Atom-Unfall-Szenario

07. Juni 2011 11:17; Akt: 07.06.2011 13:41 Print

Soldaten müssten bei Atom-GAU aufräumen

Wenn es in nächster Zeit in der Schweiz zu einem AKW-Vorfall käme, hätte Bundesrat Ueli Maurer keine Ahnung, wohin man die Betroffenen umsiedeln könnte. Zum Aufräumen könnten auch Soldaten zwangsrekrutiert werden.

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Bei einem Atomunfall würden falls nötig auch Soldaten zwangsverpflichtet, wie Bundesrat Ueli Maurer im Nationalrat sagte. Aufnahme von ABC-Soldaten, die einen Lastwagen dekontaminieren. (Bild: Keystone)

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Dass die Schweiz nicht vollständig auf einen Atomunfall vorbereitet ist, bestätigte Verteidigungsminister Ueli Maurer im Nationalrat. «Wenn es wirklich zu einem GAU kommt und Zehntausende umgesiedelt werden müssten, weiss ich zurzeit auch nicht, wohin sie gehen würden.» Das müsse er ehrlich sagen. Unmittelbaren Schutz böten Schutzräume, doch Konkretes müsse «im Ereignisfall geprüft werden», sagte er in der Fragestunde. Maurer verwies auf die gesetzlichen Grundlagen und sagte, Details wie die Zielorte bei einer Evakuierung hingen vom Verlauf des Ereignisses ab.

Er gehe davon aus, dass rund zwei Drittel der Betroffenen bei Verwandten, Bekannten oder in Ferienhäusern unterkämen, sagte Maurer. Der Rest würde in Hotels, Turnhallen, Gemeindesälen und ähnlichen Einrichtungen einquartiert. Wo genau sei eine «politische Frage». Derzeit erstelle das Verteidigungsdepartement zusammen mit der ETH eine Studie über die Bevölkerungsbewegungen bei Evakuierungen. Maurer antwortete auf eine Frage der Grünen Nationalrätin Franziska Teuscher, die wissen wollte, wohin die Betroffenen im Falle eines AKW-GAU evakuiert und wo sie dauerhaft angesiedelt würden.

Bereits im März hatte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz zu 20 Minuten Online gesagt, dass keine konkreten Evakuierungspläne bestehen. «Niemand kann mit absoluter Sicherheit behaupten, dass wir bei einer solchen Katastrophe die Situation im Griff hätten», sagt Informationschef Kurt Münger damals. Bis Ende 2010 sahen die Pläne des Bundes gar keine Evakuierungen, sondern nur einen Aufenthalt in den lokalen Schutzräumen vor.

Soldaten als «Liquidatoren»

Maurer äusserte sich auch zu den Aufräumarbeiten nach einem allfälligen Atomunfall. Es könnten dafür auch Personen zwangsrekrutiert werden, sagte er auf eine zweite Frage von Teuscher. Dies sehe die Strahlenschutzverordnung so vor. Als Arbeiter im verstrahlten Gebiet - Atomgegner sprechen mit Bezugnahme auf Tschernobyl von Liquidatoren - kommen laut Maurer in erster Linie die Belegschaft des betroffenen Werks in Frage. Doch auch Dritte wären wohl betroffen: Soldaten oder Mitarbeiter von Baugeschäften oder Transportunternehmen könnten ebenfalls zwangsrekrutiert werden. Ein schwacher Trost dabei: Laut Strahlenschutzverordnung sind die «verpflichteten Personen» gegen Unfall und Krankheit versichert.

(mdr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peijter Boog am 07.06.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Mal was zu tun

    Dann hat die Armee wenigstens mal was sinnvolles zu tun. Die Steuernschleuder braucht man ja sonst kaum.

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  • Manuela am 07.06.2011 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Evakuierung?

    In Tschernobyl waren es 700'000 Liquidatoren. Woher diese grosse Zahl von Leuten nehmen? Glaubt ja nicht, aus dem Ausland kämen dann freiwillige Helfer. Das hat man in Japan gesehen: die Amerikaner zogen sich zurück, weil die Strahlenbelastung zu hoch war! Und «Evakuierung» ist das falsche Wort: «Umsiedlung» wäre ehrlicher, denn zurück kann keiner mehr!

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  • Herr Trachsler am 07.06.2011 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals aufräumen!

    Nie im Leben würde ich dort aufräumen gehen, da würd ich mich weigern. Sollen die aufräumen, die damit Geld verdienen oder Werbung betreiben für AKW's. Also die Angestellten, Lobbyisten und Politiker.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • blubb am 09.06.2011 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    AKW-Gau

    ich heiße blubb und möchte wissen was die folgen auf den menschen nach einem akw gau sind `? könnt ihr mir da bitte weiterhelfen das wäre sehr sehr sehr nett dankeschön!!!! hab euch lieeeb (und andre)

  • Keller Matthias, Davos am 08.06.2011 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    "Soldaten müssten bei Atomgau aufräumen

    Ein Risiko einzugehen ohne die Folgen abschätzen und beheben zu können hat etwas mit Dummheit zu tun.

  • Christian Schenk am 08.06.2011 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Spielraum

    Die Schweiz ist zu klein für einen GAU. Im Gegensatz zur Ukraine wäre alles zu, kein Zug dürfte mehr durch das Gebiet fahren, kein Auto. Man hat nicht den Luxus einfach so ein grosses Gebiet zur Sperrzone zu erklären, bei uns ist verkehrstechnisch alles zu sehr vernetzt.

  • Martin Zemp am 08.06.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst Denken dann Entscheiden

    Liebe Leser und Politiker Solange wir nicht in der Lage sind, einen 2000Watt Gesellschaft zu werden, müssen wir nicht über Atomausstieg sprechen. Nun sind die Links- und Gründenker sowie labielen Mitteparteianhänger um Lösungen gefragt. Less is more!

  • Toni Meier Leon am 07.06.2011 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Auf's falsche Pferd gesetzt

    Hätte man in den 60er Jahren den wenig gefährlichen Reaktortyp (Flüssigsalzreaktor) gefördert, hätte man jetzt diese Diskussion nicht. Trotzdem sollte man Heute auf alternative Energien setzen. Bei der Forschung ist man noch lange nicht am Ende der Fahnenstange. Stichwort: Photovoltaik-Gebäudeintegration