Umweltschutz

22. September 2016 20:31; Akt: 23.09.2016 15:25 Print

Soll Plastikgeschirr in der Schweiz verboten werden?

von J. Büchi - In Frankreich dürfen bald keine Wegwerfbecher und -teller aus Plastik mehr benutzt werden. Greenpeace fordert, dass die Schweiz nachzieht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Einweggeschirr aus Plastik hat in Frankreich bald nichts mehr verloren: Ab 2020 sind Plastikbecher, -teller und -besteck beim Picknick oder an der WG-Party tabu. Wie es im Beschluss der Regierung heisst, sind ab diesem Zeitpunkt nur noch kompostierbare Wegwerfartikel aus natürlichen Rohstoffen erlaubt. Das Verbot ist Teil eines ganzen Massnahmenpakets für den Umweltschutz.

Umfrage
Würden Sie ein Verbot von Plastikbechern und -tellern befürworten?
50 %
24 %
25 %
1 %
Insgesamt 5395 Teilnehmer

Geht es nach Yves Zenger, Sprecher von Greenpeace Schweiz, sollte die Schweiz nachziehen. «Es geht Hunderte von Jahren, bis sich Plastik komplett zersetzt. Wir müssen deshalb alles daransetzen, Plastikmüll zu vermeiden.» Auch benötige es für die Herstellung von Kunststoff viel Erdöl. «Es ist ein kompletter Unsinn, solche Produkte nach einmaligem Gebrauch wegzuwerfen», sagt Zenger. Es sei wichtig, dass sich Wirtschaft und Politik über Alternativen Gedanken machten.

Erinnerungen an «Raschelsäckli»-Streit

Auch SP-Nationalrat Beat Jans sagt: «Es ist natürlich sehr ärgerlich, wenn für den einmaligen Gebrauch von Plastikgeschirr viel Erdöl verschwendet wird.» Kompostierbare Produkte müssten gefördert werden, auch eine Lenkungsabgabe auf Plastikprodukte sei denkbar. «Ein Verbot ist für mich immer die letzte Option.» Erziele Frankreich damit aber markante ökologische Verbesserungen und fruchteten andere Massnahmen nicht, müsse auch die Schweiz diesen Schritt in Betracht ziehen.

Entschieden anders sieht das SVP-Präsident Albert Rösti. «Es ist nicht Aufgabe der nationalen Politik, solche Verbote zu verhängen.» Einerseits sei die Schweiz in Sachen Recycling bereits Weltmeisterin. «Andererseits passiert auf freiwilliger Ebene bereits sehr viel, in manchen Städten ist Einweggeschirr an öffentlichen Veranstaltungen bereits verboten.»

Bio ist nicht unbedingt ökologisch

Die Basler Firma Carbotech hat die Ökobilanz von unterschiedlichem Wegwerfgeschirr untersucht. Die Resultate stimmen Studienleiter Fredy Dinkel skeptisch, ob die französische Lösung etwas bringt. Zwar sei es so, dass Karton- oder Mehrweggeschirr im Allgemeinen eine bessere Ökobilanz hat als Einweggeschirr aus Plastik. Ein Produkt, das biologisch abbaubar sei, sei aber nicht automatisch ökologisch sinnvoll.

«Verschiedene Kunststoffe, die als biologisch abbaubar angepriesen werden und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind, verursachen in der Herstellung ebenso hohe oder höhere Umweltbelastungen als Plastikteller aus fossilen Rohstoffen.» Ihr einziger Vorteil bestehe aus Umweltsicht darin, dass sie schneller zerfielen. «Ausserdem ist das, was auf dem Teller liegt, für die Umwelt viel entscheidender als das Material, woraus der Teller besteht.»

EU-Recht verletzt?

Auch für das Bundesamt für Umwelt ist die Verhältnismässigkeit eines Verbots «fraglich». Zwar könnten Einwegprodukte mit kurzer Lebensdauer in der Schweiz verboten werden, wenn ihr Nutzen die durch sie verursachte Umweltbelastung nicht rechtfertigt. Sprecherin Rebekka Reichlin betont jedoch, dass dies einen starken Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit darstellen würde. Zudem sei Umweltbelastung durch Plastikgeschirr in der Schweiz «nicht erheblich».

