Meinungen: Ja oder Nein?

24. November 2018 17:24; Akt: 24.11.2018 17:24 Print

SRF-Fischlin legt sich mit seiner neuen Chefin an

SRF-Moderator Franz Fischlin stellt sich gegen Nathalie Wappler: Er plädiert für pointierte Kommentare, die neue SRF-Chefin will keinen Meinungsjournalismus.

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Die Sender des Schweizer Fernsehens SRF sollen künftig auf Meinungsjournalismus verzichten. Nachrichtenbeiträge sollen bloss noch abbilden, nicht mehr bewerten, wie die designierte SRF-Direktorin Nathalie Wappler im Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagte.

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«Wir müssen ein Programm machen, das informiert, aber nicht polarisiert. Wir müssen keinen Meinungsjournalismus machen», sagte die 50-Jährige, die im Frühjahr 2019 Nachfolgerin von SRF-Direktor Ruedi Matter wird. «Wenn wir in einem Beitrag einen Politiker zu Wort kommen lassen und wenn der Journalist dann den Eindruck erweckt, er wisse es besser, provoziert das einen Vertrauensverlust.»

«Plädiere schon seit Jahren für Kommentare»

Diese Haltung der Direktorin stösst bei der SRF-Belegschaft nun auf Widerstand. «Die Aussage von Nathalie Wappler hat mich irritiert. Auch bei der SRG sollte es möglich sein, dass die Journalisten in der ‹Tagesschau› kommentieren», sagte SRG-Ombudsman Roger Blum gemäss einem Twitter-User am Journalismustag 18 am Donnerstag in Winterthur.


Fischlin habe sich ebenfalls leidenschaftlich für pointierte Kommentare eingesetzt, schreibt ein anderer Twitterer. «Das gilt allgemein für SRF», so Fischlin gegenüber 20 Minuten. Kommentare müssten klar deklariert und von der übrigen Berichterstattung klar getrennt sein, so Fischlin: «Als Vorbild könnten etwa die Kommentare in den Nachrichtenformaten von ARD und ZDF dienen.»

«Einen reinen Meinungskommentar wird es nicht geben»

Auf Anfrage von 20 Minuten erteilt Tristan Brenn, Chefredaktor TV beim SRF, den Forderungen nach Meinungskommentaren jedoch eine Absage: «SRF-Journalisten haben noch nie ‹Meinungsjournalismus› gemacht und das sollen sie auch in Zukunft nicht.» Man solle Meinungsäusserungen nicht mit kritischen Nachfragen und mit einer journalistischen Haltung verwechseln. Beides sei auch in Zukunft bei SRF erwünscht.


Ein mögliches Vorbild für Fischlin: Anja Reschke, Chefredaktorin des ARD-Politmagazins «Panorama». (Video: ARD)

Einen reinen Meinungskommentar, etwa mit Bezug auf politische Vorlagen und Parteien, werde es auch in Zukunft nicht geben, so Brenn: «Wir setzen auf die kritische Einordnung des politischen Geschehens, etwa durch SRF-Korrespondenten oder SRF-Fachexperten. Diese tragen wesentlich mehr zur Meinungsbildung des Publikums bei, als wenn wir dem Publikum sagen, was es zu denken hat.»

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Praktikus am 24.11.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Endlich eine Chefin die wieder klar Meinungen von Berichterstattung trennen will. Es ist gefährlich wenn diese vermischt werden. Manchmal ist kaum zu unterscheiden was in einem Beitrag Kommentare (Comments) und Berichtetstattung (Reporting) sind. Bestes positives Beispiel ist das Time Magazine deren Reporter ohne Kommentare rapportieren. Bravo!

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  • arno am 24.11.2018 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich glaub zwar noch nicht daran.

    Da müssen die Herren Brotz, Schmetzer und Co. ganz gewaltig um ihren Job bangen. Endlich wird das schweizer Fernsehen mal Richtung politische Mitte getrimmt, war schon lange nötig.

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  • Slimanous am 24.11.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee, aber..

    Wenn sie das durchbringt, wird sie sicher schnell wieder von ihrem Posten verdrängt... Auch wenn es mal eine sinnvolle Idee ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 25.11.2018 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist schon SRG/SRF?

    Sobald man eine lustige Bemerkung oder Witz rauslässt, gibts in diesem Laden Probleme... Darum schauen wir dieser Sender nie mehr!

  • Martial2 am 25.11.2018 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er war nicht der Einzige...

    Ab und zu Pointes in diesen langweiligen Nachrichten, hört man gerne. Das machte z.B. Herr Stefan Klapproth schon immer... Die meisten fanden ihn witzig, wir auch!

  • Peter am 25.11.2018 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ein bisschen gemein

    Mit No-Billag wären wir beide los.

  • Claudio46 am 25.11.2018 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SRF

    Herr Fischlin gehört zu den besten Tagesschau Sprechern, er kann sich das wirklich leisten. Er ist kompetent, aussagekräftig und sehr klug. Die neue Diretorin ist ja noch nicht einmal im Amt und macht schon solche Ansagen. Man kann Ihr nur wünschen, dass sie die besten Leute nicht verliert. Denn die Billag Gebühren kommen immer noch von den Zuschauern.

  • peter brunner am 25.11.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Abwarten und dann erst eine Meinung bilden. Es wird nichts gegessen was so heiss gekocht worden ist.