Bettwanzen-Plage in der Armee

26. Juni 2019 11:24; Akt: 26.06.2019 11:24 Print

«Soldaten brachten Kleider im Müllsack heim»

Letzte Woche suchten Bettwanzen einen WK heim. Die Kleider hätten die Soldaten in einem Abfallsack nach Hause tragen müssen, empört sich eine Mutter.

Soldaten sortieren all ihre Habseligkeiten, bevor sie ihre Kleider in schwarze Müllsäcke packen. Der Grund: Eine Bettwanzen-Plage. (Quelle: B.B.)
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Im Video sortieren Soldaten all ihre Habseligkeiten, bevor sie ihre Kleider in schwarze Plastiksäcke packen. Der Grund für diese ungewöhnlichen Wochenendvorbereitungen: Rund 30 Armeeangehörige, die ihren Wiederholungskurs in Lécherette VD absolvierten, wurden letzte Woche von Bettwanzen heimgesucht (20 Minuten berichtete). Die beiden betroffenen Kompanien wurden in andere Truppenunterkünfte rund um Aigle VD verlegt.

Laut dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) sind sofort Massnahmen zur Sicherstellung des Wohlergehens der Truppe eingeleitet und weitere Desinfektionsmassnahmen ergriffen worden. Dazu gehört die Reinigung sämtlicher Textilien.

«Mein Sohn kam mit einem Müllsack nach Hause»

Doch diese Reinigung scheint der Bund nicht allein übernehmen zu wollen. «Mein Sohn kam letzten Freitag ohne Tasche, dafür mit einem schwarzen 60-Liter-Kehrichtsack voller Kleider nach Hause. Diese mussten wir dann von den Bettwanzen befreien», so Barbara B.*, die Mutter eines betroffenen Soldaten.

Zwar hätten die Soldaten den Müllsack vorher im Kühler in der Kasernenküche einfrieren dürfen, warum die Kleider aber nicht direkt von der Armee gewaschen worden seien, könne sie sich nicht erklären. «Wenn nur eine Bettwanze das Einfrieren überlebt hätte, wären wir auch zu Hause von der Plage betroffen gewesen», so die 44-jährige Ostschweizerin.

Entwürdigende Blicke auf dem Nachhauseweg

Am meisten stört sie, dass die Soldaten ihren Nachhauseweg mit Kehrichtsäcken bewältigen mussten. «Wie würden Sie schauen, wenn ein Soldat in Uniform mit einem grossen Müllsack unterwegs ist?» Die vielen Blicke seien ihrem Sohn und seinen Kollegen extrem peinlich gewesen, so B. «Eigentlich sollte diesen jungen Männern für ihren Dienst Respekt gezollt werden. Eine solche Erniedrigung ist ein echtes Armutszeugnis für die Schweizer Armee.»

«Absolut unzufrieden, wie Armee Situation handhabt»

Dies sei aber auch schon alles, was sie von dieser Bettwanzenplage wisse, so die Mutter. «Als ich am Wochenende nachfragen wollte, entgegnete mir mein Sohn, dass sie nichts dazu sagen dürften.» Sie seien mundtot gemacht worden. «Ich weiss aber, dass die Bettwanzen bereits in der ersten WK-Woche entdeckt wurden, aber der Ausbruch von der Armee erst in der zweiten Woche kommuniziert wurde», so B. Sie sei absolut unzufrieden damit, wie die Armee die Situation handhabe.

«Keine Textilien der Armee nach Hause genommen»

Das VBS kann die Kritik von Barbara B. nicht nachvollziehen: «Ab dem Zeitpunkt der Bestätigung des Bettwanzenvorfalls wurden durch die Soldaten keine Textilien der Armee mit nach Hause genommen.» Sämtliche Textilien der Armee seien durch die Logistikbasis der Armee eingezogen und in Thun gewaschen worden. Andere Ausrüstungsgegenstände wie Gepäckstücke seien zwecks Dekontamination eingefroren worden, so das VBS. «Dass Kehrichtsäcke mit eingefrorenem Inhalt nach Hause genommen wurden, ist auszuschliessen, da die Tiefkühlung der Ausrüstung weiterhin läuft.»

