-Rente und ist dienstuntauglich. Weil er erheblich körperlich behindert ist, ist er von der Ersatzabgabe befreit.

Abbas (33)
14'400 Franken

Mit 33 beschliesst Abbas, Schweizer zu werden. Mit dem neuen Gesetz muss auch er eine Abgabe bezahlen. Er hat in der Unternehmensberatung Karriere gemacht und kommt auf ein steuerbares Einkommen von durchschnittlich 120'000 Franken im Jahr. Seine Armee-Rechnung beläuft sich auf total 14'400 Franken.

* Namen der Redaktion bekannt

(daw/mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 10.07.2019 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Rechte Schweizer Pflichten

    Wer sich absichtlich vor der RS drückt , sollte danach gar nicht eingebürgert werden.

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  • Yannick85 am 10.07.2019 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    Ich seh das Problem nicht. Wer Schweizer werden will, soll auch wie einer behandelt werden!

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  • Gabriel F am 10.07.2019 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ab dem 37. Geburtsjahr

    Nur noch bis 37. Jahre erleichterte Einbürgerungen ermöglichen. Es kann nicht sein dass solche Drückeberger einfach zu Schweizer werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Erster am 11.07.2019 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein

    Gedanke! Bloss Schweizer und das Motzen geht los? Aber wer zwang Schweizer zu werden? Das Gesetz war da bevor ihre Einbürgerung..Unkenntnis schützt vor dem Gesetz nicht? Aber sie können alles rückgängig machen!

  • Auf Passer am 11.07.2019 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Fremder bei Wahlen

    Die inzwischen ca. 250000 Doppelbürger in der Schweiz sind stimmberechtigt. Leider werden sie meist kaum die Interessen der Schweiz vertreten, da aus ihren Herkunftsländern z. T. die in den Familien weitergegebenen Kulturen und Religionen meist wichtiger sind oder bleiben...

  • MG am 11.07.2019 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wehrpflichtsersatzabgabe

    Völlig absurd. Nebst dem das die schweizerische Landesverteidigung ein totaler Witz ist, finde ich es gerade bei solchen Fällen ein Witz dass der Staad derart erhebliche Summen von den Wehrdienstuntauglichen einzieht. Ich persönlich wurde durch eine Verletzung im Militärdienst doppeltuntauglich und muss jetzt dafür auch noch bezahlen... Wir bedanken uns bei den neural geschädigten Personen die die Wehrpflich in der Schweiz unterstüzen.

  • Italiano 100% am 10.07.2019 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nee, danke.

    Keine Ahnung, weshalb man sich einbürgert. Ich bin hier geboren, aufgewachsen und werde wohl für immer hier bleiben (berufsbedingt), obwohl die Schweiz nicht gerade ein Traumland ist. So geht es wohl den meisten Ausländern. Mir würde nie in den Sinn kommen, nur ansatzweise, den Schweizerpass zu machen. Als Italiener kann man einfach nicht Schweizer werden. Nogo.

  • Claudio am 10.07.2019 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Secondos über 30 sollen zahlen!!

    Ich wurde mit 6 Jahren Doppelbürger und hab genau so Militärdienst geleistet wie meine Schweizer Kameraden. Nur weil die Secondos erst mit 30 sich einbürgern lassen heisst das nicht, dass Sie nur profitieren dürfen und nichts zahlen müssen. Ich bin der Meinung, wenn Sie schon die Staatsbürgerschaft erhalten, dann sollten sie die gleichen Rechte und Pflichten haben. Dies bedeutet auch Wehrpflichtersatz zu zahlen und dies für die Zeit, die meine Mitschweizer und ich Dienst leisten oder zahlen musten. X Jahre diese 3% Ersatzsteuern.