Gratis-Heimflug und Theater

23. Februar 2017 11:40; Akt: 23.02.2017 11:40 Print

So will die Schweiz Flüchtlinge fernhalten

von Nikolai Thelitz - Mit verschiedenen Projekten will der Bund Wirtschaftsflüchtlinge von einer Reise in die Schweiz abhalten. Eine Übersicht.

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Flüchtlinge, welche es sich vor der Fahrt über das Mittelmeer in Libyen noch einmal anders überlegen, unterstützte die Schweiz bei der Rückkehr ins Heimatland mit 1,054 Millionen Dollar. Es wurde bis hin zum Heimflug alles organisiert. 722 Flüchtlinge wurden so zurückgeschafft. Eine TV-Serie soll nigerianischen Migranten die Realität von Flüchtlingen in der Schweiz näherbringen. Die Story: Joshua, ein junger Student aus Lagos, gelangt mit einem gestohlenen Visum in die Schweiz. Hier realisiert er, dass es beinahe unmöglich ist, Asyl zu bekommen. Er ist der Hauptdarsteller der TV-Serie: Kunle Remi. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) beteiligte sich mit 450'000 Franken an dem Projekt. Das SEM half 2009 und 2010 im Kongo das «Maison des Congolais de l'Etranger et des Migrants» aufzubauen. Theater- und Musikstücke sollen auf die Gefahren der irregulären Migration aufmerksam machen. Das SEM unterstützte auch ein Projekt am Horn von Afrika. Dieses bot Anlaufstellen für Migranten an, um diesen Informationen über ihre Rechte und die Gefahren der irregulären Migration wie zum Beispiel des Menschenhandels zur Verfügung zu stellen. Äthiopien ermöglicht Flüchtlingen aus Eritrea, die in einem Flüchtlingscamp wohnen, unter gewissen Bedingungen in die Hauptstadt Addis Abeba zu ziehen und dort eine Zukunft aufzubauen, etwa als Coiffeur ... ...oder Verkäuferin auf einem Markt. Das SEM finanzierte von Ende 2014 bis Dezember 2016 dort mit insgesamt 1,05 Millionen Franken ein entsprechendes Projekt mit. Seit 2013 unterstützt die Schweiz ein UNHCR-Projekt, welches in erster Linie die Kapazitäten der zuständigen türkischen Behörden bei der Registrierung der syrischen Flüchtlinge verbessern soll.

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Die Schweiz finanziert eine 13-teilige TV-Serie in Nigeria, die potenzielle Migranten über die Gefahren der Flucht und die widrigen Lebensumstände für illegale Flüchtlinge in der Schweiz informieren soll. Dies ist bei weitem nicht das einzige Projekt, mit dem der Bund der irregulären Migration vorbeugen will. Einige Beispiele:

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1. Gratisflug nach Hause

Flüchtlinge, die es sich vor der Fahrt über das Mittelmeer in Libyen noch einmal anders überlegen, unterstützte die Schweiz bei der Rückkehr ins Heimatland mit 1,054 Millionen Dollar.

Die Internationale Organisation für Migration IOM organisierte Reisedokumente bei den Botschaften, Migranten erhielten die nötige medizinische Behandlung vor der Abreise, und auch Rückflug und Familienzusammenkunft wurden geplant. 722 Flüchtlinge wurden so zurückgeschafft. Das Projekt ist Ende August 2016 ausgelaufen. Ähnliche Projekte wurden in Marokko (170'000 CHF) und auf dem Balkan (1'050'000 CHF) realisiert.

2. Theater, Musik und Mikrokredite

Um den Maliern die Risiken einer Reise nach Europa klarzumachen, finanzierten das SEM und andere Geldgeber 2008 ein Theaterstück, das in acht Städten Malis aufgeführt wurde und sich um Geschichten von Maliern auf der Flucht, in der Schweiz und bei der Rückkehr ins Heimatland drehte.

Figur Amadou lebt beispielsweise in der Schweiz, dessen Verwandte in Mali erwarten Geldsendungen. Er selbst ist aber arbeitslos und muss seine hohe Handyrechnung begleichen. Das Stück, welches 60'000 Franken kostete, versucht laut SEM «mit Humor, gängigen Mythen über die Zielländer von potenziellen Migrantinnen und Migranten zu begegnen».

Das SEM half mit 500'000 Franken, im Kongo das «Maison des Congolais de l’Etranger et des Migrants» aufzubauen. Das Zentrum informiert seit 2009 die Kongolesen im Raum Kinshasa über das Asylrecht und über die Gefahren der irregulären Migration.

Für diese Aktionen nutzte das Projekt Theater- und Musikstücke, Plakat-Aktionen sowie TV- und Radiospots. Allein mit dem Theaterstück konnten über 22'000 Personen erreicht werden. Es wurden zudem 100 verletzliche Frauen (zum Beispiel alleinerziehende Mütter und potentielle Migrantinnen) durch Mikrokredite und Schulungen unterstützt. Das Projekt wurde auf weitere Städte ausgeweitet.

3. Flüchtlingscamps in Nachbarländern unterstützen

Äthiopien ermöglicht Flüchtlingen aus Eritrea, die in einem Flüchtlingscamp wohnen, unter gewissen Bedingungen in die Hauptstadt Addis Abeba zu ziehen und dort eine Zukunft aufzubauen. Das SEM finanzierte von Ende 2014 bis Dezember 2016 dort mit insgesamt 1,05 Millionen Franken ein entsprechendes Projekt mit. Etwa 6000 Menschen nutzten das Angebot.

