Geld für Hausarbeit

17. Januar 2019 11:23; Akt: 17.01.2019 11:27 Print

Sollen Kinder ihren Eltern einen Lohn zahlen?

von B. Zanni - Eine Lehrerin will Eltern davon abhalten, kostenlos den Haushalt für ihre Kinder zu schmeissen. Ist das eine familienfeindliche Forderung?

Passanten erzählen, was sie von einem Stundenlohn für die elterliche Hausarbeit halten. (Video: Bettina Zanni)
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Mami putzt das Zimmer, Papi zaubert jeden Tag ein Menü auf den Tisch. Selbstverständlich werfen Sohn und Tochter nach der Arbeit auch noch ihre dreckige Wäsche in den Korb, die die Eltern wenig später wieder frisch gebügelt im Schrank versorgen. Solche Haushalte lassen Liselotte Keller aufschreien.

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Sollen Kinder, die verdienen und noch zu Hause wohnen, die Hausarbeit entschädigen?

Viele berufstätige Kinder genössen auch nach ihrer Ausbildung und mit gutem Verdienst einen kostenlosen Vollservice zu Hause, schreibt Keller, die Direktvermarktung an der Bäuerinnenschule Strickhof unterrichtet, im «Schweizer Bauer». Da all diese Dienstleistungen mit Arbeits- und Zeitaufwand sowie Kosten verbunden seien, habe die Mutter und Hausfrau Anrecht auf eine angemessene Entschädigung. «Für jede Tochter und jeden Sohn, die voll verdienen, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, die von der Mutter geleistete Arbeit zu entschädigen und ihr damit Wertschätzung zu zeigen», fordert Keller.

28 Franken Lohn fürs Waschen

Eltern, die für ihre Nesthocker oder auch ausgeflogenen Kinder den Haushalt schmeissen, leisteten viel Fronarbeit. Keller rechnet mit den Richtwerten von Agridea für «Dienstleistungen im Haushalt» vor: Kinder wären ihren Eltern einen Stundenlohn von 28 Franken schuldig, wenn sie acht Kilo Wäsche pro Woche von ihnen waschen und bügeln lassen.

Pro Monat beläuft sich der Lohn für die regelmässige Wäsche auf 118.10 Franken. Miteinbezogen sind sämtliche Kosten pro Waschgang – vom Ankaufspreis für die Waschmaschine über die Stromkosten bis zum Arbeitsaufwand.

Sollen Nesthocker ihrem Mami einen Lohn zahlen?

«Geld für Netflix und Kleider statt Hausarbeit»

Fast die Hälfte der Schweizer Nesthocker wohnt gratis. Knapp jeder dritte Mann im Hotel Mama zieht das Elternhaus vor, um sich nicht an der Hausarbeit beteiligen zu müssen. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Umfrage des Online-Vergleichsdienstes Comparis.ch von 2017.

«Ein Teil des Nachwuchses zahlt den Eltern Haushaltsgeld. Es gibt aber auch berufstätige Kinder, die nach der Lehre nichts abgeben müssen», beobachtet Jürgen Feigel, Familientherapeut und Mediator in der Praxis Sinnform. Zahle der voll verdienende Nachwuchs keinen Beitrag, leiste sich dieser oft einen konsumreichen Lebensstandard. «Diese Söhne und Töchter geben ihr Geld für Netflix, Spotify, Kleider, Ausgang und vielleicht noch ein Auto aus.» Dies führt laut Feigel oft zu Konflikten mit den Eltern.

«Ist die Mutter eine Angestellte des Kindes?»

Feigel unterstützt einen Haushaltslohn für Eltern. «Sie leisten ja schliesslich mit Einkaufen, Waschen, Kochen oder Putzen eine Arbeit, die entschädigt werden sollte.» Bereits Lernende sollten einen Beitrag bezahlen. «Zwischen 20 und 100 Franken im ersten Lehrjahr sind angemessen.» Laut Feigel führt die Abgabepflicht dem Nachwuchs vor Augen, dass das Leben kostet. «Man kann nicht alles aufbrauchen.»

Isabel Garcia, Präsidentin des Vereins Secondas Zürich, spricht hingegen von einer «familienfeindlichen Forderung». «Ist die Mutter etwa eine Angestellte ihres eigenen Kindes?», fragt sie. Der Staat könne froh sein, wenn Familienmitglieder einander freiwillig unterstützten. «Das ist gelebte gesellschaftliche Solidarität. All diesen Leuten spreche ich ein grosses Lob aus.»

