Coronavirus

28. Januar 2020 04:43; Akt: 31.01.2020 17:47 Print

Der Bund soll Schweizer aus Viren-Zone holen

von B. Zanni - Ein Zürcher sitzt in der Provinz Hubei fest. Sein Schwiegersohn macht sich Sorgen um ihn und fordert von den Schweizer Behörden mehr Unterstützung.

Im Video erfahren Sie das Wichtigste über das Coronavirus. (Video: N. Zygmont/F. Naef)
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N. H.* aus dem Kanton Zürich sitzt im chinesischen Dawu fest, nahe Wuhan, dem Epizentrum des Coronavirus. Am Samstagmorgen um acht Uhr wollte der 76-Jährige den Schnellzug nach Peking besteigen – doch am Bahnhof stand er vor verschlossenen Toren.

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Nur zwei Stunden vor seiner Abreise hatten die Behörden sämtliche chinesischen Bahnhöfe dichtgemacht. «Ganz Hubei wurde am Samstag wegen des Coronavirus unter Quarantäne gestellt. Ich konnte nicht mehr ausreisen. Alles war gesperrt», sagt H.

Frühere Rückreise wegen Virus

Der Rentner befindet sich seit Oktober in Dawu – mit seiner chinesischen Frau wohnt er dort jeweils ein paar Monate im Jahr. Ende Februar wäre er in die Schweiz zurückgekehrt. Wegen des Coronavirus wollte H. China aber frühzeitig verlassen.

«Meine Frau hätte nicht mitkommen können, weil sie sich um das Enkelkind ihrer Tochter kümmern muss», sagt H. Die Rückreise will er aber nur mit der Familie antreten. «Ich würde meine Ehefrau ohnehin nicht gern in der abgesperrten Provinz zurücklassen.»

«Es hiess, man könne nicht weiterhelfen»

Kürzlich kündeten die USA, Frankreich, Japan und Deutschland Rückholaktionen ihrer Bürger aus Wuhan an – darunter auch diplomatisches Personal oder besonders gefährdete Personen wie ältere, angeschlagene Menschen. Laut H. machte in Dawu das Gerücht die Runde, dass auch der Bund Schweizer Bürger aus Hubei ausfliege. Darauf habe er die Botschaft in Shanghai kontaktiert und sich nach Rückholaktionen erkundigt. Diese habe ihn auf das Schweizer Aussendepartement verwiesen. «Als ich die Helpline des EDA anrief, hiess es, man könne nicht weiterhelfen. Ich solle mich beim BAG, der WHO und Safetravel informieren», sagt H.

Sein Schwiegersohn David Katzenfuss übt scharfe Kritik am Bund: «Während sich andere Staaten aktiv um Staatsangehörige kümmern und mittels Sondergenehmigungen die Menschen aus der Zone fahren und Flüge nach Hause organisieren, macht die Schweiz gar nichts.»

Er mache sich grosse Sorgen um seinen Schwiegervater. «Erwischt ihn das Virus, kann dies in seinem Alter tödlich enden.» Mittlerweile starben in China mindestens 80 Menschen am Virus. Die Mehrheit der Opfer war über 60 Jahre alt und hatte Vorerkrankungen gehabt.

Bedürfnis nach Hilfe aus der Schweiz

Zurzeit halte er es in Hubei noch aus, sagt H. «Ich weiss aber nicht, wie ich mich fühle, wenn die Situation mit dem Virus hier noch schlimmer wird. Es wäre schön, wenn die Schweiz in Krisensituationen auch etwas für ihre Bürger tun würde.» Er denke dabei etwa an Evakuationsflüge.

Ihm und seiner Frau gehe es den Umständen entsprechend gut, sagt H. «Wir halten uns an die Empfehlungen, tragen Gesichtsmasken, wenn wir rausgehen, essen nicht mehr in Restaurants, meiden Menschenansammlungen, gehen auf keine Partys und nicht auf den offenen Markt.» Das Wetter in Dawu sei momentan schlecht. «Auf der Strasse ist praktisch niemand.» Sein Wohnort Dawu befindet sich an der Grenze zur Provinz Hunan. «Will man nach Hunan, trifft man sofort auf Strassensperren und Polizisten. Sie wollen auf keinen Fall, dass Leute aus Hubei nach Hunan gelangen.»

Der Bund arbeite intensiv an Umgang mit Virus

Laut dem Schweizer Aussendepartement EDA steht die Schweizer Botschaft mit Schweizer Staatsangehörigen in Kontakt. «Botschaft und Generalkonsulate haben alle registrierten Schweizer Staatsangehörigen schriftlich kontaktiert», sagt Pressesprecher Georg Farago.

Ob die Schweiz auch Rückholaktionen ins Auge fasst, konnte Farago nicht beantworten. «Im Krisenmanagementzentrum und auf der Botschaft arbeitet man intensiv am Umgang mit dem Coronavirus.» Schweizern, die in China festsitzen, empfiehlt er, sich an die Schweizer Botschaft oder die Helpline des EDA zu wenden.

*Name der Redaktion bekannt

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Milo am 28.01.2020 05:10 Report Diesen Beitrag melden

    nicht wirklich

    Und dazu gleich auch den Virus in unser Land schleppen. Keine so gute Idee. So würde unsere Bevölkerung ganz bewusst in Gefahr gebracht.

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  • Marlies2018 am 28.01.2020 05:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antwort: nein

    Der Bund sollte sich nicht selbstgewählte Risiken von Privaten einmischen.

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  • CaptainLonestarr am 28.01.2020 05:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverantwortlich

    Staaten die jetzt ihre Bürger nach Hause holen handeln unvernünftig. Man wird so auch den Virus mitimportieren. Auf der anderen Seite verstehe ich die Aufregung nur teilweise. Die Mortalität liegt bei ca 3%, die jährlichen Grippen kommen auf 0,5 bis 2,5%. Es sterbrn im Schnitt 50000 Leute jedes Jahr an der Grippe und hier im Forum findet man die Grippe ja total harmlos

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wahrer Weisheit am 04.02.2020 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    scheiß Fliegerei ist des Übels Quell

    Warum werden die Viren-Schleudern ausgeflogen? Das ist verantwortungslos. Der Flugverkehr sollte zu 100% eingestellt werden.

  • Missy am 02.02.2020 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gahts no!!!!!!

    Und? :) Wer umarmt die Schweizer die morgen ankommen als erstes ganz herzlich und fest? Nei hallo GAHTS NO!!!? Wieso werden diese potentiellen Krankheitserreger in unser schönes Chääs-Shoggi-Paradies gebracht???

    • flug corona am 04.02.2020 22:10 Report Diesen Beitrag melden

      unnötige Flüge

      Genau laßt die Viren-Schleudern da wo sie sind.

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  • Putzfrau am 30.01.2020 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wisch, wisch

    Beachten Sie diesen Kommentar nicht, ich putze hier nur.

  • Regie am 30.01.2020 00:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    too late

    Holen wir den nicht, für ein ,,ups!" ist es danach zu spät

  • Max Müller am 30.01.2020 00:14 Report Diesen Beitrag melden

    Coronavirus eine Gefahr

    Ich vermute, dass hier von der Politik uns einiges verschwiegen wird. Seht euch mal die Leute an wie die in Chima angezogen sind. Ganze Städte werden abgeriegelt. Und die Idioten wollen noch aus dem verseuchten Ländern die Leute zurückholen!? Das ist alles andere als eine leicht stärkere Grippe. "Wacht auf Leute"