Auch im Sudan landen viele Flüchtlinge aus Eritrea. Ein aktuelles Projekt beteiligte sich mit 72'500 Franken an der Renovation von drei eritreischen Schulen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum und bietet heute Kurse zur Alphabetisierung und in Mathematik für eritreische Flüchtlingsfrauen im Sudan an, um deren Integration in ihrem Erstaufnahmeland zu erleichtern. Auch Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren, viele von ihnen unbegleitete Minderjährige, werden fehlende Kenntnisse vermittelt, damit sie im nächsten Jahr in die normale eritreische Schule gehen können.

4. Information und Krisenmanagement

2009 und 2010 unterstütze das SEM ein Projekt am Horn von Afrika mit 450'000 Franken. Dieses bot Anlaufstellen für Migranten, in denen diesen Informationen über ihre Rechte und die Gefahren der irregulären Migration wie zum Beispiel des Menschenhandels zur Verfügung gestellt werden.

Zusätzlich werden besonders verwundbare Migranten an Hilfswerke und Aufnahmezentren weitervermittelt. Neben dem Aufbau dieser Anlaufstellen organisierte die verantwortliche Internationale Organisation für Migration (IOM) Ausbildungsveranstaltungen für lokale Behörden.

Zusammen mit der EU unterstützt die Schweiz den Libanon beim «Border mMnagement». Ziel ist es, die Kapazitäten der libanesischen Grenzbehörden im Umgang mit Migrations- und Flüchtlingsströmen zu stärken. Kosten: 800'000 Franken. Konkret kümmert sich das SEM um Bereiche wie Krisenmanagement, standardisierte Asyl-Mechanismen an den Grenzen, Rechte von Migranten und Flüchtlingen.

5. Selbstständigkeit für Junge fördern

Das SEM unterstützt die Regierung Guineas bei der Förderung von Selbstständigkeit der jungen Gunineer. Mittels Ausbildung, Finanzierung von Projekten und der Bildung von Jugendverbänden und wirtschaftlichen Interessengemeinschaften sollen für die jungen Leute Perspektiven im eigenen Land geschaffen werden. Die Schweiz finanziert das 18 Monate lang dauernde Projekt mit 300'000 Franken. Bisher konnten 150 Personen davon profitieren.

Ob durch diese Projekte tatsächlich weniger Migranten in die Schweiz kommen, ist laut SEM schwierig zu ermitteln. «Eine exakte Wirkungsanalyse vorzunehmen, ist wissenschaftlich schwierig. Dazu ist die Zielgruppe zu gross und zu heterogen und die Faktoren, die den Entscheid zur Migration beeinflussen, sind zu vielfältig. Das spricht aber in keiner Weise gegen die Durchführung solcher Projekte», sagt Sprecher Lukas Rieder.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lämpel am 23.02.2017 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Junge Männer

    Ich dachte Flüchtlinge sind Frauen Kinder und Männer. Auf dem Bild (im Flugzeug) sind halt doch, obwohl es immer abgestritten wird, nur junge Männer.

  • Ken-Guru am 23.02.2017 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Florierende Flüchtlingsindustrie

    Langsam habe ich die Nase voll, von unserer wohl wahrlich florierenden Flüchtlingsindustrie! Es wird höchste Zeit, dass endlich für unsere eigenen Leute geschaut wird, welche oftmals mit 50 Jahren kaum wissen, wie es in Zukunft weitergehen soll und besser wird es in dieser Hinsicht nicht mehr werden.

  • [HazE]Büsi am 23.02.2017 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Geld gehört den Schweizern!!

    Und was ist mit unseren Schweizern die quasi nichts zum Leben haben?! AHV etc wird immer alles gekürzt, nur damit der Bund wieder Geld ins Ausland abgeben kann. Eine totale Frechheit soetwas! Es gäbe genügend Schweizer die dieses Geld nötig hätten! Da sieht man wieder als Einheimischer ist man Null Wert beim Bund!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Bachmann am 23.02.2017 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nichts nütz!!!

    das ist zum fenster hinausgeworfenes geld!!!!!

  • Dr. Med Wurst am 23.02.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschlichkeit fehlt

    In jedem Land gibt es arme und reiche Leute. Aber ich kann mich nicht erinnern, gelesen zu haben, dass hier unzählige CH-Bürger verhungern müssen,Familien keine Wohnung haben,oder Schweizer Angst vor Verfolgung und Mord haben müssten. Die "wenigen paar Millionen",welche die CH hier ausgibt,verkraftet das reichste Land der Welt inkl. seinen Bürgern locker und lässig.

  • R3m0n1 am 23.02.2017 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was denn nun?

    Von den Rechten heisst es immer "wir etwas im Ursprungsland machen, bei der Wurzel anpacken." Und jetzt macht man das und was ist die Reaktion hier in den Kommentaren? Was wollt ihr nun? Kann mir das bitte einer erklären.

  • [HazE]Büsi am 23.02.2017 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Geld gehört den Schweizern!!

    Und was ist mit unseren Schweizern die quasi nichts zum Leben haben?! AHV etc wird immer alles gekürzt, nur damit der Bund wieder Geld ins Ausland abgeben kann. Eine totale Frechheit soetwas! Es gäbe genügend Schweizer die dieses Geld nötig hätten! Da sieht man wieder als Einheimischer ist man Null Wert beim Bund!

  • Lämpel am 23.02.2017 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Junge Männer

    Ich dachte Flüchtlinge sind Frauen Kinder und Männer. Auf dem Bild (im Flugzeug) sind halt doch, obwohl es immer abgestritten wird, nur junge Männer.