Die Soldaten bekamen gemäss VBS aber die Möglichkeit, ihre persönlichen Textilien wie Socken oder Unterwäsche in einem luftdicht verschlossenen Plastiksack nach Hause zu transportieren. Mit der Anweisung, die Kleider zu Hause direkt heiss zu waschen, seien laut Sanität so alle notwendigen Sicherheitsmassnahmen ergriffen worden, um einer Kontamination vorzubeugen, so das VBS.

Kein Redeverbot

Auch den Vorwurf, dass die Plage hätte verhindert werden können, weist das VBS von sich: Die gesicherte Diagnose über den Bettwanzenbefall sei erst ab Montagmittag der zweiten WK-Woche vorgelegen. «Daraufhin hat das Bataillon in Zusammenarbeit mit der Logistikbasis umgehend sämtliche Massnahmen eingeleitet.»

Davon, dass Soldaten mundtot gemacht worden seien, will die Armee nichts wissen. «Die Kommandanten der betroffenen Kompanien weisen darauf hin, zu keiner Zeit ein Redeverbot verhängt zu haben», so das VBS. Die Soldaten seien lediglich darauf aufmerksam gemacht worden, dass anderweitige Stellen für die Kommunikation mit den Medien zuständig seien. «Hingegen erging kein Verbot, Angehörige über den Vorfall zu informieren.»

*Name der Redaktion bekannt

(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.B. am 26.06.2019 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    was soll hier peinlich sein?

    Finde es eher peinlich, dass das Mami zu den Medien rennt, anstatt in einem Muellsack die Kleider heim zu tragen...

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  • Maxxxxxxxxxxxxxx am 26.06.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Die heutigen Mütter empören mich!

    Die heutigen Mütter empören mich! Wenn die so weiter machen, gehören die bald zu den teuersten und selbständigsten Individuen unserer Zeit!

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  • Kevin Buri am 26.06.2019 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lückenfüller

    Mimimi... Es gibt weiss Gott schlimmeres.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea_Iron am 27.06.2019 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ferienlager

    Die Armee ist ein Ferienlager für Kids geworden. Wenn schon solches nicht bewältigt werden kann dann habe ich grosse Bedenken dass irgend etwas überhaupt bewältigt werden kann.

  • Sonja S. am 27.06.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Bekämpfung

    Aber Wanzen verstecken sich doch in Betten oder Ritzen in der Wand oder?

  • Re. Alist am 27.06.2019 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt doch

    Bettwanzen in einer Asylunterkunft würden für Schlagzeilen auf den Titelseiten reichen! Bei WK Soldaten reicht eine kleine Erwähnung ohne öffentliche Reaktionen!

  • Küsche am 27.06.2019 02:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kuchitiger

    Tipp: Wie wärs mit der guten altbewährten Feldpost!

  • Der Denker am 27.06.2019 00:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Problem-Management der Profis

    Einmal mehr hat es die CH-Armee versäumt in einer solchen Situation Führung zu übernehmen. Wenn schon solches Ungeziefer im Militär aufgelesen wird, dann könnte die Armee auch Beweisen das sie solche Umstände professionell bewältigen kann. Null Punkte für diese Führungskräfte-Crew. Peinlich !

    • Minerspeed am 27.06.2019 01:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Denker

      Und was soll daran Peinlich sein?? das einzige Peinliche ist wenn man als WK Soldat die Wäsche noch der Mutter zum waschen bringt.

    • Mutter ist die Beste! am 27.06.2019 03:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Der Denker, wer vermutet sowas?

      Warum Aufgabe des Managements? Zur Bewältigung müssen unverzüglich Fachkräfte zugezogen werden, koste es was es wolle. Sie glauben doch nicht, dass Bettwanzen einen HD von einem Feldmarschall unterscheiden können. Die Bekämpfung erfordert erhebliche Massnahmen und lt. Kammerjäger sind 13 Schritte unerlässlich. @ Minerspeed auch WKler sind nicht alle liiert...

    • Minerspeed am 27.06.2019 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mutter ist die Beste!

      Auch wenn man nicht liirt ist kann man seine Kleider selber waschen. Was macht den der, wenn Mama nicht mehr da ist? Und zweitens waschen ist ja sicher nicht nur Frauen angelegenheit in der heutigen Zeit sowie so nicht mehr.

    • Andrea_Iron am 27.06.2019 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mutter ist die Beste!

      Sind bloss alle HD heute und niemand weiss noch was dies ist!

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