Freiburg

16. September 2014 05:55; Akt: 16.09.2014 11:32 Print

Sozialhilfe bezahlt Bezügern den Stilcoach

von D. Waldmeier - Kleidung, Frisur, Make-up: Im Kanton Freiburg können die Behörden Sozialhilfebezüger zum Umstyling schicken, damit sie einfacher einen Job finden. Kostenpunkt: 785 Franken.

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Mit diesen Styling-Beispielen wirbt die Stilberaterin Coralie Andrey auf ihrer Website coaching-osmose.ch. (Bild: Screenshot coaching-osmose.ch)

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Um zu verhindern, dass Personen ein Leben lang von der Sozialhilfe abhängig sind, setzen viele Kantone auf sogenannte Eingliederungsmassnahmen – Sozialhilfebezüger müssen Müll einsammeln, Sprachkurse besuchen oder sie werden beim Schreiben von Bewerbungen unterstützt. Besonders kreativ ist der Kanton Freiburg: Dort wird nicht nur ein Aquafit-Kurs, sondern seit rund einem Jahr auch ein professionelles Umstyling angeboten.

Umfrage
Soll die Sozialhilfe auch Aquafit-Kurse oder oder ein Umstyling bezahlen?
32 %
65 %
3 %
Insgesamt 13595 Teilnehmer

Das Angebot eignet sich laut dem Beschrieb im Internet für Personen, die ihr Aussehen «komplett vernachlässigt» haben. In mehreren Lektionen bei einer Stilberaterin befassen sich die Arbeitssuchenden mit der Wahl der passenden Farben, mit dem Make-up und der stilsicheren Kleidung – der Coach hilft beim Aussortieren der Garderobe, klärt über vorteilhafte Schnitte auf oder begleitet die Person beim Shopping. Sogar ein neuer Haarschnitt ist dabei.

Vom Entlein zum schönen Schwan

Dank des neuen Looks soll «das natürliche Strahlen einer Person durch das Erscheinungsbild zur Geltung gebracht werden» und deren Selbstwertgefühl gestärkt werden, was die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessere. Die Bilder auf der Homepage des Anbieters coaching-osmose.ch sind vielversprechend: Gezeigt werden professionelle Vorher-nachher-Bilder, wie man sie aus Hochglanz-Magazinen kennt.

«Wenn viele Arbeitgeber sagen, dass das Aussehen nicht entscheidend sei, so ist das nicht ganz ehrlich. Der erste Eindruck ist sehr wichtig», sagt die zuständige Image-Beraterin Coralie Andrey. Komme man verwahrlost oder unpassend gekleidet an ein Vorstellungsgespräch, habe man kaum Chancen auf den Job. Auch ein gutes Foto im Lebenslauf erhöhe die Erfolgschancen markant.

Kostenpunkt: 785 Franken

Die Sitzungen dauern zwischen einer und zwei Stunden und kosten den Steuerzahler insgesamt 785 Franken. Laut Jean-Claude Simonet, wissenschaftlicher Berater beim Sozialamt des Kantons Freiburgs, ist das Geld im Styling-Kurs aber gut investiert: «Es geht darum, dass man Leuten hilft, die lange nicht gearbeitet haben und alle Regeln eines ansprechenden Äusseren missachten.» Man wolle nicht, dass sich die Arbeitsuchenden wegen des verwahrlosten Aussehens die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbauten.

Bislang ist gemäss Simonet erst einer Person eine Image-Beratung bezahlt worden. Die Frau habe danach auch tatsächlich einen Job gefunden. «Die Massnahme hat sich für den Steuerzahler also mehr als gelohnt, sie ist wirkungsvoll.» Der Erfolg freut vor allem auch Stilberaterin Andrey: «Die Frau war kaum mehr wiederzuerkennen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.M. am 16.09.2014 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Na Toll

    Na super, als ich, Schweizer 58, während 4 Jahren arbeitslos war, ohne Sozialhilfe habe ich alles selbst bezahlt. Steuern musste ich auch noch zahlen. Irgendwie habe ich je länger je mehr das Gefühl im falschen Film zu sein.

    einklappen einklappen
  • Guguseli am 16.09.2014 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nicht gerecht

    Puahhh. Da wied mir doch schon am Morgen übel. Wir krüppeln uns den Rücken krumm und für Ferien oder so, reicht es trotzdem nicht. Da wäre es doch langsam besser, wenn wir uns den Arsch auf dem Sofa platt drücken!!!!

  • Stöff am 16.09.2014 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch egal,

    wofür die Beamten die Steuergelder verschwenden. Wichtig ist die Transparenz und die Namen der Verschwender. Der Steuerzahler hat dann bei den nächsten Wahlen eine Entscheidungsgrundlage mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dave am 17.09.2014 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wähler wollen es so

    Wieso regt ihr euch alle so auf? Solange Rot-Grün jedes Mal zusammen um die 28 Prozent Wählerstimmen kriegt, wird sich nie was ändern. Anscheinend wollen mehr als ein Viertel der Schweizer Bürger einen solchen Nannystaat. Das ist Demokratie. 2015 gibt es wieder eine Möglichkeit, das zu ändern.

  • Rieder Manuel am 17.09.2014 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    "Kleider machen Leute"

    Nur auf den ersten Blick überrissen. Die von Sozialgeldern Abhängigen, stehen Jobsuche mässig und finanziell auf der untersten Stufe. Um sie nachhaltig raschmöglichst wieder auf dem Arbeitsmarkt integrieren zu können, brauchen sie Hilfe. Wie landesweit einheitlich beratende, moralische und finanzielle Hilfe (SKOS- Richtlinien) mit dazugehörender Kontrolle. Insofern ist ein sog. Stilcoaching und Stiltraining eine innovative Idee, die unter Anwendung eines gesunden Menschenverstandes den häufig etwas traurig und vernachlässigt aussehenden Sozialempfängern mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt geben.

  • Pit Rorschach am 17.09.2014 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Innere Werte

    Es kommt nicht auf das Äussere an. Wichtig sind die Fähigkeiten. Das sage ich als ehemaliger Arbeitgeber.

  • kyrana am 17.09.2014 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sozialamt CH. Hilfe für in not geratene Nein...

    Sozialhilfe ist das letzte , wenn Du wirklich hilfe brauchst sind sie nicht für Dich da oh. Nein. Habs am eigenem Leib erfahren müssen. Hatte 3mal Krebs in 2. jahren. Rauche und Trinke nicht.!!! Meine Lohnvers. hat ohne Ankündigung die Zahlungen eingestellt. Ich stand ab Januar 14. ohne Geld da und war noch bis ende April krank geschrieben. Konnte keine Rechnungen mehr bezahlen. Die Alimente reichten grad für die Miete und rest von 200.- fr. für Essen. Soll selber schauen. Bin leider nicht aus Afrika, nur Schweizerin....

  • Maja Roos am 17.09.2014 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...und er ist noch stolz darauf

    Leben und leben lassen, so sehe ich das normalerweise. Wenn ich aber in der Pause einen Vater (50er, guter Job, "vernünftiger Typ") erzählen höre, sein 29-jähriger Sohn habe noch nie gearbeitet, weil es auch heute noch relativ einfach sei, auf Kosten des Staates zu leben, dann frage ich mich schon. Seine Kollegen fanden das "daneben", er meinte, es sei ihm egal und viel lieber, der Staat zahle, als dass er das müsse. Ich weiss, dass die Geschichte stimmt und staune, dass er nicht erkennt, dass er doch auch mehr Steuern zahlt dank solcher "Sozialhilfe". Sein Stolz darauf stört mich am meisten..