1 bis3 Millionen Schaden

14. September 2016 11:44; Akt: 14.09.2016 11:44 Print

Soll man den Biber abschiessen?

Kaputte Strassen und ausgehöhlte Böden: Der Bund soll für durch Biber verursachte Schäden zahlen, so eine Initiative. Auch Abschüsse werden erwogen.

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Im Thurgau ärgern sich die Bauern über die Biber. Sie überschwemmen nicht nur ihre Felder, sie untergraben auch wassernahe Scheunen und Wege, die dann einstürzen. Für Letzteres müssen die Bauern und Gemeinden selbst aufkommen. Bund und Kantone zahlen nur für Schäden an Ernte oder Feldern. Wird Infrastruktur beschädigt, bleibt die Kasse dagegen zu. Im Kanton Thurgau belaufen sich die Infrastrukturschäden auf bis zu 200’000 Franken. Für die gesamte Schweiz schätzt die Ständeratskommission die Schäden auf ein bis drei Millionen Franken. Am Mittwoch debattiert der Nationalrat über eine Standesinitiative, die diese Situation ändern möchte.

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Sollen Bauern für Biberschäden kompensiert werden?
23 %
36 %
38 %
3 %
Insgesamt 2208 Teilnehmer

«Das Jagdgesetz ist viel zu alt. Als es in Kraft getreten ist, waren die bundesweit geschützten Arten meist grosse Raubtiere», sagt Initiant und Thurgauer Kantonsrat Paul Koch (SVP). Diese würden gemäss dem Förster zwar landwirtschaftliche, aber keine Infrastrukturschäden verursachen. Deshalb sei im Gesetz für diese Schäden auch keine Kompensation vorgesehen .«Der Biber ging damals vergessen.»

Soll man den Biber abschiessen?

Die Biber umzuplatzieren ist für Koch keine Lösung, weil sie meist zurückkämen. «Der Biber hat grosse Lebensräume für sich erschliessen können.» Nun müsse man darauf achten, dass er nicht in die Kulturlandschaft und Dörfer eindringe. «Die Akzeptanz der Biber in der Bevölkerung ist noch gross, das könnte sich aber ändern», sagt Koch.

Die Biberpopulation wachse und könne bald aus den geschützten Arten austreten. Dies liege daran, dass ohne Raubtiere der Mensch sein einziger natürlicher Feind sei. Koch sagt: «Wenn die Population in Zukunft überhandnimmt, ist eine Jagderlaubnis für Biber nicht auszuschließen. In Bayern gibt es die jetzt schon.»

«Entschädigung ist unnötig»

Die Ständeratskommission hält eine Entschädigung für unnötig. Die meisten Biberschäden würden gerade mal zehn Meter vom Wasser entfernt entstehen. «Wenn zukünftig die vorgeschriebenen Gewässerräume eingehalten würden, sänken die Schäden massiv», sagt der Sprecher der Kommission, Werner Luginbühl (BDP).

Initiant Koch hält diese Massnahmen für unnütz: «Auf diesen Gebieten hat es auch Strassen, und die kann man nicht einfach verschieben.»

Auch dies ist für die Kommission kein Grund für weitere Kompensationen. Die meisten Strassen in Wassernähe seien landwirtschaftliche Wege und keine befestigten Strassen. Darüber hinaus setze eine Zahlung falsche Anreize. «Wer für einen eingestürzten Weg entschädigt wird, der repariert diesen einfach, anstatt ihn weit genug weg zu verlegen», so Luginbühl.

«Biber sind die Kosten wert»

Die Naturschutzorganisation Pro Natura lehnt eine Entschädigung für beschädigte Infrastruktur im Grunde nicht ab. «Die Kompensation darf aber nicht als Vorwand genutzt werden, keine Schadensprävention zu machen», so ihr Sprecher Roland Schuler. Es gebe ja auch andere Massnahmen, um Biberschäden zu vermindern. Man könne zum Beispiel Gitter anbringen, um die Biber daran zu hindern, Strassen auszuhöhlen.

Ein Szenario, das den Abschuss erfordert, ist für Schuler nicht vorstellbar. Es sei ein Glück, dass die Biber in der Schweiz wieder einen Lebensraum gefunden haben. «Der Biber ist ein besonderes Tier, er schafft Lebensräume für zahlreiche bedrohte Arten.» Den Schaden, der dabei zustande komme, mache der Biber durch seine Arbeit für die Biodiversität mehrfach wett.

(lz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laimigs am 14.09.2016 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Den Spiess umdrehen

    Wer entschädigt Biber, Wolf & co für die Schäden, welche wir Menschen täglich in ihrem Lebensraum verursachen?

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  • protect the animals am 14.09.2016 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..ja klar..

    ..nach dem bär und dem wolf folgt jetzt auch noch der biber...was soll das denn?..derjenige der überall am meisten schaden anrichtet ist znd bleibt der mensch..gebt den tieren ihren lebensraum und lasst sie einfach leben...

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  • N.F am 14.09.2016 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Und wie viele schaden machen Menschen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • anonymer Mensch am 15.09.2016 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langeweile im Bundeshaus?

    Lasst die Bäume doch von Herdenschutzhunden beschützen...! ;-) Während Wölfe und Biber als problematisch eingestuft werden, wird eine Wiederansiedlung von Wisenten in Betracht gezogen... Herrscht Langeweile im Bundeshaus, oder was...?

  • Old Jack am 15.09.2016 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man merkt

    der gewisse schweizer ist doch noch ein neuzeitlicher neandertaler. machts wie die indianer. leben und wirtschaften, im einklang mit der natur und tier

  • Jaimee Arnold am 14.09.2016 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr normal

    Die Menschen sind nicht mehr in der Lage mit der Natur zusammen zu Leben.

  • Faton am 14.09.2016 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir IHNEN 

    Ich glaub eher fügen wir ihrem Wohnraum Schaden an nicht sie uns!

  • Arollax am 14.09.2016 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewisse Menschen...

    Und gewisse Menschen dürfen die halbe (wenn es dumm läuft auch die ganze) Welt verwüsten?