Entwicklungshilfe

25. Juli 2018 23:37; Akt: 25.07.2018 23:37 Print

Soll die Schweiz in Afrika Bahnstrecken bauen?

China hat in Kenia für rund 3,8 Milliarden Dollar eine neue Eisenbahnstrecke gebaut. Ein guter Ansatz für die Schweizer Entwicklungshilfe, findet eine CVP-Politikerin.

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«Warum baut die Schweiz keine Eisenbahnstrecken in Afrika?» Mit dieser Frage machte die CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter am Montag per Twitter-Post auf sich aufmerksam. Darin verwies sie auf einen Artikel der NZZ, der den Eisenbahnbau in Kenia durch China thematisiert. Der Madaraka-Express fährt von Nairobi nach Mombasa, der Hafenstadt, die auch als Kenias Tor zur Welt bezeichnet wird und ein zentraler Handelspunkt ist. Die Eisenbahnstrecke in Kenia ist Teil der sogenannten «Belt and Road Initiative», mit der China zentralasiatische und ostafrikanische Staaten in den Welthandel einbinden will.

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Für Schneider-Schneiter eine schlaue Strategie: «Eine durchdachte Eisenbahn ist sehr zentral für die Infrastruktur und die Wirtschaft in Entwicklungsländern», sagte sie zu 20 Minuten. Auch Schweizer Unternehmen könnten ihre Technologien und ihr Know-how vor Ort in afrikanischen Entwicklungsländern einsetzen, um die dortige Infrastruktur zu verbessern. Laut der Aussenpolitikerin könnten so nachhaltige Handelsbeziehungen aufgebaut werden, die auch der Schweiz zugutekämen. «Es geht nicht um ausbeuterische Machtpolitik à la China.»

«Effiziente Entwicklungshilfe basiert auf einer Win-win-Situation»

«Langfristige und effiziente Entwicklungshilfe soll auf einer Win-win-Situation basieren», sagt Schneider-Schneiter. Der Bau einer Eisenbahnstrecke sei ein gutes Beispiel, weil vom Handel beide Seiten profitieren würden. «Dabei sollten jedoch nicht bloss alte SBB-Züge nach Afrika geliefert werden, sondern vor Ort mit Schweizer Know-how etwas aufgebaut werden.» Gemäss der Nationalrätin ist es zwingend, den Privatsektor in die Entwicklungshilfe einzubeziehen. Afrika sei ein Markt, der Chancen biete. «Es geht darum, in der Schweizer Entwicklungspolitik ein neues Fundament zu setzen. Die gegenwärtige Schweizer Entwicklungshilfe ist eine Einbahnstrasse», sagt die Nationalrätin.

Schneider-Schneiter will nicht mehr Geld in die Entwicklungshilfe stecken, sondern neue Schwerpunkte setzen: «Die Schweiz lässt heute blind Gelder in viele beliebige Entwicklungsländer fliessen, selbst wenn dubiose Regierungen an der Macht sind. Wichtig ist, dass wir nur noch in jene Staaten investieren, die bereit sind, gegen Korruption vorzugehen und ihre Menschenrechtslage zu verbessern», so die CVP-Politikerin.

«Entwicklungsgelder für die Ärmsten der Armen»

Roland Rino Büchel, SVP-Nationalrat, bezeichnet die Vorstellung einer Schweizer Eisenbahn in Afrika als «Träumerei». Der SVP-Nationalrat will wie seine Partei bei der Entwicklungshilfe kürzen. «Verstärkte Hilfe vor Ort lehne ich nicht ab, der Aufbau von Infrastruktur in Staaten wie Kenia ist jedoch nicht Sache der Entwicklungshilfe. Wenn schon müssten private Firmen investieren. Er selber habe in verschiedenen afrikanischen Staaten gearbeitet und kenne die Zustände. Der Aussenpolitiker bezeichnet eine Handelspartnerschaft der Schweiz mit afrikanischen Entwicklungsländern als äusserst unrealistisch. «China hat bereits 2001 Fussballstadien in Mali gebaut, der Schweiz aber fehlen schlicht die Mittel. Wir sind kein Grossinvestor», sagt Büchel.