Gegen das Verbot in Frankreich wehrt sich die europäische Verpackungsindustrie bereits mit Händen und Füssen. Die Organisation Pack2go warnt, dass ein Verbot das Abfallproblem gar verschlimmern könnte, weil die Konsumenten dann glaubten, sie könnten ihr kompostierbares Geschirr mit gutem Gewissen im Freien liegen lassen. Sie fordert die EU-Kommission auf, rechtlich gegen Frankreich vorzugehen, weil das Land mit seinem Beschluss den freien Warenhandel in Europa behindere.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Löö am 22.09.2016 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gläser im Anflug

    Viel Spass an allen Grossveranstaltungen wenns plötzlich keine Plastikbecher mehr gibt.

    einklappen einklappen
  • Leser am 22.09.2016 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Früher gabs mal Lektoren...

    "in manchen Städten ist Mehrweggeschirr an öffentlichen Veranstaltungen bereits verboten."

    einklappen einklappen
  • Manuela am 22.09.2016 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So nicht

    Jetzt spinnt am wirklich die Leute. Nur weil man im Luxus Lebt heisst es noch lange nicht dass alles verboten werden muss.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • 1848 am 23.09.2016 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsachen

    Wenn man bedenkt, dass es in unseren Gewässern mehr Plastik als Fische hat, ist eine Einschränkung des Kunststoffabfalls nur logisch. Warum also nicht beim Ex-und-Hopp-Geschirr ansetzen? Warum gibt es hier - wie in anderen zivilisierten Ländern üblich - ein Flaschen- oder Dosenpfand?

  • Heidi Keller am 23.09.2016 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Das wäre ein Schritt mit Signalwirkung

    Es gibt hübsches, stabiles und biologisch abbaubares Geschirr. Aus Bambus zum Beispiel. Man kann es sogar abspülen und ein paar Mal benutzen. Der eklige Plastic würde sicher niemandem fehlen.

  • Sime79 am 23.09.2016 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative ist doch schon da.

    Man kann dieses bereits aus Maisstärke bzw. Zuckerrohr 100% abbaubar kaufen. So braucht es keine Plastik mehr.

    • Grünli am 23.09.2016 12:29 Report Diesen Beitrag melden

      Bio?

      Das wurde hier ja schon reklamiert, dass Lebensmittel nicht für so etwas missbraucht werden sollten. Nicht solange Menschen Hungern auf der Welt. Bio-Sprit und Co. kann man nicht essen. Aber es steigert die Preise für die dafür verwendeten Lebensmittel.

    • Greendum am 23.09.2016 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grünli

      Dann nehmt Hanf...eine schnellbwachsende Nutzpflanze Auch diese Alternative gibt es schon.

    einklappen einklappen
  • Tugendbold am 23.09.2016 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teufelszeug

    Plastik ist des Teufels. Wer Plastik gebraucht versündigt sich und muss lange ins Fegefeuer. Die achte und 9.te Todsünden heissen: Plastik gebrauchen und Plastik verteilen, ganz egal ob mit oder ohne Bezahlung. Sieht man ja schon an den Kondomen, auch aus Plastik. Alles Sünde!

    • Bartli am 23.09.2016 14:56 Report Diesen Beitrag melden

      Zeit das was getan wird

      Fragen Sie doch mal nach, wieviel Plastik bereits im Meer schwimmt, dann in den Nahrungskreislauf gelangt. Wir müssen zw. sinnlosen und absolut notwendigen Massnahmen unterscheiden.

    einklappen einklappen
  • Big Crash am 23.09.2016 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Kometenhaft

    Da ich nicht mehr zu der ganz jungen Generation zähle, kann ich mich noch an die Schaumberge auf dem Rhein erinnern. Vater Rhein war eine Kloake, so wie viele Flüsse. Es war ein langer Weg, bis man Umweltbewusstsein entwickelt hat. Der American-way-of-live, dem so gerne gehuldigt wird, wirft uns da weit zurück. Danke Amerika, für Shopping-Malls, wo früher Tante Emma war, für Pappbecher mit Plastikdeckel, wo früher Kaffeetassen verwendet wurden. Easy livin - solange die Erde noch menschliches Leben möglich macht. Die Dinos hatten ihren Kometen, wir haben unseren Lifestyle.