Mütter könnten auch Nein sagen

Gerade Migrantenfamilien aus südlichen Kulturen sei der Gedanke fremd, die eigene Mutter oder auch den Vater für die Hausarbeit zu bezahlen. «Die Hausarbeit sehen die Eltern und erwachsenen Kinder nicht als zahlbare Dienstleistung, sondern als Ausdruck gegenseitiger Unterstützung», betont Garcia. Die Kinder hälfen den Eltern im Gegenzug etwa bei technischen Angelegenheiten oder setzten sonstige Stärken ein.

Zudem sei die Debatte um eine Entschädigung absurd, da keine Mutter zur Hausarbeit für ihre erwachsenen Kinder gezwungen werden könne. Garcia: «Fühlen sich Mütter ausgenutzt, haben sie die Freiheit, die Hausarbeit zu verweigern oder sie dem Vater zu überlassen.» Ausserdem gebe es viele junge Erwachsene, die keine Toplöhne hätten und froh seien, wenn man sich innerhalb der Familie helfe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mary am 17.01.2019 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld abgeben

    Ich habe während der Ausbildung zu Hause Geld abgegeben für Miete/Haushaltsarbeiten wie waschen. 100/150 dann 200Fr. Und als voll Verdienende 500Fr. Sollte selbstverständlich sein und so lernen wir auch mit dem Geld umzugehen.

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  • nicht- Hotel mama am 17.01.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    find ich gut

    ich finde es selbstverständlich, dass man ab dem Lehrlingslohn etwas verlangen darf. Bei mir war es so, dass ich jeden Monat 50.00 meinen Eltern gab an das Haushaltungsgeld. dafür war immer gekocht, gewaschen, geputzt usw. die Kinder müssen auch lernen was abzugeben. irgendwann müssen sie ja auch selber wohnen und miete bezahlen. so lernt man einteilen.

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  • SaSa am 17.01.2019 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Ich musste auch Miete abgeben 200 pro Monat, fand ich auch nicht toll. Doch ich esse und lebe im Haushalt somit sollte man sich auch beteiligen. Später muss es auch schaffen, arbeiten, Miete und Auto zu finanzieren. Um so früher damit anfängt umso besser für das spätere leben. Ist meine Meinung. Jeder darf darüber anders denken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Richtige Werte am 21.01.2019 02:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe ist wichtiger als Geld

    Ich denke nicht das man die Leistungen für die Familie der eigenen Kinder am finanziellen Wert anprangern sollte. Vielleicht unterstützt man sie in den Startjahren und vielleicht wird man auch öfters im Altersheim besucht anschliessend.

  • Ms.Dith am 20.01.2019 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn mein Kind weiter studieren. Ich brauche von I

    Wenn ich zu meine verstorbenen Ehemann 2 Kinder bekommen, so Bub und Mädchen. Mein Buben bleibt sicher noch zu Mama. Leider hab ich nur ein Mädchen. Wenn ich ein Bub habe. Mein Bub kann Lebens lang zu mir wohnen solange Er studieren muss. Ich mache für mein Bub alles. Ich habe auch zu meinem Ehemann alles gemacht. Schade das ich und meinem Mann nur ein Kind gemacht. Ich habe nicht gedacht. Mein Mann ist alt. Wenn ich noch ein Kind hat, dann bin mit mein Buben zusammen, wenn meine Mann nicht mehr da ist.

  • Ms.Dith am 20.01.2019 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn mein Kind weiter studieren. Ich will von ihr

    Wenn zum Beispiel meine Tochter voll verdient und macht weitere Ausbildung, dann ist okay für mich, wenn Sie mir kein Geld geben und noch zu mir wohnen. Meine Tochter darf zu mir Lebens lang wohne solange Sie studieren muss und noch kein Freund hat. Wenn meine Tochter voll verdient und Sie einen Freund hat, dann darf Sie nicht mehr zu mir wohnen. In der Schweiz Mädchen ging so wieso schnell zu die Eltern Weg als Bub, wenn Sie Liebes Kümmern, so total Knall verliebt. Buben bleibt meisten länger zu die Mutter besonders , wenn der Bub gute liebe Mutter hat. Bei Mädchen ist alles egal.

  • stella3 am 19.01.2019 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten teilen.

    ich bin Mutter von drei Jungs. Wenn sie voll verdienen, möchte ich, dass sie anteilsmässig sich an den Kosten beteiligen. Zudem helfen sie entweder anteilsmässig am Haushalt oder wir beschäftigen eine Putzfrau und teilen uns die Kosten.

  • Martial2 am 19.01.2019 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Pflicht von den Eltern...

    Wenn Sohn, Tochter aus der Lehre/Studium sind, einen Lohn beziehen und im Hotel Mama hausen, ist es selbstverständlich, dass die einen festen Betrag monatlich abgeben müssen... Anders sind es Parasiten und Profiteurs!!

    • Ueli am 19.01.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Richtig. Oder um einen deutschsprachigen Ausdruck zu nehmen: Rosinenpicker.

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