Zora Schaad, Medienverantwortliche der Entwicklungsorganisation Swissaid, verweist darauf, dass Entwicklungshilfe idealerweise stets Hilfe zur Selbsthilfe sein sollte. Sie sei nicht per se gegen den Bau von Eisenbahnstrecken, die Interessen von Schweizer Konzernen dürften dabei aber nicht im Vordergrund stehen. Besonders wichtig für erfolgreiche Entwicklungshilfe sei die Orientierung an den Bedürfnissen der Zivilbevölkerung. «Entwicklungszusammenarbeit muss auf Augenhöhe mit der lokalen Bevölkerung stattfinden. Die Schweizer Entwicklungsgelder dürfen nicht in Prestigebauten für afrikanische Regierungen fliessen, sondern sollen den Ärmsten der Armen zugutekommen», sagt Schaad.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Huber am 25.07.2018 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Volksfeindliche CH Regierung

    Liebe Polittreumer, für die AHV kein Geld, aber zum verprassen sind Milliarden da!

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  • Jonas am 25.07.2018 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wers glaubt

    China hat diese Bahnstrecke ganz sicher nicht aus rein humanitären Gründen gebaut. Es geht um Einfluss und Macht zu gewinnen in Rohstoffreichen Ländern. Der Chinesische Ansatz hierfür ist lediglich etwas feinfühliger als der amerikanische.

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  • Leon am 25.07.2018 23:55 Report Diesen Beitrag melden

    Private ja, Steuergelder nein...

    Gründet einen Fond. Diejenigen die das Projekt unterstützen, sollen spenden. Aber hört endlich auf, Steuergelder zu verprassen. Es reicht doch schon, dass die SBB Steuergelder zweckentfremdet und in mind. einem Land, Italien, investiert. Es reicht...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mawa am 30.07.2018 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Afrika!

    Was mich immer wieder aufregt ist ... das Afrika ohne westlicher Hife nichts gebacken bekommt! Ist mal ein Brunnen gebaut worden? ... Kaum sind die Europärer weg ... ist niemand mehr in der Lage es zu reparieren! Und so schreien alle weiterhin nach Hilfe! Muss man Afrika wirklich noch unterstützen!? Ich nicht!

    • Ruedi am 18.08.2018 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Hilfe in Afrika

      Man hat ihnen immer nur den Fisch gegeben, anstelle einer Rute und sie fischen gelehrnt.

    • gei am 25.08.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mawa

      Unter Deckmantel des Hilfe dient das Kontinent nur als wirtschaftsfordernde Rohrstofflager.

    • lu am 25.08.2018 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ruedi

      Sie dürfen demnächst in Deutschland eine allgemeine Dienstjahr absolvieren, dort werden sie schon lernen.

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  • Retipleti am 30.07.2018 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbeutung von Grossen Konzernen

    Das wäre gut, nachdem die Leute dort mehr Essen hätten und Nestle nicht das dortige Wasser teuer verkauft.

  • Nemo am 27.07.2018 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Water

    Eine stabile Wasserversorgung wäre da immernoch das hilfreichste!

  • fraglich am 27.07.2018 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutzen

    gibt es dort nichts Wichtigeres als gesteigerte Mobilität, die dann wohl niemand bezahlen kann oder auch nicht braucht.

    • Ruedi am 18.08.2018 11:50 Report Diesen Beitrag melden

      Bahn

      Die Chinesen haben die Bahn aus eigenem Interesse gebaut um Kenya auszuhöhlen.

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  • Beobachter am 27.07.2018 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Für was?

    Seit Jahrzehnten wird Dass schon gemacht, Ergebniss. Die bezahlte Infrastruktur, Spitäler, Traktoren, Maschinen.... wird ohne Unterhalt benutzt, was sich klauen + verkaufen lässt verschwindet, bis Alles am Ende ist und dann geht das Gejammer über die bösen "Geldstaaten" wieder von vorne los. Kein Kontinent hat mit den erhaltenen Milliarden bis jetzt über Jahrzehnte so wenig zu Stande gebracht wie Afrika. Ausser dass sich immer die Gleichen die Taschen füllen.

    • Ruedi am 18.08.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      Gelspenden

      Das Geld fliesst bei den Richtigen über den Tisch und die bedienen sich schamlos, daneben verhüngern die Armen.

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